Hilferuf

Hilfe gesucht: Leon braucht einen Schulbus-Begleiter

Die Familie Wloka startet einen Hilferuf: Sie sucht jemanden, der ihren Sohn Leon, der an Epilepsie erkrankt ist, auf der Busfahrt zur Schule begleitet.
Leon mit seinem Vater Georg Wloka. Der 47-Jährige hat seinen Sohn an den ersten Schultagen bei der Fahrt im Schulbus begleitet. Aus gesundheitlichen Gründen könne er das auf Dauer nicht machen, sagt Georg Wloka. Foto: Alexander Hartmann
 
von ALEXANDER HARTMANN
Leon Wloka leidet an Epilepsie. Vor einem halben Jahr hat der Siebenjährige den ersten Krampfanfall erlitten. "Acht Anfälle hat er seither gehabt", sagt Regina Wloka, die Oma des jungen Thurnauers. Leons Krankheit stellt nicht nur Mutter Sandra (28) und Vater Georg (47), sondern auch die Großeltern vor eine große Herausforderung - auch was den täglichen Weg zur Schule betrifft.

Der Junge besucht seit vergangener Woche die erste Klasse des sonderpädagogischen Förderzentrums der Arbeiterwohlfahrt in Kulmbach. Während alle anderen Kinder aus dem Thurnauer Raum, die in die Werner-Grampp-Schule gehen, ohne Begleitung in den Schulbus einsteigen, darf Leon das nicht. Die behandelten Ärzte am Klinikum Bayreuth haben die dringende Empfehlung gegeben, dass dem Jungen eine Begleitperson zur Seite gestellt wird. Es sei nicht auszuschließen sei, dass der Siebenjährige während der Fahrt einen Anfall erleidet. Dem Busfahrer sei die Aufgabe des Begleiters nicht zuzumuten, da er das Fahrzeug lenken müsse und sich im Notfall nicht gleichzeitig um Leon und die anderen Kinder kümmern könne.


"Lange darum gekämpft"

Die gesonderte Busbegleitung finanziert zu bekommen, war für die Familie kein Leichtes. "Wir haben lange darum gekämpft", sagt Regina Wloka. Erst habe man sich an den Bezirk gewandt. Der habe sich nicht verantwortlich gefühlt. "In medizinisch bedingten Fällen ist der Bezirk nicht zuständig. Die Familie musste sich deshalb an die Krankenkasse wenden", sagt der Pressesprecher des Bezirks, Christian Porsch. Die Kasse hat sich Regina Wloka zufolge gewehrt. "Die AOK hat die Finanzierung erst zugesagt, als wir eine Rechtsanwältin eingeschaltet haben", teilt Leons Oma mit.

Das Geld für einen Begleiter, der den Mindestlohn erhält, wäre nun da. Was fehlt, ist eine Begleitperson. Und die scheint nicht in Sicht. "Wir haben bisher niemanden gefunden, der die Aufgabe übernimmt", sagt Vater Georg Wloka, der an den ersten Tagen den Platz neben Leon im Bus eingenommen hat. Die Zeit zwischen Unterrichtsbeginn und -ende habe er in Kulmbach "totschlagen" müssen, sagt der 47-Jährige, der unter Arthrose und Rheuma leidet und Frührente bezieht. Aus gesundheitlichen Gründen könne er die Begleitung auf Dauer nicht übernehmen, betont Georg Wloka. Auch seiner Frau, die arbeite, sei das nicht möglich.


Awo unterstützt Eltern gern

Weder die AOK noch die Awo fühlten sich verpflichtet, sich um eine Begleitperson zu kümmern, klagt Regina Wloka. Eine Nachfrage bei der Arbeiterwohlfahrt und bei der Krankenkasse bestätigt das. Die Awo unterstütze die Eltern bei der Suche gerne, sei dazu aber nicht in der Pflicht, erklärt Kreisgeschäftsführerin Elisabeth Weith. Wie sie mitteilt, hatte die Awo auch schon einen Begleiter gefunden. Dieser sei dann aber aus gesundheitlichen Gründen abgesprungen.

Auch die AOK fühlt sich für die Bereitstellung der Begleitperson nicht zuständig, wie deren Pressesprecher Marko Ahrens erklärt. "Im Hinblick auf die Kostenübernahme standen wir mit dem Rechtsbeistand der Familie laufend in Kontakt. Naturgemäß erfolgt die Koordination der Schulwegbegleitung durch die Schule in Kooperation mit den entsprechenden Leistungserbringern", so Ahrens.

Leons Oma versteht die Welt nicht mehr. "Die Beförderung muss doch gewährleistet sein. Ich frage mich, was passiert, wenn Leon nicht in die Schule kommt. Wird dann das Jugendamt eingeschaltet?", fragt Regina Wloka, die hofft, dass es dazu nicht kommt. Hoffnung setzt sie auf einen "runden Tisch", an dem sich alle Beteiligten auf Initiative der Awo am Donnerstag zusammensetzen. Es ist ein Treffen mit einem Ziel: Leons Schulbus-Transport sicherzustellen.
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