Kulmbach
67. Geburtstag

Wie Thomas Gottschalk bei der Bayerischen Rundschau in Kulmbach abgeblitzt ist

Warum der bekannte TV-Entertainer aus Kulmbach, der am 18. Mai Geburtstag feiert, kein Journalist geworden ist. Sein Fast-Chef erzählt.
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Schon lange versöhnt: Thomas Gottschalk - hier bei der Eröffnung der Haribo-Ausstellung 2006 in Kulmbach - und sein Fast-Chef Ottmar Schmidt, langjähriger Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau. Foto: Archiv/Gabriele Hänseler
Schon lange versöhnt: Thomas Gottschalk - hier bei der Eröffnung der Haribo-Ausstellung 2006 in Kulmbach - und sein Fast-Chef Ottmar Schmidt, langjähriger Redaktionsleiter der Bayerischen Rundschau. Foto: Archiv/Gabriele Hänseler
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Dass Thomas Gottschalk, dem sich in seinem Leben alle Türen geöffnet haben, einmal abgeblitzt ist, kann man sich kaum vorstellen. Noch bevor er Abitur gemacht hatte, hätte er gerne ein Volontariat bei der Kulmbacher Zeitung begonnen. Er hatte vor, Journalist zu werden. Doch bei der Bayerischen Rundschau wollte man ihn nicht haben. Damals eine große Enttäuschung, ist diese Absage vielleicht ausschlaggebend gewesen, dass der große Blonde aus der oberfränkischen Kleinstadt Kulmbach so eine Bilderbuch-Karriere machen konnte.


Kein Platz in der Redaktion

Sein Fast-Chef Ottmar Ottmar Schmidt, BR-Redaktionsleiter bis 1994, erinnert sich: "Es war Ende der sechziger Jahre. Rainer Beck, einer meiner Redakteure, war mit Thomas eng befreundet und hat bei mir angefragt, ob wir ihn als Volontär einstellen würden." Schmidt hält Rücksprache mit Verleger Horst Uhlemann und Verlagsdirektor Helmut Scholz und erhält die Auskunft, dass die Redaktion derzeit ausreichend besetzt sei.

"Da musste ich Thomas Gottschalk vertrösten und habe ihm angeboten, zunächst als freier Mitarbeiter tätig zu werden. Er könnte vielleicht später ein Volontariat bekommen", erzählt Schmidt. Daraus sei aber nichts geworden, "weil seine Mutter geschimpft hat, dass er erst mal Abitur machen soll".


Schmidt hatte ein schlechtes Gewissen

Doch ein paar Wochen später spielt der Fast-Chef ("Ich hatte schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen") noch mal Schicksal in Gottschalks Leben: Redakteur Beck kriegt frei, um seinen Freund zu einem - wie es damals hieß - "Ansager-Wettbewerb" des Bayerischen Rundfunks nach Nürnberg zu fahren. Schmidt: "Thomas war der beste unter 40 Bewerbern. Das hat er schriftlich bekommen. Als er das Schreiben später in München vorlegte, war es die Brücke zum Bayerischen Rundfunk." Und der Beginn, wie wir heute wissen, eines kometenhaften Aufstiegs im Showbusiness.

Inzwischen sind Schmidt und Gottschalk nicht nur versöhnt, sondern befreundet. Man traf sich regelmäßig bei "Wetten, dass...?"-Shows oder dann, wenn der Moderator seine Heimatstadt besuchte. So auch im Juli 2006 zur Eröffnung der Haribo-Ausstellung in Kulmbach. Schmidt begleitet den großen Blonden, der viele Hände schütteln musste.


"Ausgesehen wie ein Zirkusdirektor"

Während Gottschalks Fast-Chef ein klassisch elegantes Kurzarmhemd in schlichtem Hellblau mit Krawatte trug, griff der TV-Star mit einem aus den achtziger Jahren rübergeretteten Hawaii-Hemd kleidungstechnisch voll daneben. Aber seine Fans haben dem für seinen extravaganten Modegeschmack bekannten Moderator diesen Sündenfall verziehen - wie es stets auch seine Mutter Rutila († 2004) getan hat. Sie erzählte gerne die Geschichte, als Thomas nach einer Show zu Hause anrief und sich vor der Kamera mal wieder modisch vergaloppiert hatte: "Ich habe ihm gesagt: Die Sendung war gut, aber Du hast ausgesehen wie ein Zirkusdirektor."

Die Mutter, die nach dem frühen Tod ihres Mannes, Hans Gottschalk, Thomas und seine beiden Geschwister Christoph und Raphaela allein aufziehen musste, war dennoch unheimlich stolz auf ihren Ältesten, "der eigentlich Diplomat werden wollte". Rutila Gottschalk schwärmte: "Er war ein sehr gutmütiges Kind, charmant und liebenswürdig. Geprügelt hätte er sich nie."


Gottschalks Karriere

1982 Nach seinem Start beim Bayerischen Rundfunk in den siebziger Jahren wechselt Gottschalk zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort "Na so was", eine Mischung aus Talk- und Musikshow.

1987 Am 26. September moderiert er in Hof als Nachfolger von Frank Elstner erstmals die ZDF-Show "Wetten, dass...?".

1990 Gottschalk arbeitet auch für RTL, erst mit der Personality-Show "Gottschalk", von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show.

1992/1993 Pause für Gottschalk bei "Wetten, dass...?"

1995 bis 1997 Neben "Wetten, dass...?" macht er "Gottschalks Hausparty" bei Sat.1.

2011 Am 3. Dezember moderiert Gottschalk zum letzten Mal "Wetten, dass...?". Er hatte seinen Rücktritt angekündigt, nachdem Wettkandidat Sebastian Koch 2010 schwer verunglückt war.

Januar 2012 Die Vorabendshow "Gottschalk Live" startet in der ARD. Doch angesichts geringer Einschaltquoten wird sie schon Anfang Juni wieder eingestellt.

September 2012 An der Seite von Dieter Bohlen sitzt Gottschalk in der RTL-Talentshow "Das Supertalent" erstmals in der Jury. Die Quoten sind jedoch mäßig.

September 2013 Die Spielshow "Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle" startet bei RTL. Die beiden Freunde fordern das Publikum zu einem Wettkampf heraus. Im Oktober spendet Gottschalk seinen Gewinn von fast 50 000 Euro dem Kulmbacher Familientreff und half mit, das Haus zu retten.

2015 Zum 65. Geburtstag legte Gottschalk seine Autobiografie "Herbstblond" vor. Das vergnügliche Buch wurde ein Bestseller. Hier schildert der Kulmbacher seinen Aufstieg zu einem der bekanntesten Fernsehmoderatoren Deutschlands. Außerdem widmet er sich allgemeinen Betrachtungen über Themen wie Ruhm, Familie und Älterwerden.

2017 Aktuell moderiert Gottschalk die Familienshow Little Big Stars bei Sat 1. Außerdem ist er seit Januar einmal im Monat sonntags bei Bayern 1 drei Stunden live zu hören. An alter Wirkungsstätte unterhält er sein Publikum mit flotten Sprüchen und den großen Hits der Rock- und Popgeschichte.
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