Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Interview

So will ein Limmersdorfer die Dorfwirtshäuser retten

Veit Pöhlmann hat ein Konzept, damit diese ländliche Institution überlebt. "Es muss politisch gewollt sein", sagt er .
In Limmersdorf gibt es mit der Pöhlmannschen Gastwirtschaft "Zur realen Schankgerechtigkeit" seit einigen Jahren wieder ein klassisches Dorfwirtshaus, wo man sich trifft, miteinander redet und die Geselligkeit pflegt. Aber in vielen fränkischen Orten sieht es schlecht aus - dort hat das Dorfwirtshaus längst zugemacht.  Foto: Katharina Müller-Sanke
 
von STEPHAN TIROCH
So viel Aufmerksamkeit hat die Branche selten: Die Probleme der Gastwirte rückten nach der Brandrede des Wartenfelser Alexander Schütz in Oberzettlitz ("Sternekoch platzt der Kragen") in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit. Die Allianz gegen das Wirtshaussterben, von Veit Pöhlmann und der Industrie- und Handelskammer Bayreuth initiiert, erfreut sich offenbar großer Unterstützung. Im Interview erklärt Pöhlmann, der in Limmersdorf selbst ein Dorfwirtshaus betreibt, wie er sich die Rettung dieser ländlichen Institution vorstellt.

Die gewaltige mediale Aufmerksamkeit nach der Brandrede von Alexander Schütz in Oberzettlitz dürfte Sie gefreut haben, oder?
Veit Pöhlmann: Ja, klar hat es mich sehr gefreut. Wobei ich feststellen muss, dass sich Alexander Schütz sehr allgemein mit dem Thema Gastronomie beschäftigt hat. Aber gut, dass die Problem der Gastronomie mal so im Mittelpunkt stehen.

Hat das Treffen in Oberzettlitz Ihr Thema einen Schritt vorangebracht? Werden die Politiker auch was tun?
Ich glaube schon, dass sie zugehört haben und dass sie durch das nachträgliche Interesse der Menschen - auf dem Internetportal infranken.de und beiFacebook - beeindruckt sind. Das wird der Gastronomie helfen. Aber das Thema Dorfwirtshäuser blieb leider etwas außen vor.

Sie unterscheiden zwischen Dorfwirtshäuserm und Landgasthöfen. Was meinen Sie damit?
Der Landgasthof ist eine besondere Marketingform der Gastronomie im ländlichen Raum. Der ländliche Gasthof wird in der Regel hauptberuflich betrieben. Dabei setzt man im Wesentlichen auf ein Speisenangebot für ein regionales Publikum. Was ich mit Dorfwirtshaus meine, ist etwas anderes. Ich meine Wirtshäuser in kleinen, auch stadtfernen Ortschaften, die in erster Linie als Treffpunkt für das Dorf und für die Leute aus der näheren Umgebung dienen. In dem Sinn ist der Bedarf - oder Nichtbedarf - auch eher ein gesellschaftliches und politisches Problem. Man muss sich die Frage stellen: Sollen in Dörfern mit 200 oder 300 Einwohnern solche Wirtshäuser bestehen bleiben, und was muss getan werden, damit es funktioniert? Ein Hauptmerkmal des Dorfwirtshauses ist es, dass es schon seit Generationen und auch heute im Normalfall wohl nur als Nebenerwerb und vielleicht nur an wenigen Tagen in der Woche betrieben werden kann. Das erfordert völlig neue Überlegungen.

Warum setzen Sie sich für die Dorfwirtshäuser ein?
Die Antwort ist ganz einfach: Ich wohne auf dem Dorf und liebe das Leben auf dem Dorf. Und ich bin der festen Überzeugung, dass ein Dorf ohne Wirtshaus keine richtige Dorf ist und es auch nicht sein kann.

Glauben Sie, dass diese ländliche Institution noch zu retten ist? Oder stirbt sie aus?
Ja, das Dorfwirtshaus ist noch zu retten. Aber es bedarf mehrerer Akteure und Institutionen, die sich dieses Themas annehmen und es wollen müssen.

Sie haben Zeit und Hirnschmalz investiert, um ein komplettes Handlungskonzept zu entwickeln. Wer soll hier was tun?
Zuerst braucht es Menschen im Dorf, die ins Dorfwirtshaus gehen wollen. Dann braucht es Wirte, interessierte Eigentümerfamilien und Brauereien. Und man braucht den Staat. Vor allem die Politik auf der kommunalen und Landesebene - ein bisschen auch auf der Bundes- und Europaebene - muss Dorfwirtshäuser als unverzichtbare Säulen der ländlichen Soziokultur begreifen, fördern und unterstützen.

Wie lauten Ihre Hauptforderungen? Und gibt es vielleicht sogar ein Patentrezept?
Nein, ein Patentrezept gibt es sicher nicht. Aber nach meiner Überzeugung gibt es Wege, das Aussterben der Dorfwirtshäuser zu verhindern. Voraussetzung dafür ist allerdings eine fundierte Analyse, die auf der Sammlung von Daten zur Ist-Situation beruht, die spezielle Geschäftsmodelle für Dorfwirtshäuser im Nebenerwerb und Ausbildungskonzepte für Dorfwirte entwickelt. Der Weg dazu führt über eine aufzubauende Projektgruppe, deren Finanzierung durch die Politik und Fachorganisationen wie Hotel- und Gaststättenverband, Brauereiverband und Industrie- und Handelskammer gesichert werden muss. Die IHK in Bayreuth wäre der ideale Träger dafür - auch man sich bisher vehement dagegen wehrt. Es könnten auch der Verein Genussregion Oberfranken oder entsprechende Institute der Universität Bayreuth selbst oder zusammen mit der IHK tätig werden. Der Bezirk oder Bezirkstag kämen ebenfalls dafür in Frage. Es muss politisch gewollt und als gesellschaftliches Problem im ländlichen Raum professionell angegangen werden.

zum Thema "Wirtshaus-Serie Kulmbach"

Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.