Trebgast
Erinnerung

Früherer Kulmbacher Landrat wäre am Montag 100 geworden

Die Menschen seiner Heimat mochten und schätzten Kurt Held als populären Pädagogen, Bürgermeister und Landrat.
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So kannten die Menschen Kurt Held: Der populäre Pädagoge, Bürgermeister und Landrat wäre am Montag 100 Jahre alt geworden. Foto: BR-Archiv
So kannten die Menschen Kurt Held: Der populäre Pädagoge, Bürgermeister und Landrat wäre am Montag 100 Jahre alt geworden. Foto: BR-Archiv
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Seine Alltagsphilosophie bestand darin, die Mitmenschen froh zu machen. Deswegen schrieb er auch sein 1986 erschienenes Buch "Su nogeredt - Anekdoten aus dem Leben eines Landrats". Bayernweit war der Trebgaster als volkstümlicher Landrat bekannt. Und sein ausgeprägter Sinn für Humor brachte ihm sogar den fränkischen Nobelpreis ein: 1989 erhielt er den Frankenwürfel. Die Rede ist von Kurt Held, der heute 100 Jahre alt geworden wäre. Wir erinnern an einen Mann, der ein populärer Pädagoge, Bürgermeister und Landrat war.

Held wurde am 14. August 1917 geboren. Er starb am 18. Januar 1991 im Alter von 73 Jahren. 1937 absolvierte er das Lehrerseminar in Bayreuth. Im Zweiten Weltkrieg war er als Offizier, zuletzt als Oberleutnant und Batteriechef, an verschiedenen Fronten im Einsatz. Nach Rückkehr aus der englischer Kriegsgefangenschaft wurde er 1947 Lehrer an der Volksschule in Trebgast, deren Rektor er von 1961 bis 1968 war.


Multitasking, bevor es erfunden wurde

Er war ein beliebter Pädagoge mit einer ungewöhnlich raschen Auffassungsgabe. Aber wenn ihm etwas gegen den Strich ging, konnte er den ehemaligen Wehrmachtsoffizier nicht verleugnen und einen etwas barscheren Ton anschlagen. Kollegen bewunderten vor allem seine Begabung, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Er praktizierte schon Multitasking, bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde.

Held war nach Aussagen von Zeitgenossen der geborene Politiker. Ihrer Ansicht nach hätte sein politisches Geschick mindestens bis zum Staatssekretär gereicht. Ab 1952 Bürgermeister in Trebgast, hatte er aber ein anderes Ziel: Er wollte Theodor Heublein als Landrat beerben. Bereits seit 1956 als dessen Stellvertreter tätig, gelang ihm dies 1970. Nach den Turbulenzen der Gebietsreform 1972 war seine wichtigste Maxime, den neuen Landkreis attraktiv und lebenswert zu gestalten.

Dazu der amtierende Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner: "Kurt Held hat die Zusammenführung der beiden bis dahin selbstständigen Gebietskörperschaften Kulmbach und Stadtsteinach hervorragend gemeistert und einen wichtigen Beitrag geleistet, dass der Landkreis Kulmbach ein harmonisches Ganzes geworden ist."


Große Persönlichkeit

Bürgermeister Werner Diersch würdigt den Ehrenbürger als große Persönlichkeit: "Trebgast hat Kurt Held viel zu verdanken." Einige seiner zukunftsweisenden Maßnahmen seien die Gründung des gemeindlichen Kindergartens 1952 und der Bau der Volksschule von 1955 bis 1957 gewesen. Sein Hauptaugenmerk habe der Förderung des Wohnungsbaus mit der Erschließung von drei Baugebieten gegolten.

Held stellte sich in den Dienst seiner Heimat und nahm eine Vielzahl von Aufgaben war. So fuhr er als ehrenamtlicher Archivpfleger 1953 mit dem Fahrrad die Flurdenkmäler ab, um sie zu registrieren und vor Vergessenheit und Verfall zu bewahren. Er war Kreisrat, Kreisheimatpfleger, BRK-Kreisverbandsvorsitzender und Chorleiter des Gesangvereins Trebgast, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.


"Wer hot die Tore gschossn?"

Von 1952 bis 1970 war er örtlicher Berichterstatter für die regionale Presse. Dabei kam ihm ein weiteres Talent zugute: Er brauchte für seine Artikel kein Konzept, er konnte sofort ins Reine schreiben. Das funktionierte am Sonntag auch mal auf sehr rationale Art und Weise, wenn der Spielbericht für die TSV-Fußballer zu machen war: Wenn die Zuschauer nach dem Schlusspfiff nach Hause liefen, kamen sie an Helds Wohnhaus beim Bahnhof vorbei. Er öffnete das Wohnzimmerfenster und rief hinaus: "Wie isn ausganga? Wer hot die Tore gschossn?" Das reichte, der Rest war Routine.
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