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Rekonstruktion

Barocker Garten für den Langheimer Amtshof

Das historische Parterre ist wiederhergestellt und wird mit Kräutern und Arzneipflanzen ein Ort für Pausen und praktische Lehre.
Wege, Beeteinfriedungen und das Rondell sind Ende Juli bereits fertig. Die frisch eingebrachten Pflanzen wie Liguster, Salbei, Lavendel oder Alant müssen jetzt erst noch wachsen. Foto: Holger Peilnsteiner
 
von HOLGER PEILNSTEINER
Über die Rekonstruktion des ehemaligen Barockgartens der Zisterziensermönche am Langheimer Amtshof informierten sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs GmbH, Landrat Klaus-Peter Söllner, sein Stellvertreter Oberbürgermeister Henry Schramm und mehrere Vertreter von Stadt- und Kreistag. Seit Anfang Juni wurde der ehemalige Prunkgarten im Auftrag der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs GmbH und deren Geschäftsführer Rolf Peilnsteiner wieder rekonstruiert.

Geometrische Strenge herrscht in dem aus fünf mit Granitwürfeln eingefassten Beeten, die mit den dazwischen verlaufenden Wegen ein so genanntes Parterre bilden. Im Barock gehörte ein solcher Garten unbedingt zu einem herrschaftlichen Bauwerk wie dem Amtshof, doch im 19. Jahrhundert wurde aus dem Schmuckstück ein Obstgarten, der schließlich nach 1965 verwilderte und 1983 einer Rasenfläche weichen musste.


Rückzugsort für die Mönche

"Im Langheimer Hof verwalteten die weißen Mönche jahrhundertelang ihre umfangreichen Besitzungen aus dem Kulmbacher Umland und lagerten die Naturalabgaben der Untertanen", erläuterte Peilnsteiner. "Allerdings waren die katholischen Brüder im seit 1528 protestantischen Kulmbach ungern gesehene Nachbarn, die sich nicht immer sicher auf den Straßen der Stadt fühlen konnten." In alter Tradition hätten sie sich ein Refugium in Form eines barocken Gartens angelegt, in dem sie sicher waren und neben Heil- und Küchenkräutern auch einen Ort für Kontemplation und Diplomatie fanden.

Östlich an den Prälatenbau schließt sich der Garten an, der auf drei Seiten von hohen Mauern umgeben ist. Zugänglich war diese auf einer gemauerten Sandsteinterrasse gelegene Fläche entweder vom Rentamtsgässchen über das östliche Prunkportal oder direkt vom Amtshof aus durch ein Portal mit Engelskopf oder durch ein kleines Türchen am Roten Turm.

Der Garten war im 17. Jahrhundert als barocke Anlage französischer Prägung streng gegliedert mit Kräuterbeeten und kleinem Broderieparterre mit zentralem Rondell angelegt und bis zur Vertreibung der Zisterzienser 1803 mit großem Aufwand gepflegt worden. Gegen den Festungsberg stützt eine Sandsteinmauer eine fünf Meter höher gelegene zweite Gartenebene, die über einen vor wenigen Jahren sanierten Treppenturm erreichbar ist. Über ihr erhebt sich majestätisch der Rote Turm der Stadtmauer und bildet zusammen mit den anderen Bauelementen rund um den Garten eine grandiose Theaterkulisse.


Gartenplan in Münchner Archiv

Die Anlage wurde im Wesentlichen aus Mitteln von Stadt und Lankreis Kulmbach, die beide Träger der Sanierungs- und Verwaltungsgesellschaft sind, finanziert. "Wir sind auch sehr dankbar für die Unterstützung der Dr. August und Dr. Anni Lesmüller Stiftung und der Bayerischen Apothekerstiftung für die finanzielle Hilfe für dieses in Kulmbach einzigartige Kulturprojekt", resümierte Peilnsteiner. An dieses Engagement erinnere zukünftig eine Gedenktafel an der Gartenmauer. Allein die Gartenarbeiten ohne Sanierung der Mauern schlugen mit 22 500 Euro zu Buche.

Ein Familienmitglied Peilnsteiners fand vor ein paar Jahren in einem Münchner Archiv einen farbigen Grundriss- und Gartenplan des Langheimer Hofs aus dem späten 18. Jahrhundert, der die Basis für die Teilrekonstruktion des Gartens bildete. In Angriff genommen wurde die Rekonstruktion von Friedhelm Haun, Kreisfachberater für Gartenbau am Landratsamt Kulmbach, der sich zwischen Beeten und Mauern sichtlich begeistert davon zeigte, ein solch historisches Parterre wieder anlegen zu dürfen. "Wir mussten allerdings die Beete ein wenig vereinfacht mit nur etwa der Hälfte der ursprünglichen Wege anlegen, da der Originalplan nur etwa 80 Zentimeter schmale Wege vorsah, die für heute vorgesehen Nutzung und eventuelle Arbeiten viel zu eng wären", erläuterte der Gartenexperte. "Als Bepflanzung haben wir typische Blumen und Kräuter genommen, wie sie in barocken Gärten zu finden waren und die auch zur PTA-Schule passen, wie die Apothekerrose, die Nachtkerzen, den Salbei, die echten Primeln und Lavendel", so Haun. Im zentralen Rondell sollen sich die heute noch zierlichen Alantpflanzen in den kommenden Monaten zu mannshohen Stauden entwickeln. Diese gelb blühende Pflanze dient schon seit der Antike als Heil-, Würz- und Färbemittel. Im nächsten Jahr soll eine Blütenpracht in Rot, Gelb und Blau in das Grün aus Bodendecker und Liguster eingebettet erstrahlen. Ein Teil des Gartens - der nicht öffentlich zugänglich ist - bleibt als Rasenfläche erhalten. Er ist mit einem Ginkgobaum und einer Sitzgruppe als Pausenbereich ausgestattet.


Der Langheimer Amtshof

Geschichte Der Amtshof war die Vertretung des bis 1803 größten und wohl auch reichsten Klosters aus dem benachbarten Fürstbistum Bamberg. Das barocke Prachtgebäude mit der reich verzierten Fassade und den vielen schwarzen Dachgauben war einst im Besitz der Zisterziensermönche des Klosters Langheim bei Lichtenfels. Im 19. Jahrhundert war der Hof das königlich-bayerische Rentamt und im 20. Jahrhundert bis 1965 das Kulmbacher Finanzamt.

Sanierung Seit 1980 wurde das neben der St.-Petri-Kirche größte Gebäude der Kulmbacher Altstadt von der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs GmbH mit einem Millionenaufwand saniert, erhalten und dann auch dem Freistaat Bayern abgekauft.

Nutzung Der Bau beherbergt heute eine Reihe von Bildungsgeinrichtungen wie eine Berufsfachschule für Pharmazeutisch-technisch Assistentinnen und Assistenten (PTA), die Akademie für Neue Medien, eine Außenstelle der Akademie der Bayerischen Presse und Einrichtungen der Universitäten Bamberg und Bayreuth.
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