Kulmbach
Entdecker-Tour (49)

Die Sandler-Villa in Kulmbach ist mit versteckten Initialen verziert

An der Sandler-Villa im Kulmbacher Schießgraben sind die Initialen des einstigen Besitzers verewigt - allerdings gut versteckt.
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Die Initialen O und S sind nur schwer zu erkennen. Foto: Erich Olbrich
Die Initialen O und S sind nur schwer zu erkennen. Foto: Erich Olbrich
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Das Gebäude Schießgraben 23 ist vielen als Sandler- Villa bekannt. Die wenigsten wissen jedoch, dass die Initialen des einstigen Besitzers an dem Haus angebracht sind - sie sind nur mit geübtem Auge erkennbar.


Im Stil der Neurenaissance erbaut


Da es in der Geschichte der Sandler-Brauerei Vater und Sohn mit Namen Otto gab, werden wir in der heutigen Folge unserer Entdecker- Tour mehr Jahreszahlen verwenden als sonst. In dem gründerzeitlichen Villengürtel an den Ausläufern des Rehberges steht die Villa des Brauereidirektors Otto Sandler. Dieses sehr ansehnliche Gebäude wurde 1892 von dem Privatier Linhardt im Stil der Neurenaissance erbaut.

Architekt war der bekannte Bamberger Chrysostomos Martin, der später auch die Meußdoerffer- Villa, Schießgraben 15, errichtete. Nebst ihrer exponierten Lage an der Ecke Schießgraben und Karl-Jung-Straße, besticht die Sandler-Villa mit ihrer Fassadengliederung aus hellem Sandstein und roten Backsteinen.


Buchstaben ineinander verwoben


Die Stilrichtung der Neorenaissance folgte auf den Klassizismus, wobei eine Trennlinie zwischen beiden Stilen nicht immer eindeutig erkennbar ist. Erst ab 1901 wird Otto Sandler als Besitzer der Villa genannt.Nach umfangreichen An- und Umbauten bezog er diese am 14. Mai 1902. Vorher hatte er in der Fischergasse 35 gewohnt.

Damit die Kulmbacher gleich erkannten, dass er nun hier wohnte, ließ er an dem neuerbauten rechten Dacherker seine Initialen O und S anbringen. Da beide Buchstaben ineinander verwoben sind, werden sie aber leicht als Verzierungen am Bauwerk fehlgedeutet.

Otto Sandler wurde am 18. November 1861 geboren, war der Sohn von Georg und Margaretha Sandler und der jüngere Bruder von Lorenz Sandler, nach dem heute eine Straße benannt ist. Sein Vater Georg wird als Gründer der Kulmbacher Feuerwehr genannt. Nachdem dieser 1870 mit nur 39 Jahren verstarb, übernahm seine Mutter die Leitung der Brauerei.

Margaretha Sandler war neben Margarete Reichel die zweite Frau, die in Kulmbach nach dem Tod ihres Mannes den Betrieb übernahm und zu großer Blüte führte.


Reines Familienunternehmen


Die Verlegung von der alten Braustätte in der Fischergasse zu den Neubauten im Grünwehr vollzog sie ab 1881 zusammen mit ihren Söhnen Otto und Lorenz. Als einzige der sechs größeren Brauereien Kulmbachs blieb die Sandler-Brauerei bis zuletzt ein reines Familienunternehmen.

Sandler bot seinerzeit nur zwei Biere an: dunkles Export und helles Export (Kaiser Bräu).

Während Lorenz im Magistrat dank verdienstvollen Handelns im Ehrenamt sogar die Auszeichnung Kommerzienrat verliehen wurde, engagierte sich Otto als Leiter der Kulmbacher Feuerwehr und Förderer des Löschwesens im gesamten Bezirk. Technikbegeistert konnte er es nicht lassen, sogar seine Rangierlokomotive auf dem Anschlussgleis selbst auszuprobieren.


Fünf Kinder


Seit 1887 war er mit Margareta Wich aus Mainleus verheiratet. Beide hatten zusammen fünf Kinder: Johanna (geboren 1888), Luise (1889), Christiana (1893), Otto, später Brauereidirektor (1894), und Hans (1897).

Otto Sandler (Vater) verstarb am 8. Juni 1918, seine Ehefrau Margareta wenige Tage später am 1. Juli.
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