Marktschorgast
Beschluss

Marktschorgast distanziert sich von Ehrenbürgerschaft für Hitler

Der Gemeinderat Marktschorgast hat sich von der Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler sowie dreier weiterer Männer distanziert.
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Der Marktschorgaster Gemeinderat distanzierte sich am Donnerstagabend von der Ehrenbürgerwürde für Adolf Hitler - hier bei einem Empfang, an dem auch der Kulmbacher NSDAP-Kreisleiter Fritz Schuberth (Mitte) teilnahm. Repro: Wolfgang Schoberth
Der Marktschorgaster Gemeinderat distanzierte sich am Donnerstagabend von der Ehrenbürgerwürde für Adolf Hitler - hier bei einem Empfang, an dem auch der Kulmbacher NSDAP-Kreisleiter Fritz Schuberth (Mitte) teilnahm. Repro: Wolfgang Schoberth
Hitler, von Hindenburg und zwei NSDAP-Männer hatten einst die Ehrenbürgerschaft von Marktschorgast in Oberfranken erhalten - jetzt aber hat sich Gemeinde nachdrücklich davon distanziert. Der Gemeinderat fasste den entsprechenden Beschluss am Donnerstagabend einstimmig. Damit reiht sich die oberfränkische Kommune in die bundesweite Liste derer ein, die zuvor schon diesen Schritt gemacht hatten.

"Jetzt, da ein Rechtsruck durch ganz Europa geht, ist das ein Zeichen", hatte Hans Tischhöfer (Freie Wähler) einige Tage vor der Sitzung gesagt. Er ist der Bürgermeister der Gemeinde mit 1550 Einwohnern im Landkreis Kulmbach. Die jetzigen Mandatsträger wollten zum Ausdruck bringen, dass heute eine solche Würdigung nicht mehr möglich wäre.

Dabei geht es in Marktschorgast nicht nur um Adolf Hitler, sondern auch um die Ehrenbürgerschaften für drei weitere Männer: Paul von Hindenburg, der 1925 Reichspräsident der Weimarer Republik wurde, Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannte und den Nationalsozialisten damit den Weg ebnete; NSDAP-Gauleiter Hans Schemm aus Bayreuth sowie Nikolaus Brückner, ebenfalls aktiver NSDAP-Mann.

Aberkennen konnte der Gemeinderat die Ehrenbürgerschaften nicht. In der Sitzung am Donnerstagabend hieß es unter Berufung auf eine entsprechende Auskunft des Bayerischen Gemeindetags, dass die Ernennung zum Ehrenbürger ausschließlich personenbezogen sei und daher mit dem Tode erlösche. Ein Widerruf der Ernennung nach dem Tode, also nach dem Erlöschen, sei daher sowohl aus tatsächlichen wie auch aus rechtlichen Gründen nicht möglich; er komme nur zu Lebzeiten des Ehrenbürgers in Betracht. Der Gemeindetag empfehle daher nachdrückliche Distanzierung von der früheren Ehrung.

Deutschlandweit entscheiden sich immer wieder Kommunen zu dem entsprechenden Schritt - in Bayern etwa Schwabach, in Baden-Württemberg Friedrichshafen oder die Stadt Kalkar in Nordrhein-Westfalen.
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