Kulmbach
Anklage

Tödlicher Badeunfall: Amtsgericht Kulmbach lässt Anklage im Fall Vanessa zu

Vor dem Amtsgericht Kulmbach wird bald der Fall der im Juli 2014 im Himmelkroner Freibad ertrunkenen Vanessa verhandelt.
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Ein ungewöhnlicher Stein ziert das Grab der kleinen Vanessa auf dem Lanzendorfer Friedhof. Hier fand die Achtjährige, die 2014 nach einem Badeunfall in Himmelkron starb, ihre letzte Ruhe.Archiv/Jochen Nützel
Ein ungewöhnlicher Stein ziert das Grab der kleinen Vanessa auf dem Lanzendorfer Friedhof. Hier fand die Achtjährige, die 2014 nach einem Badeunfall in Himmelkron starb, ihre letzte Ruhe.Archiv/Jochen Nützel
Das Amtsgericht Kulmbach hat die Anklage der Staatsanwaltschaft Bayreuth wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung gegen zwei Angeklagte zugelassen. Dies geht aus einer Pressemitteilung hervor. Nun müssen die Verhandlungstermine bestimmt werden.

Eigentlich waren die Kinder damals für eine Turnstunde angemeldet. Aber weil es ein strahlender Sommertag war, änderte die Betreuerin den Plan. Es ging ins Freibad.

Irgendwann am späten Nachmittag entdeckte ein anderes Mädchen der Gruppe die Achtjährige leblos am Boden des Schwimmbeckens. Keiner kann genau sagen, wie lange Vanessa unter Wasser war. Der Notarzt reanimierte das Kind zwar, doch sechs Tage später starb es im Klinikum Bayreuth, ohne bis dato das Bewusstsein nochmals erlangt zu haben. Hipoxischer Hirnschock, ausgelöst durch fehlende Sauerstoffversorgung, lautet die Diagnose.

Die Vorwürfe richten sich nun gegen den Bademeister, der damals Dienst hatte, und gegen die seinerzeitige die Leiterin der Jugendgruppe des TSV Himmelkron.

Die Bayreuther Staatsanwaltschaft hatte zunächst kein Fremdverschulden gesehen und wollte im Herbst 2015 die Untersuchungen gegen die beiden Betroffenen einstellen. Ein tragischer Unglücksfall, gewiss, für den aber niemand zur Rechenschaft gezogen werden könne, so der Tenor damals.


3D-Gutachten herangezogen

Die Mutter des Unglücksopfer zog daraufhin vor das Oberlandesgericht in Bamberg. Das schließlich zwang die Staatsanwälte, das Verfahren neu aufzurollen. Die Beschuldigten wurden nochmals vernommen, der Unglücksort vom Landeskriminalamt mit 3D-Technik vermessen.

Das LKA-Gutachten besagt: Badeaufsicht und Betreuerin hätten zum Zeitpunkt des Unglücks Vanessa von ihren Positionen aus gar nicht sehen können. Damit hätten sie ihre Aufsichtspflicht verletzt. Eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung stand seitdem im Raum. Nun hat das Amtsgericht Kulmbach die Anklage zugelassen.

Überlegt worden war auch, die Angelegenheit auf dem Strafbefehlsweg zu klären.

Gegen die Klärung rein auf schriftlichem Weg hatte sich Anwalt Gert Lowack verwahrt, der Vanessas Mutter vertritt. Er schrieb: "Damit würde von vornherein die Strafe auf maximal ein Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung begrenzt. Eine solche Strafe kann weder den Folgen der Tat noch den Tatumständen gerecht werden."

Eine andere Sicht der Dinge legte der Rechtsanwalt des Bademeisters an den Tag. Oliver Heinekamp, Jurist aus Bayreuth, verneinte eine Schuld seines Mandanten. "Auf eine lückenlose Überwachung hat kein Badegast Anspruch." Heinekamp bekundete, er glaube nicht, dass der Tod des Mädchens hätte verhindert werden können, hätte sich sein Mandant anders verhalten.

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