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Fall Peggy

Seher will Peggys Leiche in der Saale aufgespürt haben

Wenn Michael Schneider Recht hat, liegt das vermisste Mädchen aus Lichtenberg seit Jahren tot in einem Abschnitt der Saale. Der Seher aus Siegburg sagt, er habe die Stelle erspürt, mit Hilfe von ganz oben. Die Bayreuther Kripo will den Hinweis prüfen.
Er ist ein "Navigationssystem im Auftrag Gottes": Michael Schneider, 43-jähriger Großneffe von "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein, will den Ort erspürt haben, an dem die verschwundene Peggy Knobloch aus Lichtenberg liegen soll. Foto: Karin Heindl
 
von JOCHEN NÜTZEL
2002 ist Michael Schneider noch als Journalist und Polizeireporter unterwegs im Auftrag fürs Fernsehen. Eine Aufgabe, die ihn auch nach Lichtenberg führt. Dort, wo die kleine Peggy zu jenem Zeitpunkt seit einigen Monaten vermisst wird. Für seinen TV-Beitrag braucht er ein Bild des verhafteten Ulvi Kulac - der später als Mörder der Neunjährigen verurteilt wird. "Beim Blick auf sein Foto habe ich ,gesehen', dass er unschuldig ist", sagt Michael Schneider, als wäre es das Normalste der Welt. Mit "gesehen" meint er, er bekomme seine Eingebung "von oben". Von Gott.

Der Siegburger "sieht" noch mehr - nämlich wo Peggys sterbliche Überreste ruhen sollen, die bis heute nicht aufgetaucht sind. Der 43-Jährige ist sich sicher: Peggy liegt in einem Flusslauf. Die exakte Stelle will er öffentlich nicht preisgeben. "Die teile ich nur der Kriminalpolizei mit, ansonsten würde das womöglich die Falschen auf die Fährte führen." Er könne sehr detaillierte Angaben machen, angeblich bis auf wenige Meter genau. "Ich kann so viel verraten: Die Leiche liegt in einem Abschnitt der Sächsischen Saale, nur einige Kilometer entfernt von Peggys Heimat Lichtenberg."

Erste Suche 2012 abgebrochen

Schon einmal, im Winter 2012, hatte ganz in der Nähe eine Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei gesucht - auch damals auf Hinweis des Hellsehers, der an der bezeichneten Stelle einen so genannten Hotspot ausgemacht haben will. "Die Einheit operierte auch mit Booten, aber sie hat wegen der Witterung abgebrochen. Das Gelände dort ist unwegsam."

Schneider war bei der Aktion nicht vor Ort. "Ich arbeite mit präzisen Karten und habe den Polizisten vorab meine Erkenntnisse mitgeteilt." Diesmal meint er, er könne die Fundstelle "auf 50 bis 100 Meter" genau bestimmen. "Ich kann nicht auf den Meter genau sagen, wo jemand ist. Daher wäre es optimal gewesen, hätte die Bereitschaftspolizei damals auch die nähere Umgebung inspiziert, was die äuße ren Umstände leider verhinderten."
Auch wenn sich Michael Schneider als Seher bezeichnet: "Ich bin nicht hellsichtig, sondern eher hellhörig, ich habe diese innere Stimme, die mich lenkt. Ich verstehe mich als Lautsprecher Gottes, von dem ich meine Eingebungen bekomme und die ich in den Dienst der guten Sache stelle."

Dass er diese Gabe habe, weiß der Siegburger seit Kindertagen. "Mein Opa hatte diese Fähigkeit auch." Erst im Alter von 21 Jahren habe er gemerkt, wie treffsicher er mit seinen Vorhersagen sei. "Ich habe ein paar Freunde ziemlich verblüfft." Seither stellt er sein Können Menschen zur Verfügung, die nach vermissten Personen, aber auch Tieren suchen. Auf Hilfsmittel wie Tarotkarten, Pendel und Wünschelrute verzichte er.

Seit er 2006 seinen Journalisten-Beruf an den Nagel hängte, arbeitet er nur noch als Seher. Von den Medien zum Medium. "Ich habe das Glück, dank einiger Ersparnisse derzeit nicht arbeiten zu müssen. Deswegen kann ich mich ganz dieser Berufung widmen, ohne etwas dafür zu verlangen." Wenn ihn Menschen entlohnen wollen, spende er das Geld dem "Weißen Ring".

Und seine Erfolgsquote? Natürlich, räumt Schneider ein, habe er sich auch schon geirrt. "Mir fällt es nicht schwer, das zuzugeben. Passt ja ins Bild vom Lautsprecher: Wie beim Radio kann der Empfang eben manchmal gestört sein." Ihn selber störe der "Absolutheitsanspruch" an seine Hellsichtigkeit. "Wenn ich nicht zu 100 Prozent richtig liege, heißt es gleich, ich liege voll daneben. Dazwischen gibt es nichts. Aber den Aufenthaltsort eines Vermissten irgendwo auf der Welt auf mehrere hundert Meter einzugrenzen - das ist doch schon etwas Besonderes!"

"Anstrengende Arbeit"

Ein Leben als so genannter Präkognitiver - das sei "wahrlich kein Vergnügen", sagt Michael Schneider. "Vor allem, wenn es um tragische Schicksale von Kindern geht. Wenn ich eine dieser Eingebungen erhalte, dann empfinde ich das als so anstrengend wie harte körperliche Arbeit." Aber die Erfolge, sagt er, machten die Fährnisse wett. "Seit ich offen von meiner Begabung rede, hat sich mancher im Freundeskreis abgewendet, weil er mich für einen Spinner hält. Das ist bedauerlich, aber meine Fähigkeit ist nichts, wofür ich mich schämen muss."
Vor wenigen Tagen hat der Siegburger die Kriminalpolizei in Bayreuth aufgesucht. Den Ermittlern nannte er den selben Abschnitt wie vor eineinhalb Jahren, konkretisierte aber Peggys Fundort im damals nicht abgesuchten Teil auf wenige Meter genau. Polizei-Pressesprecher Jürgen Stadter erklärt, die Fahnder würden auch einem solchen Hinweis nachgehen - "selbst wenn er dem ersten Anschein nach kurios anmutet". Es habe im Laufe der Jahre immer wieder Angebote von Hellsehern oder Wahrsagern gegeben, die den Behörden im Fall Peggy Unterstützung anboten.
Inwiefern die Kripo im aktuellen Fall erneut an der von Michael Schneider genannten Stelle im Fluss suchen wird, dazu wollte Stadter nichts sagen. "Wir überprüfen, inwiefern die Angaben von Herrn Schneider sich mit unseren Erkenntnissen decken. Eine Suche im freien Gelände hätte zumindest den Vorteil, dass wir keinen Durchsuchungsbefehl bräuchten."

Von einer toten israelischen Polizistin bis zu Maddie

Such-Erfolg Im Fall der verschwundenen Israelin Yam Levy. kann Michael Schneider einen überprüfbaren Volltreffer vorweisen. Die Polizistin hatte im September 2013 in Immenstadt im Allgäu Urlaub gemacht, als sie spurlos verschwand. Die Polizei vermutete damals ein Kapitalverbrechen. Schneider hingegen hatte die Eingebung, dass die junge Frau 40 Kilometer entfernt in Riezlern im Kleinwalsertal zu finden sei. Schneider nahm Verbindung zu den österreichischen Behörden auf. Einen Tag später fand die Polizei die Leiche - sie lag, wie vorhergesehen, oberhalb von Riezlern auf dem Fellhorn. Die Gesuchte war beim Wandern abgestürzt.

Vorhaben Auch im spektakulärsten Vermisstenfall der jüngeren Vergangenheit hat der Siegburger Seher eine Spur: Er vermutet die kleine Maddie McCann, die 2007 aus einer Ferienanlage an der Algarve verschwand, in einer Schlucht an der portugiesischen Küste. Aus diesem Grund war er Ende 2013 mit einem Fernsehteam dorthin zu einer Vorab-Suche gereist. Derzeit laufen Vorbereitungen für eine akribischere Suchaktion.

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