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Geschichte

Weinbau in Kulmbach

Der Handwerkskünstler Wolfgang Boller hat sich mit dem Anbau und der Trinkfestigkeit der Herrschaften auf der Plassenburg beschäftigt.
Weinberg Plassenburg: Das Ölgemälde von 1682 zeigt die Terrassierung auf der Südseite der Plassenburg. 1806 werden die Weinstöcke bei der Sprengung der Festungswerke zerstört. Foto: Landschaftsmuseum Obermain
 
von WOLFGANG SCHOBERTH
Weinritter muss man einfach mögen. Ein sanft spleeniges Völkchen, begabt mit Witz und Humor. Bekennende Genussmenschen. Viele unter ihnen sind als Winzer, Gastronomen oder Hoteliers dem Wein beruflich verbunden, andere finden ihren Gefallen an der Kameradschaft und den feuchtfröhlichen Konventen. Einig sind sie sich im Ziel: "Das Kulturgut Wein und seine Geschichte zu fördern", wie es in der Satzung des Bruderschaftsordens heißt.
Einer der Ritter ist Wolfgang Boller (68) - Gebrauchsgrafiker, Heraldiker, künstlerisches Allround-Talent. Seit 2006 ist der Kulmbacher Mitglied des Weltbundes, seit 2009 Comtur von Oberfranken. Jahrelang hat er sich mit der Geschichte des mainfränkischen, speziell Kulmbacher Weinbaus beschäftigt. Dort, wo heute die "obermainische Dunkelbier-Kultur haust", wie der Weinritter sagt, sind von Staats wegen die ersten Rebflächen am Obermain kultiviert worden: Im Banzer Reichsurbar (um 800) ist ein erster "wingardi" (Weingarten) bei Staffelstein verzeichnet. Ab dem 12. Jahrhundert sind es Benediktiner von Kloster Banz und die Zisterzienser von Langheim, die den Weinbau mainaufwärts systematisch ausdehnen.


72 Weinberge um Kulmbach

In Kulmbach, so hat Boller herausgefunden, wird erstmals 1381 Wein kultiviert, und zwar in Burghaig. Viele der muschelkalkhaltigen, sonnenbeschienenen Hänge in Main-Nähe eignen sich vorzüglich für den Anbau. Das Landbuch der Herrschaft Plassenburg von 1398 zählt 72 Weinlagen rund um Kulmbach auf, darunter den Festungsberg, den Rehbergsüdhang bis zum Kessel, den Wickenreuther Berg, den Mühlberg zwischen Kauerndorf und Untersteinach, Fölschnitz, Ködnitz, Feuln und Trebgast.


Geschmalzener Zins

Der Pachtzins, den die Zisterzienser den Weinbauern abverlangen, ist geschmalzen. 1450 müssen sie zum Beispiel für eine kleine Fläche neben Naturalleistungen 20 "Eimer" Wein, sprich: 1400 Liter, für die Mönche abzwacken. Zentrale Abgabestelle für die Zisterzienser-Güter ist der Langheimer Amtshof in Kulmbach mit seinen tief in den Berg getriebenen Lagerkellern. Doch Wein ist nicht gleich Wein. Ein Eimer - des wohl doch sehr gewöhnungsbedürftigen - "Plassenburger" oder "Fölschnitzer" kostet zwei Gulden, ein "Untersteinacher" zweieinhalb, ein "Burghaiger" drei Gulden. Für eine guten Tropfen aus dem Rheinland jedoch musste man fünf Gulden hinblättern.
Boller hat die Bestände des markgräflichen Weinkellers genauer untersucht. 1541 etwa sind die Fässer mit 113 200 Litern gefüllt, überwiegend Burghaiger und Fölschnitzer Weine. Allein zu den beiden Hauptmahlzeiten bei der Fürstentafel des Markgrafen Albrecht Alicibiades werden 72 Maß Wein und eine ungenannte Menge Süßwein getrunken. Wie jedoch Bier auf dem Vormarsch ist, zeigt das Kellerverzeichnis des Grafen Konrad II. zu Castell von 1567: Von den Herren und ihren Mannen werden monatlich 67 Eimer Wein (47 Hektoliter) und 158 Eimer Bier (110 Hektoliter) getrunken. Ausdruck für den allmählichen Geschmackswandel ist der Volksspruch, den der Historiker Erich von Guttenberg überliefert hat: "Ist der Wein sauer, so trinkt ihn der Bauer - das Bier edel und bitter, trinken nur die Ritter".


Panscher und Schnüffler

"Reinen Wein" schenkt man sich im Mittelalter nicht ein. Zur Geschmacksverbesserung wird der saure Tropfen gewürzt und gesüßt - mit Ingwer, Nelken, Zimt, Rübenzucker und Honig. Um den begehrten "edlen Roten" zu erzeugen, haben Weinpanscher in Kulmbach kräftig manipuliert und dem Rebensaft Ziegelstaub, Farbmehl und Kräutermischungen beigesetzt.
Im 15. Jahrhundert soll die Einfuhr von Weinen in das Obermaingebiet nach Kräften verhindert werden. Die landesherrliche Regierung belegt preisgünstige Angebote von außerhalb mit drastischen Zöllen. Das Augustinerkloster schickt 1440 eigene Weinaufseher bis nach Trebgast, Berneck und Gefrees, um illegale Lieferungen aufzuspüren. Der Preis für einheimischen Wein wird hoch gehalten - zum Wohlgefallen der konkurrierenden Bierbrauer.


Die letzte Rebe

Die Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg und die "Kleine Eiszeit" mit extremen Kältewintern, vor allem 1708 und 1816, bringen den Weinanbau im Kulmbacher Raum allmählich zum Erliegen. Die Weinstöcke am Burgberg werden 1806 bei der Sprengung der Mauern schwer geschädigt. An der Ködnitzer Weinleite, dem letzten Anbaugebiet, vertrocknet um 1850 die letzte Rebe.


Vortrag Der Vortrag Wolfgang Bollers zum Weinbau im Kulmbacher Raum findet in der Burgschänke der Plassenburg statt. Dazu laden die Freunde der Plassenburg herzlich ein. Nach den Ausführungen wird Manfred Schmitt, Bergtheimer Winzer und Hoher Rat im Weltbund der Weinritter, den Zuhörern eine Kostprobe südaustralischen Weins von "Jacobs's Creek" verabreichen, der seine Wurzeln in Kulmbach hat.

Termin und Ort: Montag, 20 Uhr, Burgschänke der Plassenburg.
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