Grafengehaig
Auszeichnung

Firma Krumpholz jetzt in einer Riege mit Porsche & Co.

Nächster Ritterschlag für die Firma Krumpholz: Der Werkzeug-Hersteller aus Grafengehaig hat den "German Brand Award" erhalten
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Elke und Claus Krumpholz bei der Auszeichnung mit dem German Brand Award und der Würdigung "Große deutsche Marke".privat
Elke und Claus Krumpholz bei der Auszeichnung mit dem German Brand Award und der Würdigung "Große deutsche Marke".privat
Die frohe Kunde kam per Post: In einem Kuvert fand sich das, wonach viele Firmen streben, jedoch nur wenigen Ausgewählten zuteil wird: eine Aufnahme in die Riege der bedeutendsten Unternehmen des Landes. Die Firma Krumpholz gehört nun dazu. Sie hat jüngst den "German Brand Award" eingeheimst und darf sich künftig "Große Deutsche Marke" nennen. Ein schönes Vorweihnachtsgeschenk, findet auch Inhaber Claus Krumpholz, der sich sehr über die Wertschätzung der Werkzeuge aus der Schmiede im Frankenwald freut.

Herr Krumpholz, wie haben Sie von der Auszeichnung erfahren?
Wir haben die Urkunde tatsächlich per Post bekommen und waren wirklich überrascht, dass wir dabei sind - noch dazu als Sieger beim "German Brand Award" in der Kategorie "Gardening". Ich weiß nicht, wie wir in den Genuss gekommen sind. Bewerben kann man sich dafür nicht.

In dieser Design-Liste sind große Namen vertreten wie Porsche und Miele. Muss sich gut anfühlen, neben solchen Branchenprimi aufzutauchen, oder?
Das macht mich schon stolz, denn damit gehören wir zum "Council for Design". Wir kommen so in den Genuss, uns mit anderen Hochkarätern regelmäßig und auf einem sehr hohen Niveau auszutauschen.

2015 wurden Sie in die Kategorie "Marken des Jahrhunderts" aufgenommen - auch das war schon ein Ritterschlag und zugleich Bestätigung für Ihre unternehmerische Maßgabe, die da lautet: Marken machen die Märkte.
An dieser Philosophie hat sich nichts geändert. Qualität wird über den - billigen - Preis siegen, davon bin ich überzeugt. Am Ende wird das hochwertigere Produkt jeden Krieg gewinnen.
Sie distanzieren sich seit jeher stark von den Billiganbietern aus Osteuropa und Asien. Wie schwierig ist es denn, bei den Kunden mit hochwertigen, aber eben auch teureren Produkten zu punkten?
Das Umdenken hat bereits eingesetzt. Ich gebe aber zu, es gibt noch Regionen, in denen es schwierig ist, die Menschen zu überzeugen. Aber: Die Leute werden langsam schlauer.

Das heißt, Sie sehen Ihre Produkte gut gerüstet auch auf weiter expandieren Märkten mit zusätzlicher Konkurrenz?
Ja, absolut. Wir investieren 2018 viel Geld in unseren Standort. Genau genommen werden wir unsere Produktion nahezu verdoppeln. Wir suchen deshalb auch zusätzliche Mitarbeiter ab dem kommenden Jahr. Derzeit haben wir, je nach Saisonlage, zwischen 10 und 15 Beschäftigte. Wobei wir bestrebt sind, künftig nur noch mit Festangestellten zu arbeiten.

Wie einfach oder schwierig ist es, an einem etwas abgelegener Standort zu produzieren und die Waren zu vertreiben?
Wir sind seit 1799 am Guttenberger Hammer, wir machen uns da keine großen Gedanken mehr drum. Unsere Familie war schon dort, da hat die Region offiziell noch nicht einmal zu Bayern gehört. Die Unterstützung der Kommune und des Landkreises ist gut, wir sind mit unserem Firmensitz zufrieden. Qualität hat ohnehin nichts mit dem Standort zu tun. Es ist die Philosophie und es sind die Mitarbeiter, die entscheidend für den Erfolg sind.

Apropos Mitarbeiter: Welche Qualifikationen müssten die den mitbringen? Ist es komplizierte geworden, geeignete Leute zu finden?
Wir suchen Lagerarbeiter, die müssen eigentlich keine Qualifikation haben, die bilden wir selber entsprechend weiter. In der Schmiede suchen wir Lehrlinge als Metallbauer, aber gerne auch fertige Fachkräfte. Wir suchen Leute, die Freude an der Verformung von Metall haben und Teil eines großen Ganzen sein wollen. Man muss aber zugeben: Solche Kräfte sind momentan extremst schwer zu finden. In einem kleinen Unternehmen wie dem unseren kann sich keiner verstecken, da weiß der Chef abends, was jeder tagsüber geleistet hat oder eben nicht.

Sie bedienen mit ihren Waren ausschließlich den Fachhandel. Sind Ihre Werkzeuge online erhältlich?
Ja, aber auch nur bei ausgewählten Onlinehändlern. Ausweiten wollen wir das nicht. Wir haben nicht vor, Riesen wie Amazon direkt zu beliefern. Wir widersetzen uns dem Trend, dass alles zu jeder Zeit verfügbar sein muss. Wir versuchen bestmöglich, unsere Lagerkapazitäten so zu gestalten, dass möglichst alles vorrätig ist. Das ist aber nicht immer möglich.
Noch ein Wort zum Online-Handel: Wir Deutschen versuchen, das sauberste Land der Welt zu sein - ob mit dem Verbot des Verbrennungsmotors oder durch den Kampf gegen Luftverschmutzung. Das ist ein hehres Ziel, keine Frage. Aber wir beziehen gleichzeitig einen Großteil unserer Konsumgüter aus dem asiatischen Raum, wo gerade im Metallbereich Umweltschutzstandards mit Füßen getreten werden. Ich war kürzlich in China und habe mir eine Fabrik angesehen, in der Menschen Werkzeuge herstellen, die später bei unseren Discountern verkauft werden. In diesen Hallen wird kein Mitarbeiter älter als 30 aufgrund der mangelhaften Luftqualität in der Fertigung. Die Leute atmen auf gut Deutsch den puren Dreck ein - und das bis zu 15 Stunden am Tag.
Ihre Werkzeugpalette enthält so ungewöhnliche Produkte wie den Spork, eine Mischung aus Spaten und Gabel. Sind ähnliche Neuerungen zu erwarten?
Ja. Im nächsten Jahr bringen wir einen Girsch-Jäter auf den Markt, den wir zusammen mit einer Gärtnermeisterin entwickelt haben. Für kleinere Beete und Biogärtner bieten wir einen Bio-Sauzahn an. Der Sauzahn ist das älteste Gartenwerkzeug, das die menschliche Geschichte kennt: Er ist schon um das Jahr 1000 vor Christus belegt.
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