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Wenn der Vespa-Virus zuschlägt

Mehr als hundert Fans und leidenschaftliche Scooterfahrer pilgerten nach Hummendorf und genossen dort drei Tage lang Benzingespräche. Auf blitzenden Lack und Chrom kam es allerdings nicht an. Von den vielen Blech- und Schaltrollern, die dort zu sehen waren, sind zwar viele restauriert, etliche aber "naturbelassen".
Ekbert Przibyllok aus Kulmbach bringt seine blaue Vespa zum Leistungstest, den Markus Frösche  vom Lambretta-Club Deutschland anbietet. Dabei zeigt sich, wie viele PS die Maschinen wirklich haben.  Fotos: Sonja Adam
 


Zum ersten Mal machten der Lambretta-Club Deutschland und der Kulmbacher Rollerclub Vespa-Virus sowie die Kronacher Mad Hornets gemeinsame Sache - und initiierten ein Blech- und Schaltrollertreffen in Hummendorf. Mit vollem Erfolg. Denn drei Tage lang drehte sich alles um die alten Gefährte. "Die Lambretta sind bis 1971 gebaut worden, schon vierzig Jahre gibt's die nicht mehr", erklärt Christan Steinert aus Kulmbach das Besondere und fügt noch hinzu, dass sie später nur noch in Indien und Spanien gefertigt wurden.

Mit und ohne Patina


"Hier trifft man Gleichgesinnte", schwärmt der Experte, der selbst eine rote Lambretta SX 200 sein eigen nennt. Sie ist restauriert und neu lackiert. Neben dieser Maschine stehen auch ältere Modelle - noch mit Originallack. "Die sind schon sehr selten. Das ist schon toll", findet Steinert und ist fast ein bisschen neidisch, auch wenn die Originallackierungen schon ein bisschen Rost angesetzt haben und der Lack nicht mehr so schön in der Sonne funkelt. "Zum Treffen kommen wirklich nur Schalt- und Blechroller, bei einem Käfertreffen kommt ja auch keiner mit einem neuen VW Golf, auch wenn beides VW ist", sagt Christian Steinert.
Die wohl weiteste Anreise hatte Tino Sacchi. Er kam aus Mailand und freute sich, dass noch ein anderer Fan aus Italien angereist war. "Aber ich bin mit dem Auto da", gab Sacchi offen zu. Seine weiße, toll restaurierte Zwei-Zylinder-Lambretta mit 250 Kubikzentimeter aus dem Jahr 1965 musste den weiten Weg nicht schaffen, sondern fuhr bequem mit dem Anhänger nach Deutschland.

Von der Polizei gestoppt


Richtig Durchhaltevermögen dagegen zeigten die Morlocks aus Berlin: Markus, Bogen und Holger sind mit ihren Maschinen angereist - nicht ohne Unterbrechung. Sogar die Polizei hat Markus gestoppt. "Ich muss wohl den Rest vom Schalldämpfer verloren haben", erzählt Markus und lacht, lässt sich davon aber nicht den Spaß verderben. "Ich will Soul und Punk Rock hören und gute Kontakte genießen", verrät er. Und schnell haben sich die Morlocks mit den anderen Roller-Gangs angefreundet.
Holger aus Rosenheim zeigt stolz seine naturbelassene Vespa 200 PX aus dem Jahr 1981 und Peter aus Regensburg hat seine Lambretta Baujahr 1959 dabei und sagt: "Die Roller sind einfach Kult."

Soul und Punk-Rock


Höhepunkt waren die vielen Bezingespräche und der "Ride-Out" durchs Frankenland. Einige allerdings verzichteten auf die Ausfahrt, denn vor allem die alten Modelle bringen einfach zu wenig PS, um mithalten zu können. Spaß hatten die Fahrer trotzdem. Denn auch im Lager in Hummendorf gab es Amüsement, lustige Spiele, einen Prüfstand und natürlich auch Händlerstände. Und nachts wurde in der Scheune bei Soul und Punk-Rock abgefeiert.

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