Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Geschichte

Tödlicher Biss beim nächtlichen Fensterln in Hegnabrunn

Auf der Suche nach einem nächtlichen Abenteuer wurde ein Neuenmarkter erwischt. Er wehrte sich mit einem Biss, an dem eine Bäuerin kurz darauf starb.
Knochenbrüche mag es schon des Öfteren bei der ländlichen Sitte des Kammersfensterlns gegeben haben. Ein tragischer Todesfall wie in Hegnabrunn war sicher die absolute Ausnahme.  Foto: privat
 
Das Fensterln ist heute eine praktisch ausgestorbene Aktivität der Brautwerbung, früher hauptsächlich im süddeutschen Raum verbreitet. Dabei machte der Freier des Nachts seiner Angebeteten seine Aufwartung, indem er mit Hilfe einer Leiter zu deren Fenster kletterte, in der Hoffnung Einlass ins Schlafgemach zu finden.

Nützlich und sogar brauchtümlich geduldet waren solche Eroberungsversuche aufgrund der früher oft herrschenden strengen dörflichen Sitten und elterlichen Verbote. Da sich heutzutage junge unverheiratete Zeitgenossen unbefangen in der Öffentlichkeit zeigen können und oft auch nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, wird das Fensterln heute, wenn überhaupt noch, nur zum Spaß getrieben.

Vor rund 120 Jahren war dies anders - und in Hegnabrunn, heute zu Neuenmarkt gehörend, endete eine solche Eskapade tödlich.


Faustdick hinter den Ohren


Die Dienstmagd Sophie Hübner muss es faustdick hinter den Ohren gehabt haben, denn sie gewährte ihren Verehrern immer wieder Einlass in ihre Dachkammer beim Kleinbauern Adam Schmidt, bei dem sie angestellt war. Wie in der späteren Gerichtsverhandlung aktenkundig wurde, hatte die umworbene Magd Freiern schon öfters Einlass über ihr Kammerfenster gewährt. Am späten Abend des 17. Mai 1895 hatten es aber gleich drei Burschen auf intimen Zärtlichkeiten abgesehen.

Was die drei Liebeshungrigen allerdings nicht wussten: Die Bauernmagd Sophie Hübner hatte inzwischen ihren Dienst beim Bauern Schmidt quittiert und war weggezogen. Ihre Kammer wurde nun von der erst siebzehn Jahre alten Katharina Lauterbach bewohnt.


Laut um Hilfe geschrien


Als die drei Burschen in die Kammer traten und sich der neuen Bewohnerin näherten, schrie die Erschrockene lauthals um Hilfe. Natürlich kam der Hausherr seiner neuen Magd zur Hilfe und vertrieb zunächst zwei der Eindringlinge aus seinem Anwesen.

Einer jedoch, der ledige Schreiner Christian Schmidt aus Neuenmarkt, verblieb zunächst in der Kammer. Als er schließlich das Anwesen verlassen wollte, stieß er unter der Haustüre mit dem Hausherrn zusammen. Nach einem kurzen Wortwechsel kam er zwischen beiden zu einem Handgemenge. Der junge und körperlich überlegene Eindringling entriss dem Bauern eine Kette, die dieser zu seiner Bewaffnung mitgenommen hatte und schlug damit auf ihn ein.


Im Nachthemd und mit Peitsche


Nun kam Bäuerin Kunigunda Schmidt im Nachthemd die Stiege herunter, bewaffnet mit einer Peitsche. Damit schlug sie auf den Eindringling ein, um ihn von ihrem Manne abzuwehren. Als dies nichts fruchtete, fuhr sie dem Wüstling mit der Hand ins Gesicht. Und dieser biss zu, in den linken Daumen der Angreiferin und zwar so heftig, dass er sich einen Zahn ausbiss.

Wie es im Protokoll heißt, muss es erhebliche Anstrengung gekostet haben, den Daumen wieder aus dem Munde zu bringen.

Ohne die Wunde zu reinigen legte sich die Gebissene wieder schlafen, bekam aber bereits in der Nacht entsetzliche Schmerzen. Zum Arzt zu gehen kam ihr aber noch nicht in den Sinn. Stattdessen versuchte sie, die Schmerzen mit einem seinerzeit beliebten Hausmittel "Salzburger Tropfen" zu lindern.

Erst als der Finger zu eitern begann, wurde ein Arzt zu Rate gezogen. Der beorderte sie sofort in das Krankenhaus nach Kulmbach. Am 21. Juni schließlich musste der Daumen amputiert werden. Trotz aller Bemühungen verstarb die Bäuerin Kunigunda Schmidt durch die eingetretene Blutvergiftung am 30. Juni 1895.

Der Übeltäter wurde erst zwei Tage nach der Hegnabrunner Untat von der Gendarmerie zu Neuenmarkt ermittelt, verhaftet und dem Gericht überstellt.

Arbeitete die Justiz vor über 100 Jahren schneller als die in der heutigen Zeit? Auf jeden Fall kam es bereits am 17. September zur Verhandlung vor dem Schwurgericht in Bayreuth. Christan Schmidt war wegen des "Verbrechens der tödlichen Körperverletzung" angeklagt.


Mildernde Umstände


Der Angeklagte, der schon früher zweimal zugebissen hatte und jeweils wegen Körperverletzung bestraft worden war, machte Notwehr geltend. Schließlich habe ihn der Bauer Adam Schmidt zuerst angegriffen.
Unter Berücksichtigung mildernder Umstände wurde Christian Schmidt zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.