Kulmbach
Ehre

Denkmal für einen großen Franken

Der frühere Kulmbacher Kulturreferent Ruprecht Konrad bekommt ein Geschichtsbuch als Geburtstagsgeschenk.
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Der frühere Kulmbacher Kulturreferent und Kreisheimatpfleger Ruprecht Konrad (links) freute sich über das große Interesse an dem wissenschaftlichen Sammelband "Fränkische Forschungen - Ruprecht Konrad zum siebzigsten Geburtstag".Holger Peilnsteiner
Der frühere Kulmbacher Kulturreferent und Kreisheimatpfleger Ruprecht Konrad (links) freute sich über das große Interesse an dem wissenschaftlichen Sammelband "Fränkische Forschungen - Ruprecht Konrad zum siebzigsten Geburtstag".Holger Peilnsteiner
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Wenn in Kulmbach die Sonne scheint, schneit es bereits in Witzleshofen. Der Gefreeser Stadtteil ist seit einigen Jahren die neue Heimat von Ruprecht Konrad. Den "Dok", wie viele Freunde den promovierten Historiker und früheren Kulmbacher Kulturreferenten nennen, hat es ins Fichtelgebirge verschlagen.


Falscher Vorwand

"Sein" Kulmbach besucht er immer gerne - dass er unter falschem Vorwand in seine alte Heimat gelockt werden muss, ist ihm am Samstag erstmals passiert. "Mir wurde gesagt, ich solle mir einen Vortrag über Siechenhäuser in Franken anhören", so der 72-Jährige. Er macht sich auf den Weg zur "Burgschänke" der Plassenburg, wo ihn viele Freunde und Bekannte erwarten - und eine Überraschung. Ihm zu Ehren präsentieren Historiker und Archäologen neueste Forschungsergebnisse in dem Sammelband "Fränkische Forschungen - Ruprecht Konrad zum siebzigsten Geburtstag".


Der "Dok" ahnt nichts

Der nichtsahnende "Dok" erfährt, dass der Leipziger Professor und ehemalige sächsische Landtagsabgeordnete Volker Schimpff, der auch schon eine Festschrift zum Siebzigsten von Helmut Kohl herausgegeben hat, und der Kulmbacher Kreisheimatpfleger Harald Stark zusammen mit dem Verlag Beier und Beran aus Sachsen und der Mediengruppe Oberfranken, Bam berg-Kulmbach das wissenschaftliche Buchprojekt auf die Beine gestellt haben.

"Volker Schimpff und ich haben uns getroffen und festgestellt, dass man einem um die Geschichte und Kultur Frankens verdienten Mann ein Denkmal setzen muss", berichtet Stark. Entstanden ist ein hochkarätiges wissenschaftliches Werk mit einem Dutzend Aufsätzen zur Vor- und Frühgeschichte, zum Mittelalter und zur Neuzeit Frankens. Zum Hintergrund verrät Schimpff: "Wir konnten das Projekt nur stemmen dank der großzügigen Unterstützung von Walter Schweinsberg von der MGO sowie des Vereins Freunde der Plassenburg und des Landkreises Bayreuth."


Viele Siechenhäuser in Franken

Neben Schimpf, der das Wirken des heiligen Bonifatius im Frankenreich untersucht, haben sich zahlreiche namhafte Forscher eingebracht. Unter anderem schreibt Eike Michl von der Universität Bamberg über Siechenhäuser in Franken, eine zu Unrecht von der Forschung bisher vernachlässigte Art sozialer Einrichtungen im Europa der vergangenen Jahrhunderte - am Samstag der Festvortrag. "Es hat am Ende des Mittelalters vermutlich mehrere tausend solcher Einrichtungen im Bereich des damaligen Deutsche Reiches gegeben", so der Referent. Gemeinsame Merkmale dieser Einrichtungen für damals unheilbar Leprakranke seien Wohn- und Wirtschaftsgebäude, eine eigene Wasserversorgung, ein Sakralbau wie eine Kirche oder Kapelle und die verkehrsgünstige Lage an Handels- oder Heerstraßen oder Kreuzungen. Eine solche Kirche habe sich in Kulmbach mit der Nikolaikirche erhalten. Michl: "Die Lage an wichtigen Straßen war notwendig, da sich dort, wo viele Menschen vorbeikommen, mit Betteln mehr erwirtschaften lässt."

Harald Stark stellt in seinem Aufsatz die Geschichte und das Schicksal der Sammlungen der Grafen von Giech auf Schloss Thurnau vor. "Es ist eben nicht so, wie oft in der Region behauptet wird, dass die Familie Hiller von Gärtringen alles verkauft und verscherbelt hat." Vielmehr seien Tausende von Büchern und Exponaten eingelagert gewesen. Sie befinden sich immer noch in Besitz der Giech'schen Erben, der Familie von Gärtringen.


Bier ärztlich empfohlen

Bezirksheimatpfleger Günther Dippold steuert einen Beitrag über die Anfänge der Kulmbacher Brauindustrie ab 1830 bei. Schon im 19. Jahrhundert sei von ärztlicher Seite vielfach konstatiert worden, dass das Kulmbacher Bier gesundheitsfördernd ist. Ein werbewirksames Argument, das zum guten Ruf des hiesigen Bieres beigetragen habe.


Der Sammelband "Fränkische Forschungen - Ruprecht Konrad zum siebzigsten Geburtstag", herausgegeben von Volker Schimpff und Harald Stark, ist im Verlag Beier & Beran, Langenweißbach, erschienen. Das Buch mit 298 Seiten - Preis 24,50 Euro - ist in den Geschäftsstellen der Bayerischen Rundschau in Kulmbach erhältlich.
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