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Geschichte

Die Geschichte von zwei Kulmbacher Maulhelden

"Auf geht's zum Schichtl" heißt es wieder auf der Münchner Wies'n. Die berühmte Schaubude gastierte zur Jahrhundertwende auch in Kulmbach.
Die Enthauptung einer lebendigen Person mittels Guillotine" ist auch heute noch die Paradenummer beim "Schichtl" auf der  Wies'n. Foto: Dagmar  und  Werner Noack
 
von WOLFGANG SCHOBERTH
Vom Münchner Ex-Oberbürgermeister Christian Ude stammt der Spruch: "Eine Wies'n ohne Schichtl ist nicht denkbar. Der Schichtl ist so unerlässlich wie das Bier, der Radi und die Hendl."

Das "Original-Zauber-Spezialitäten-Theater" ist seit 1869 in München vertreten und damit die älteste Attraktion des Oktoberfests. In den Sommermonaten gastiert die Bühne in vielen größeren Orten Bayerns. Am 13. Juni 1894 schlug sie ihre Bude für eine Woche in der Bierstadt auf - für die Bevölkerung ein Riesenspaß, vor allem auch wegen der Blamage zweier Möchtegern-Champions.


"Ihr Misthaufenprotzen"


Der Zulauf ist enorm, fast alle Vorstellungen sind ausverkauft. Das Wiesn-Varieté ist populär, täglich erscheinen großformatige Werbeanzeigen in den beiden Kulmbacher Zeitungen. Vor allem aber ist Direktor Michael August Schichtl ein begnadeter Animateur: Im Clownskostüm geht er auf die Neugierigen zu, liefert kostenlose Paraden und schnurrt seine bekannten Verse: "Auf geht's zum Schichtl, hochmögende Stadtleut' und Misthaufenprotzen! Wollt's ihr denn bloß da draußen glotzen? Kommt's rein! Zaubertheater ohne Kulissen! Woanders werd's bei sowas beschissen, bei mir is auf alle Fäll' der Schwindel reell."

Die Show ist ein buntes Kaleidoskop aus Zaubernummern, Akrobatik und Gruselkabinett: Geisterbeschwörer treten auf, Magier, Entfesselungskünstler, Schlangenmenschen, Jongleure, Hochrad-Akrobaten, Pantomimen und Trommelvirtuosen. Für das besondere Prickeln sorgen Mädels, die als Feen neckisch über die Bühne flattern oder den indischen Serpentinentanz vorführen. Weniger graziös geht es bei dem sich anschließenden Damen-Ringkampf zu.


Die schreckliche Guillotine


Als vorletzten Programmpunkt kündigt der Rekommandeur den Zuschauern "die Enthauptung einer lebendigen Person mittels Guillotine" an - eine makabre Nummer, die erst kurze Zeit vor dem Auftritt in Kulmbach einstudiert worden ist und bis heute als Markenzeichen der Truppe gilt. Ein Freiwilliger aus dem Publikum, todesmutig und zu allem bereit, wird auf der Guillotine festgeschnallt. Der Scharfrichter tritt mit seinem Henkersknecht hinzu.

"Da seht ihr das Gurglzapferl, wia's zum letzten Mal zuckt", ruft der Rekommandeur. Die Musikkapelle im Hintergrund spielt funebre Weisen. Dann saust das Fallbeil. Das blutige Haupt rollt herab. Einige Zuschauer werden als Zeugen auf die Bühne geholt, die in die Kiste blicken und das solide Handwerk des Scharfrichters bestätigen - bis dann doch Sekunden später der "Delinquent" wohlbehalten von der Rampe springt.


"Hufeisenbrecher" ohne Gegner


Zum Schluss der Höhepunkt: der "Große Preisringkampf" zwischen einem Münchner Super-Champion und einem Herausforderer aus Kulmbach. Als Prämie sind 100 Mark ausgeschrieben, mehr als der Monatslohn eines Arbeiters.
Der Kulmbacher Büttner Gottlieb Eichner, vermutlich kein Leichtgewicht, möchte das Geld mitnehmen. In Inseraten am 19. Juni in den Lokalzeitungen wird der Fight am Abend groß angekündigt. Doch die Zuschauer warten vergebens, der "Hufeisenbrecher" steht bizepsprotzend allein im Ring.

Die Erklärung liest man am übernächsten Tag in den "Kulmbacher Nachrichten": Herr Eichner musste kurzfristig wegen "Unwohlseins" absagen, wie die Zeitung süffisant vermerkt. Als neuer Kandidat, der den Muskelmann flachlegen möchte, wird in den Blättern der Kulmbacher Mälzer Röhrlein angekündigt, doch wegen akuter Magenprobleme macht auch er die Fliege.

Ob genialer Marketingtrick oder krachende Blamage zweier Großmäuler - die Kulmbacher haben ihren Jahrhundertspaß.
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