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Verhandlung

Schlägerei in Marktleugaster Disco: Keiner will's gewesen sein

Im Marktleugaster Inside flogen die Fäuste. Ein 22-jähriger Bayreuther muss sich dafür vor Gericht verantworten. Doch er sieht sich selbst als Opfer.
Auf der Tanzfläche kam es zu der Schlägerei, die keiner der Beteiligten angefangen haben will. Symbolfoto: imago/imagebroker
 
von STEPHAN-HERBERT FUCHS
Die Vorwürfe gegen einen 22-jährigen Schüler aus Bayreuth wiegen schwer: Körperverletzung in mehreren Fällen, Bedrohung, Beleidigung, falsche Verdächtigung. Kein Wunder, dass für den ersten Verhandlungstag 19 Zeugen aufgeboten wurden, die Licht ins Dunkel einer Schlägerei am 19. Dezember 2015 im Inside in Marktleugast bringen sollten.


Aussage gegen Aussage


Im Grunde steht Aussage gegen Aussage. Bis zu zehn Anzeigen sollen gegen den 22-Jährigen vorliegen, der unter anderem einem Türsteher mit der Faust ins Gesicht, einem anderen einen Kopfstoß verpasst und eine Besucherin zu Boden gerissen haben soll. Von den heftigen Beleidigungen und Todesdrohungen gegen die Beteiligten gar nicht zu reden.

Dazu kommt, dass der Vater des Angeklagten, von Beruf Rechtsanwalt, in der Folge Anzeige gegen die Türsteher erstattet hatte, die sich auf die "bewusst wahrheitswidrig Aussagen" des angeklagten Sohnes berufen haben soll.


"Ich habe nicht gemacht"


Zum Prozessauftakt blieb der 22-Jährige dabei: Er sei in Wahrheit das Opfer. "Ich habe nichts gemacht", sagte er. Die Türsteher hätten ihn verprügelt, er sei dabei erheblich verletzt worden.

Nach einer Weihnachtsfeier, dem Besuch des Winterdorfs und einem Kneipenaufenthalt in Kulmbach waren der Angeklagte und zwei Kumpel kurz nach Mitternacht auf die Idee gekommen, ins Inside zu fahren. Auf der Suche nach einer Bekannten sei er dort auf der Tanzfläche "volle Kanne" angerempelt und zu Boden gerissen worden, behauptete der junge Mann.

Nach einem kurzzeitigen Blackout sei plötzlich sein Arm verdreht gewesen, die Nase habe stark geblutet, sogar die Hose sei heruntergezogen gewesen. Bis heute könne er nicht verstehen, dass der Sicherheitsdient in der Folge ausgerechnet ihn aus der Diskothek warf, die Polizei einen Blutalkoholtest veranlasste und ihn auf die Wache mitnahm. "Ich dachte, ich bin im falschen Film, die müssen mich doch verwechseln", sagte der Mann vor Gericht. Immerhin hatte er 1,8 Promille Alkohol im Blut.


Vater kritisiert Ermittlungsarbeit der Polizei


Vom Polizeifahrzeug aus verständigte der Angeklagte damals seinen Vater, der mit ihm zunächst noch einmal zum Inside fuhr, um die Türsteher ausfindig zu machen, was allerdings nicht gelang. Dann traf man sich mitten in der Nacht mit einer Bekannten, die ebenfalls in der Diskothek war und die angeblich bestätigen konnte, dass der junge Mann nicht zugeschlagen habe, sondern vielmehr selbst geschlagen worden sei.

Schließlich führte der Weg von Vater und Sohn noch ins Klinikum, um Prellungen am Brustkorb, Schwellungen im Gesicht und Zerrungen attestieren zu lassen.

Der Vater übte in seiner Zeugenaussage heftige Kritik an der Ermittlungsarbeit der Polizei. Der Beamte habe gleich Druck gemacht und seinen Sohn "angefahren" , so sein Eindruck, als er mitten in der Nacht auf die Wache nach Stadtsteinach gekommen sei. Als er später noch einmal mit der Zeugin aufgetaucht sei, hätten die Beamten sie beide einfach stehen lassen und sich gar nicht für sie interessiert.

Erst als er gesagt habe, dass er Rechtsanwalt sei, habe man den Sachbearbeiter geholt, der wiederum versucht haben soll, die Zeugin einzuschüchtern, ehe man dann doch einen Termin vereinbaren konnte. "Der Beamte hat sich seltsam verhalten", sagte der Rechtsanwalt im Zeugenstand.


Vulgäre Beleidigungen


Einer der Türsteher, ein 32-jähriger Mann, berichtete, dass er vom Angeklagten einen Kopfstoß kassiert habe. Der Angeklagte habe noch versucht, ihm Schläge mit der Faust zu versetzen, was er aber abwehren konnte, indem er den Angreifer zu Boden gerissen habe. Später habe er ihn mit einem Kollegen aus der Diskothek geführt und dabei die vulgärsten Beleidigungen hinnehmen müssen. Davon, dass der Angeklagte von den Security-Leuten aus dem Inside herausgeschleift worden sein soll, könne keine Rede sein. "Das ist eine schamlose Lüge", empörte sich der Wachmann.

Die junge Frau, die völlig unvermittelt auf der Tanzfläche zu Boden gerissen wurde, berichtete von heftigen Schmerzen an der Schulter und von einer ärztlichen Behandlung, die fast ein halbes Jahr gedauert habe. Sie habe mit Freundinnen getanzt, als ihr plötzlich die Beine weggezogen wurden. Den Angeklagten kannte sie bis dahin nicht.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.
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