Hutschdorf
Sucht

Ex-Profi Uli Borowka spricht in Hutschdorf über seine Sucht

Uli Borowka war Ehrengast bei der Einweihung der Turnhalle an der Fachklinik Hutschdorf. Ganz offen sprach er über seine frühere Alkoholabhängigkeit.
Artikel einbetten
Der ehemalige Fußballprofi Uli Borowka auf Aufklärungsmission in Hutschdorf. Er berichtete vor Patientinnen, Mitarbeitern und Freunden von seinem früheren Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker und seine wichtige Arbeit in der Prävention. Links Gesundheitsministerin Melanie Huml. Foto: Katharina Müller-Sanke
Der ehemalige Fußballprofi Uli Borowka auf Aufklärungsmission in Hutschdorf. Er berichtete vor Patientinnen, Mitarbeitern und Freunden von seinem früheren Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker und seine wichtige Arbeit in der Prävention. Links Gesundheitsministerin Melanie Huml. Foto: Katharina Müller-Sanke
+2 Bilder
Die Suchtklinik für Frauen hat jetzt eine richtige Sporthalle. Gestern wurde sie feierlich eingeweiht. Bisher war die sportliche Betätigung im Haus Immanuel auf die Räume neben dem Schwimmbad beschränkt gewesen. Nun können die Patientinnen deutlich besser als bisher Sport betreiben.

Für die Therapie ist das besonders wichtig, betont Gabriele Hilgenstock. Wenn das Suchtmittel wegfalle, sei die sportliche Betätigung oft das, was noch bleibe, so die Ärztin. "Das Körperbewusstsein zu stärken ist wichtiger Bestandteil der Therapie, der Sport spielt dabei eine entscheidende Rolle."


Durch Spenden finanziert


Klinikleiter Gotthard Lehner hatte lange für die Sporthalle gekämpft und mit großer Ausdauer um Spenden geworben. 290 000 Euro kamen zusammen - von der Fernsehlotterie, den Serviceclubs, Banken und vielen weiteren Sponsoren. Knapp die Hälfte der Kosten Bau sind damit gedeckt, der Rest muss abgestottert werden.
Die Geschwindigkeit von der Planung zum Bau ist beeindruckend. Innerhalb von nur fünf Monaten ist das Gebäude aus dem Boden gestampft worden. Ein immenser Kraftakt. Die Turnhalle hat einen betonierten Boden, ansonsten besteht sie aus Holzelementen.

Planer Toni Linke zeigte sich bei der Einweihung stolz auf die Baumaßnahme und den reibungslosen Ablauf.
Professor Andreas Koch, Geschäftsführer des Bundesverbands für stationäre Suchtkrankenhilfe, hob die große Leistung hervor, die Gotthard Lehner für die Klinik erbringe. "Ich gehe fest davon aus, dass dies nicht die letzte Baumaßnahme ist, die wir unter Gotthard Lehner hier einweihen." Gesundheitsministerin Melanie Huml freute sich über die wichtige Rolle, die Hutschdorf in Sachen Suchtbehandlung spiele.


Unter den Teppich gekehrt


Kernstück der Einweihung war der Vortrag Uli Borowkas. Borowka war 16 Jahre lang Fußballprofi bei Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen und gleichzeitig alkohol- und medikamentenabhängig. Eindrucksvoll schilderte er seinen Selbstmordversuch. Er erzählte ganz offen, wie es sich anfühlte - unten am Boden. Und er berichtet davon, wie im Profisport seine Sucht systematisch unter den Teppich gekehrt wurde, dass eine Grippe oder Verletzung vorgeschoben wurde, wenn er nicht zum Training kommen konnte, weil er einen Kasten Bier und zwei Flaschen Wodka intus hatte. Und er sprach davon, wie alle weggesehen haben, solange er auf dem Platz funktionierte.

Als seine Sucht schlimmer wurde, ließ man ihn fallen. Seine Familie verließ ihn, er stand vor dem Nichts und vor einem riesigen Berg Schulden. Er erzählte den Patientinnen, die seine Gefühle gut nachvollziehen konnten, von seinem Absturz und von seinem Weg zurück ins Leben.


Alkoholismus als Krankheit ernstnehmen


Heute lebt Borowka von Vorträgen, von Beratungen in Unternehmen, von Präventionskampagnen und vom Verkauf seines Buches, in dem er seine Erfahrungen niedergeschrieben hat. Er ist verärgert darüber, wie selbstverständlich Alkohol zum Leben dazugehört. Dass Eltern bei Fußballturnieren der Kinder tagsüber trinken ist für ihn ein Unding. Genauso wie die Tatsache, dass Profisportler, die sich als Alkoholiker outen, stigmatisiert werden. "Nicht selten wird da eine Muskelzerrung oder ein Burnout erfunden, nur damit man seine Sucht nicht zugeben muss. Da müssen wir in Deutschland an unserer Gesellschaft noch viel arbeiten."

Borowka jedenfalls trägt seinen Teil dazu bei, dass Alkoholismus als Krankheit ernster genommen wird und Menschen einen Weg aus der Sucht finden können. Genauso wie die Fachklinik in Hutschdorf.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren