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Region  // Kulmbach

Medizin

Impfung gegen Rotavirus ist in Franken umstritten - Soll ich mein Kind impfen?

Nur 67,8 Prozent der Kleinkinder sind im Vorjahr gegen den Rotavirus geimpft worden. Die regionalen Unterschiede sind recht groß. Was sind die Gründe?
Nur 67,8 Prozent der Kleinkinder sind im Vorjahr gegen den Rotavirus geimpft worden. Die regionalen Unterschiede sind recht groß. Was sind die Gründe? Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
 
von CHRISTIAN PACK
Starker Durchfall, Erbrechen, Fieber: Rotaviren sind die häufigste Ursache für Magen-Darm-Infektionen bei den unter Fünfjährigen. Zwar kommt es nur selten zu lebensbedrohlichen Erkrankungen, wegen des hohen Wasserverlusts müssen jedes Jahr aber mehrere Kinder im Krankenhaus behandelt werden.

Meist im Herbst treten die ersten Fälle auf, viele Eltern lassen ihr Kind deshalb impfen. Allerdings zeigt ein Blick auf die Statistik, dass es regional große Unterschiede gibt. Laut der Zahlen des Robert-Koch-Instituts lag die Quote im Jahr 2016 beispielsweise im Raum Kronach bei rund 80 Prozent, im Raum Bamberg hingegen bei rund 58 Prozent.


Unterschiedliche Ursachen

Aus Sicht des Kulmbacher Kinderarztes Patrick Muzzolini gibt es für dieses Gefälle mehrere Gründe. "Zum einen gibt es in Oberfranken Regionen, in denen vermehrt Kinderärzte praktizieren, die anthroposophisch orientiert sind." Die Mediziner sind zwar generell keine Impfgegner, aber streben einen "freien, selbst verantworteten Impfentscheid der Eltern" an, wie Georg Soldner, Vorstand der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte (GAÄD), erklärt.

Darüber hinaus, so Muzzolini, habe sich die Wahrnehmung der Erziehungsberechtigten im Bezug auf das Impfen teilweise verschoben. "Wenn, wie beim Rotavirus, keine dramatischen Erkrankungen drohen, denken viele Eltern, dass eine Impfung nicht nötig ist", so der Obmann des bayerischen Berufsverbandes für Kinder und Jugendärzte (BVKJ) im Bezirk Oberfranken. Er selber rät generell zum Impfen: "Die Komplikationen durch Krankheiten sind immer größer als mögliche Komplikationen durch eine Impfung."


Beratung durch die Kinderärzte

Laut Aleksander Szumilas kommt hinzu, dass die Impfung erst im Sommer 2013 in die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) aufgenommen wurde. "Es dauert immer einige Jahre, bevor neue Impfempfehlungen flächendeckend in die Praxis Einzug halten", sagt der Pressesprecher beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Eine bedeutende Rolle für die Impfentscheidung der Eltern spiele darüber hinaus die Beratung durch die Kinderärzte.

Regionalen Unterschiede, so Zsumilas, seien generell auch für andere Impfungen bekannt. "Studien zu den Ursachen führen bisher zu uneinheitlichen Ergebnissen." Insgesamt würde die Impfquoten in Bayern jedoch ansteigen. Mit Erfolg: "Für Rotavirus-Erkrankungen konnte als positiver Effekt der neuen Impfung, besonders bei der wichtigen Altersgruppe der Säuglinge und Kleinkinder, ein deutlicher Rückgang verzeichnet werden."



Impfen oder nicht? Fachärzte müssen aufklären und Ängste nehmen


Laut Brigitte Dietz kommt es bei Statistiken zu Impfquoten generell nicht nur darauf an, ob die Eltern der Behandlung positiv gegenüberstehen. "Die Impfquoten sind tatsächlich auch davon abhängig, wie gut situiert die Menschen sind. Man hat herausgefunden, dass besser verdienende und auch besser gebildete Menschen eher impfkritisch sind und sich sehr gut überlegen, ob sie ihre Kinder impfen lassen oder nicht", sagt die stellvertretende Vorsitzende des BVKJ-Bayern und Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Taufkirchen. Die Möglichkeit, über das Internet Informationen zu erhalten, sei zudem groß.


Todesfälle in Frankreich

Was die Rotavirusimpfung betrifft, hätten tragische Vorfälle aus Frankreich Auswirkungen auf die hiesige Impfquote gehabt. "Es gab vor zwei Jahren dort Todesfälle, die auf die Impfung zurückgeführt wurden. Das hat etliche Kinder- und Jugendärzte dazu verleitet, von der Impfung Abstand zu nehmen."
Die regionale Verteilung in Franken bezüglich der Rotavirus-Impfquote erklärt sich Dietz so: "Bayreuth und Bamberg sind sicher Städte, in denen wohlhabendes Bildungsbürgertum zu Hause ist - und dem Impfen eher kritisch gegenübersteht." Auch, dass es sehr lange gedauert hat, bis sich die Ständige Impfkommission (STIKO) zu einer Empfehlung durchgerungen habe, könnte die aktuelle Quote beeinflusst haben.

Bei den Fachärzten für Kinderheilkunde und Jugendmedizin sei im Praxisalltag die Aufklärung über Impfungen, deren Wirkungen und Nebenwirkungen sowie Komplikationen wichtig. "Wir verbringen viel Zeit damit. Man nimmt den Menschen die Ängste, wenn man offen und ehrlich über alles redet." Impfgegner könne man allerdings meist nicht beeinflussen. "Die haben eine vorgefasste Meinung und lassen sich davon nicht abbringen."


Ausreichende Vergütung?

Impfskeptiker oder Eltern, die ängstlich sind und Informationen benötigen, könne man hingegen mit Aufklärung und Gesprächen überzeugen. Dietz: "Das ist allerdings sehr zeitaufwendig und wird den Ärzten nicht adäquat vergütet."



Robert Koch-Institut rechnet 2017 mit mehr Masern-Infektionen


Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) rechnet in Deutschland heuer mit einem größeren Masern-Problem als im Vorjahr. "Wir befürchten, dass es 2017 wieder mehr Masernfälle geben wird", sagt RKI-Expertin Dorothea Matysiak-Klose. Bis zum 1. März wurden beim RKI bundesweit bereits 203 Masern-Infektionen registriert. 2016 waren es insgesamt 326. Grund für die Ausbreitung der Masern seien Impflücken bei Kindern und jungen Erwachsenen. Nur wenn die Immunität in einer Region hoch sei, habe das Virus schlechte Chancen.

Schon seit langem herrscht Konsens darüber, dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind. Die Infektion ist hochansteckend und schwächt das Immunsystem. In seltenen Fällen endet sie sogar tödlich. Kleinkinder können erst ab neun Monaten immunisiert werden. Deshalb sind Impfungen oder eine durchgemachte Erkrankung vor einer Schwangerschaft wichtig. Immunisierte Mütter sorgen in den ersten Monaten für einen Nestschutz.

Eine zweite Masern-Impfung sollte bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs erfolgen. Nach RKI-Angaben sind allerdings nur rund 70 Prozent der Zweijährigen in Deutschland zweimal geimpft. Bis zum Schulbeginn holen Eltern die Immunisierung oft nach - nach Meinung der Experten zu spät. Nach RKI-Einschätzung wäre es bei dieser Lage sinnvoll, bei Kinderimpfungen den Masern-Status der Eltern gleich mit zu überprüfen - und gegebenenfalls Impfungen nachzuholen.
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