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Tierschutz

Zweite Chance für verstoßene Hunde in Kulmbach

Die Spendenaktion der BR und des Vereins "Franken helfen Franken" unterstützt heuer Tierschutzprojekte.
Für Sabine Thümmig kennt Tierschutz keine Grenzen. Sie hat selber Hunde aus dem Ausland adoptiert. Seit 2011 vermitteln die Marktleugasterin und ihre Mitstreiter im Verein "Tierheimleben in Not" Vierbeiner aus ungarischen Auffangstationen. Die 49-Jährige, die als kaufmännische Sachbearbeiterin in einem Großhandel arbeitet, findet die BR-Spendenaktion "ganz große Klasse". Alles Wissenswerte zur Vereinsarbeit findet sich im Internet unter www.tierheimleben-in-not.de. Foto: privat
 
von JOCHEN NÜTZEL
Eines der Tierschutzprojekte, die die Bayerische Rundschau und "Franken helfen Franken" unterstützen, ist "Tierheimleben in Not": Gründerin Sabine Thümmig kümmert sich ehrenamtlich um die Vermittlung von Hunden aus Ungarn.

"Sie dürfen in ein neues Leben ausreisen" prangt über der Rubrik "Transport", darunter stehen Namen wie Viktor und Szabi, Egon und Oskar, Paulchen und Holly. Hinter jedem verbirgt sich ein Schicksal, über das Sabine Thümmig und ihr Team nicht viel wissen. Oftmals aber ein Hundeleben im wahrsten Wortsinn. Possierliche Fellnasen, die man aussetzte, weil sie dem Besitzer lästig wurden; angekettet im Wald, als Beute für wilde Tiere oder zum Verenden freigegeben, weil Herrchen starb und die Erben keine "Verwendung" mehr hatten; misshandelt und vom Hof geprügelt, weil sie alt wurden und als Wachhund ausgedient hatten.

Wenn diese Vierbeiner halbwegs Glück haben, überleben sie Schläge, Hunger und Kälte und schaffen es in eine der vielen Auffangstationen in Ungarn. Wenn sie Riesenglück haben, ist es eine Station, die der Verein "Tierheimleben in Not" in Partnerschaft betreut.

Sabine Thümmig rief die Organisation 2011 ins Leben. Jahre zuvor hatte sie sich bereits über einen Auslandstierschutzverein einen Hund geholt. Sie schrieb damals Suchanzeigen für einen Club, der in Spanien tätig war. "Irgendwann gab es Streit unter den Mitgliedern", erinnert sich die 49-Jährige und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Im Tierschutz hat man leider bisweilen mit sehr schwierigen Menschen zu tun."

Beim Wort "schwierig" setzt sie kurz ab und schüttelt den Kopf, als rufe sie sich gerade die verrücktesten Begegnungen ins Gedächtnis.

Die Probleme führen schließlich dazu, dass die Marktleugasterin den eigenen Verein aus der Taufe hebt. Da sie bereits Kontakte nach Ungarn hat, steht 2012 die erste Fahrt unter eigener Regie ins Land der Magyaren an. "Die Zustände in den Tierheimen waren bisweilen die Hölle. Die Hunde standen in viel zu engen Gehegen oder wurden in Massen als Zwangsrudel gehalten. Dass sich da nicht jeder miteinander vertrug, es zu Beißereien kam - wen juckte das? Im Gegenteil: Jeder Hund, der wegen Stress oder den Attacken über den Jordan ging, bedeutete: ein Problem weniger."


Sabine Thümmig war erschüttert, vor allem von den hygienischen Zuständen. "Viele, die ein Tierheim betreiben, sind prinzipiell tierlieb. Aber sie werden kaum von der öffentlichen Hand unterstützt - und bei bis zu 400 Hunden bleibt die nötige Hygiene und medizinische Versorgung auf der Strecke." Hinzu kommt: Hunde in osteuropäischen Ländern haben in den meisten Fällen den Status eines Gebrauchsgegenstands. Hat er ausgedient, kommt er weg. Zu Hunderten landen die Ausgemusterten in den Heimen wie Mohacs, Nagykanizsa und Szeged. Die Dunkelziffer jener bedauernswerten Kreaturen, die von der Straße weggefangen und "entsorgt" werden, bevor sie zumindest lebend hinter Gitter kommen, dürfte hoch sein.


Am Anfang waren es 20

20 Vierbeiner sind es, die Sabine Thümmig von der ersten Etappe mit nach Hause bringt. "Ich hätte am liebsten alle mitgenommen." Es sollten viele weitere Fahrten folgen. Neben der Rettung von akuten Notfällen steht zudem der Aufbau eines vertrauensvollen Miteinanders mit den Menschen vor Ort auf der Agenda. "Mittlerweile wissen die Leute dort halbwegs, was für die Tiere wichtig ist. Unsere freiwilligen Helfer versorgen die Insassen nicht bloß mit dem Nötigsten, sondern bauen eine Beziehung zu den Hunden auf. Das ist nicht zuletzt wichtig für die spätere Vermittlung, weil wir unsere Kandidaten so schon ganz gut kennen und einschätzen können, bevor wir sie nach Deutschland holen."

Die Zeit lief nicht selten gegen die Vierbeiner und ihre Retter. In Tötungsstationen wie dem berüchtigten Dombovar in Ungarns Süden gewährte man den Hunden nur eine Gnadenfrist. Erbarmte sich keiner, ging es ihnen an den Kragen. Die Tötungsvarianten waren mannigfaltig: erhängen, erschlagen, vergiften. Dafür wurde Embutramid T-61 verabreicht, ein Nervengift, das die Muskeln lähmt. Es sieht so aus, als würde der Hund nach der Injektion friedlich einschlafen - dabei dauert der Todeskampf eine halbe Stunde, bis durch den Wirkstoff die Lunge erlahmt. Das Tier erstickt. Nicht zuletzt Dank des Einsatzes der Marktleugasterin hat das systematische Töten mittlerweile ein Ende gefunden.

Die Bilder im Kopf aber bleiben. "Abstumpfen werde ich nie. Doch man muss bei aller Tierliebe eine gewisse Distanz aufbauen", sagt Sabine Thümmig. Zu schnell gehen allzu sensible Charaktere selber vor die Hunde angesichts der brutalen Realität, der gnadenlos demonstrierten Dominanz des Menschen über die "Kreatur". Dombovar ist eine von fünf Stationen, die das Team von "Tierheimleben in Not" regelmäßig aufsucht. Jüngst haben Mitarbeiter dort Behelfsboxen aufgestellt, damit die Hunde vor den Nachtfrösten geschützt sind. Natürlich gehört die Versorgung mit artgerechter Nahrung dazu. "Anfangs haben wir alles aus Deutschland mitgebracht, mittlerweile können wir uns zum Teil vor Ort eindecken mit Fleisch vom Schlachthof oder Metzger. Trockenfutter müssen wir aber weiter importieren."

Das alles geht ins Geld. Aber nicht nur das. "Jeder Hund, der mit uns kommt, ist geimpft, gechipt, entwurmt und veterinärärztlich geprüft. Da gelten ganz strenge Kriterien, aber wir tun das für die Tiere und sind für absolute Transparenz, was unser Handeln betrifft." In vielen Fällen deckt die Schutzgebühr bei der Abgabe eines Hundes knapp die Unkosten ab. "Ohne Spenden wären wir aufgeschmissen." Diese helfen unter anderem auch, wenn es darum geht, die Ausreise aus Ungarn zu ermöglichen. Der tiergerechte Transport erfolgt im eigenen Kleinlaster, der freilich auch unterhalten werden muss.

Vor zwei Wochen traten darin vier wuselige Junghunde die (Aus-)Reise in jenes besagte neue Leben an. Die erste Etappe führte sie ins Kulmbacher Tierheim. Leiterin Susanne Schilling und Sabine Thümmigs Verein kooperieren seit gut einem Jahr miteinander. "Bei Sabine kann ich mich absolut darauf verlassen, dass alle Angaben zu den Hunden zutreffen und alle Bedingungen erfüllt sind", lobt die Tierheimleitung. Und noch etwas ist bemerkenswert: Kommt ein Hund aus Ungarn direkt ins Tierheim, muss der Tierschutzverein keine Gebühr für die Neuzugänge entrichten; die Schutzgebühr bei der Vermittlung darf der Tierschutzverein für sich verbuchen. "Wir sind ja froh, dass wir die Tiere gut untergebracht wissen", erklärt Sabine Thümmig.


Lügen und Täuschungen inklusive

Vermittelt sie ein Tier an Privat (das tut sie bundesweit, aber auch in Österreich und der Schweiz), dann zahlt der Empfänger "von 0 bis zu 320 Euro" Gebühr. "Wer glaubt, dass wir damit reich werden, dem zeige ich gerne meine Bücher." Zum Schutz der Tiere besteht für sechs Monate ein Eigentumsvorbehalt. Das bedeutet: "Wir könnten im Notfall den Hund wieder zurückholen, sollte die Haltung sich als nicht artgerecht herausstellen." Eine erste Nachkontrolle gibt es vier bis acht Wochen nach der Vermittlung. "Wir haben schon die tollsten Dinge erlebt. Eine Frau täuschte gar vor, in einer großen Wohnung mit Garten zu leben, um an einen Hund zu kommen."
Was in diesen Menschen vor sich geht? Sabine Thümmig weiß es nicht. "Wir hatten Interessenten, die sprangen ab, als wir mit dem Tier schon vor der Haustür standen. Und als Antwort bekamen wir dann zu hören: ,Na, wenigstens ist der Hund doch jetzt aus dem Elend raus, wir sollten dankbar sein.' Aber wir müssen dann in kürzester Zeit einen neuen Platz finden - und es sind viele Hunde, für die wir Plätze brauchen."

450 waren es allein im vergangenen Jahr  - vom Dackelmischling über den Schnauzer bis zur Schäferhund-Collie-Kreuzung. Es sind vor allem die mittelgroßen Rassen, die in Deutschland gefragt sind. "Sie decken sozusagen eine Angebotslücke ab", weiß Susanne Schilling. "In den meisten Tierheimen sitzen entweder sehr große Rassen wie Rottweiler oder auch leider verhaltensgestörte Hunde, die kaum vermittelbar sind. Anders als die Tiere, die aus Ungar kommen. Da sind viele - trotz der schlimmen Vorgeschichten - liebenswerte und auch familientaugliche Vertreter dabei."

Diese Argumente führt die Tierheimleiterin auch immer wieder an, wenn ihre Gesprächspartner die Frage nach dem "Warum" stellen: Warum muss der Kulmbacher Tierschutz ungarische Hunde vermitteln? "Fakt ist: Ich würde nie einen Notfall vor unserer Tür abweisen. Fakt ist aber auch: Wir haben die Plätze frei - warum soll ich sie leer lassen und nehme so den Tieren in Ungarn die Chance auf eine bessere Zukunft? Und diese Hunde existieren ja bereits, man muss also weder zum Züchter noch über dubiose Anzeigen im Internet suchen."

Spendenaktion Die BR und "Franken helfen Franken" möchten Partner des Tierschutzvereins Kulmbach und Umgebung unterstützen und bitten um Spenden. Bitte geben Sie als Verwendungszweck "Tierschutz Kulmbach" an.

Kostenlos Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken, zu der die Bayerische Rundschau gehört. Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Das will sie nutzen, um Hilfsbedürftige und Hilfsorganisationen zu unterstützen. Seit der Gründung im Jahr 2009 wurden bislang annähernd 300 000 Euro weitergereicht. Mehr Infos und weitere Kontaktdaten finden Sie unter der Adresse www.franken-helfen-franken.de.

Spendenkonto Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01
BIC: BYLADEM1SKB red
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