Kulmbach
Kunstausstellung

Werke eines perfekten Fälschers

Die beiden Kunstliebhaber Klaus Köstner und Michael Voigt zeigen im Badhaus Bilder von Hans Wacker, der auch als Jan Tenhagen auftrat und Vincent van Gogh kopiert hat. Wacker war in einen der größten Kunstfälscherskandale des 20. Jahrhunderts verwickelt.
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Die Kunstliebhaber  Klaus Köstner (links) und Michael Voigt  haben die Gemälde  für die Ausstellung  im Badhaus zur Verfügung gestellt.
Die Kunstliebhaber Klaus Köstner (links) und Michael Voigt haben die Gemälde für die Ausstellung im Badhaus zur Verfügung gestellt.
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Es ist eine einzigartige Ausstellung, die noch bis zum 30. November zu sehen ist. Der Kulmbacher Klaus Köstner (70) und Michael Voigt (68) aus Neusalza-Spremberg zeigen im Badhaus Bilder aus ihren privaten Kunstsammlungen, Werke, die vom Düsseldorfer Maler Hans Wacker und von Jan Tenhagen aus Holland stammen. Durch ein Skizzenbuch mit dem Titel "Mein Universum" kann Klaus Köstner eindeutig belegen, dass die beiden Künstler identisch sind. In das Buch hat Hans Wacker nämlich eigenhändig 500 Grafiken eingeklebt. Einige Skizzen tragen beide Signaturen, wie Köstner bei der Vernissage im Badhaus zeigte.

Aus einer Hand

Doch auch die Ähnlichkeit der Bilder weist darauf hin, dass es sich um einen Künstler handelt. So sind in der Ausstellung Hafenansichten mit Segelbooten ausgestellt "Die stammen eindeutig aus der Hand des selben Künstlers", sagte Köstner - auch wenn die Bilder unterschiedlich signiert sind. "Möglicherweise wollte Hans Wacker während eines Aufenthaltes zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden den Verkaufserlös seiner Bilder durch einen holländisch klingenden Namen steigern", mutmaßt der Kulmbacher. Dass diese Ausstellung im Badhaus, zu der der Kunstverein einlädt, zustande gekommen ist, ist dem Internet zu verdanken. Denn nach einer Ausstellung, bei der Michael Voigt seine privaten Bilder gezeigt hat, kam er mit Klaus Köstner in Kontakt. Zwischen den Männern hat sich eine Freundschaft entwickelt. "Wir zeigen Bilder, die es noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen gab. Ich sammle selbst seit über 20 Jahren", verriet Klaus Köstner.

Das Selbstporträt

Sein Lieblingsbild ist das Selbstporträt von Hans Wacker. Es zeigt, wie nah der Maler dem legendären Vincent van Gogh stand, denn auf dem Selbstbildnis stellt sich Wacker alias Jan Tenhagen als Mann mit verletztem Ohr dar - in Anlehnung an van Goghs Selbstbildnis mit abgeschnittenem Ohr. Zudem stammt das Bildnis aus einer Zeit, in der es nur sehr wenige Bilder von Hans Wacker gab. Die Kunstexperten vermuten, dass dies so war, weil Wacker in der Zeit van Gogh imitiert und kopiert hat. Tatsächlich wurden in der Galerie von Wacker-Sohn Otto Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts rund 30 Gemälde van Goghs angeboten - zu Preisen zwischen 25 000 und 50 000 Reichsmark. Angeblich stammten diese von einem russischen Emigranten. Die führenden Experten der damaligen Zeit haben die Gemälde zertifiziert und als echte van Goghs betitelt. Erst später wurden laut Klaus Köstner Zweifel an der Urheberschaft laut. "Mit Röntgentechnik konnte nachgewiesen werden, dass die nicht signierten Bilder nicht von Vincent van Gogh stammten. Otto Wacker wurde sogar 1931 wegen des Verkaufs gefälschter Bilder vor Gericht gestellt. Das war einer der größten Kunstfälscher skandale der damaligen Zeit", so Köstner. Hans Wacker habe bestritten, dass er die Bilder gemalt hat. In einem Gespräch habe Otto Wacker seinem Arzt später anvertraut, dass sein Vater Hans die Gemälde geschaffen habe.

"Besondere Ausstellung"

In der Exposition im Badhaus, die auch OB Henry Schramm als "besondere Ausstellung" bezeichnete, zeigen die beiden Kunstliebhaber Klaus Köstner und Michael Voigt, wie sehr sich Hans Wacker alias Jan Tenhagen van Gogh angenähert hatte. Die Besucher der Vernissage konnten sogar abstimmen, welche Version des bekannten van- Gogh-Bildes "Der Sämann" von van Gogh stammt - das mit der Sonne oder das ohne Sonne, das im Hintergrund ein Ochsengespann zeigt? Die meisten Besucher waren sich sicher, dass das plakative Sonnenbild der echte van Gogh sei, und lagen damit knapp daneben. Denn van Gogh hatte die dezenteren Farben gewählt, wenn sich auch die Pinselführung und die Techniken sehr ähnelten. Die Gewinnerin des kleinen Rätsels konnte sich über eine Reproduktion des bekannten Wackerschen Hafenbildes mit sämtlichen Signaturen des Malers Hans Wacker alias Jan Tenhagen freuen.
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