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Region  // Kulmbach

Europa

Theo Waigel in Neudrossenfeld zu Gast

Otmar Issing, der ehemalige Direktor der Europäischen Zentralbank, ist schon seit elf Jahren ausgeschieden.
Der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (rechts) wurde gestern Abend von Landrat Klaus Peter Söllner, Bürgermeister Harald Hübner und seinem Vorgänger, stellvertretendem Landrat Dieter Schaar, in Neudrossenfeld begrüßt. Foto: Sonny Adam
 
von SONNY ADAM
Doch seinen großen Namen hat der Würzburger Ökonom und Chefvolkswirt behalten. Auch, als er den Vorsitz einer Expertenrunde übernahm, die sich mit einer Reform für die internationalen Finanzmärkte beschäftigen sollte.

Otmar Issing ist einer, der auch mit 81 Jahren kein Blatt vor den Mund nimmt. Und mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel traf er bei den Europatagen in Neudrossenfeld auf einen Gleichgesinnten. Beide diskutierten über die Zukunft Europas. Ist Europa nach dem Brexit noch eine lebendige Gemeinschaft oder ist es eine Notgemeinschaft, die vor dem Aus steht?

Früher habe die europäische Idee gelebt, doch in den vergangenen Jahren habe sie gelitten. "Naja, zu meiner Zeit haben die Menschen auch nicht ,Deo gratias' gerufen, wenn es um Europa ging. Es war nicht einfach, Osteuropa und die Staaten des Baltikums aufzunehmen", blickte Waigel zurück. "Aber wenn ich heute die Machthaber in Polen und Ungarn anschaue, muss ich ehrlich sagen, dass sie mir auch nicht passen, aber vor vielen Jahren war die Situation nicht besser", relativierte der ehemalige Bundesfinanzminister die Situation.

Offen gab Waigel zu, dass die großen Ziele, für die Europa einst stand, nicht realisiert werden konnten - vor allem sei keine politische Union entstanden. "Schminken wir uns die ganz großen Pläne ab. Wir müssen das Vertragsbündnis wieder festmachen für die nächsten 15 bis 20 Jahre", stellte Waigel das Ziel vor.

Waigel prangerte an, dass der Beitritt Griechenlands nie hätte passieren dürfen. "Die Kontrollen haben versagt. Aber es macht keinen Sinn, das Land heute rauszuschmeißen", so Waigel. Zudem seien vier von fünf Problemländern (Irland, Portugal, Spanien und Zypern) auf einem guten Kurs. "Für Griechenland sehe ich das nicht. Aber immerhin wird die Schuldenlast kein Problem für das Land sein", konstatierte der ehemalige Bundesfinanzminister und gab zu, dass Europa wesentlich dazu beigetragen habe, dass die Binnenmärkte nicht zusammengebrochen sind.

Auch Otmar Issing malte die Situation nicht rosarot. Es sei nicht einfach, 27 Länder unter einen Hut zu bringen. "Aber eine Krise birgt auch eine Chance. Wir müssen den bequemen Status quo verlassen", mahnte Issing. Auch er sieht in der Tatsache, dass zwar eine Währungsunion geschaffen worden ist, nicht aber eine politische Einigung "die Ursünde". "Und wie wird sich die Stimmung wandeln, wenn die öffentlichen Leistungen gekürzt werden und wenn die Steuern steigen?", mahnte Issing.

Doch Europa sei mehr als nur die ökonomische Gemeinschaft. "Es ist eine große Kunst im Umfeld der europäischen Gemeinschaft entstanden", sagte Issing. Die Gäste weilen aktuell in Neudrossenfeld, weil sie am Samstag - ebenso wie Cavaliere Hubert Dalponte (Corvara-Alta Badia) - die FEK-Europamedaille Kaiser Karl IV. Die Verleihung findet auf dem Schlossplatz statt. Am Sonntag gehen die Europatage in Neudrossenfeld mit dem großen Europafest und buntem Kultur- und Musikprogramm weiter.
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