Kulmbach
Festival

Kulmbacher genossen fetzige Musik mit dem Akkuschrauber

Was tut ein Musiker, der seine Gitarre schneller bearbeiten möchte, als er es mit den Händen schafft? Er nimmt einen Akkuschrauber.
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Nicht alltäglich: Mit einem Akkuschrauber, auf dem ein Plektrum angebracht war, spielte Tobias Gold Gitarre. Damit kann er schneller spielen, als mit seinen Fingern.  Fotos: Stephan Stöckel
Nicht alltäglich: Mit einem Akkuschrauber, auf dem ein Plektrum angebracht war, spielte Tobias Gold Gitarre. Damit kann er schneller spielen, als mit seinen Fingern. Fotos: Stephan Stöckel
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Was haben ein Baumarkt und ein Metal-Festival gemein? Für gewöhnlich nicht viel. Doch "Full Metal Spinnery"-Festival in der "Alten Spinnerei" war alles ein bisschen anders. Tobias Gold von der Lichtenfelser Band "Infected Authoritah" hielt einen Akkuschrauber mit aufgesetztem Plektrum - man höre und staune - an seine Gitarrensaiten. "Das sieht nicht nur originell aus. Damit kann ich viel schneller spielen, als mit meinen Händen", erklärte er die nicht alltägliche Verwendung des Werkzeugs bei dem Song "The Final Drop".

Diese passte wie die Faust aufs Auge zum nach vorne peitschenden, rasanten Thrash-Metal aus der Korbstadt Lichtenfels, der in der Bierstadt Kulmbach für gute Laune unter den rund 100 Fans sorgte.


Organisator aus Burkunstadt


"Mach es zu Deinem Projekt", lautet der Slogan eines Baumarkts. Der Burgkunstadter Manuel Doppel, der einst in der eingangs erwähnten Kapelle zugange war, ehe er sich der Jenaer Formation "Syntension" anschloss, nahm ihn sich zu Herzen. Der 30-Jährige hatte die Idee zu dem Festival. "Wohlige Erinnerungen an einen exzellenten Auftritt mit meiner früheren Band in der ,Alten Spinnerei' lösten in mir den Gedanken aus, ein Festival auf die Beine zu stellen", sagte er.

Den Zuhörern wurde ein facettenreiches und stimmiges Programm der härteren Gangart geboten, das keine Wünsche offen ließ. Obgleich die Stimmung im Saal nicht überschäumte vor Begeisterung, so merkte man den Fans doch an, dass ihnen das Herz vor Freude aufging.


Mehr Kopf als Bauch


Roy Burkhardt (Gesang), Daniel Büttner (Bass), Alexander Rauhut und Manuel Doppel (Gesang und Gitarre) sowie Schlagzeuger Fabian Kummer von der Gruppe "Syntension" bauten sich ein Metal-Universum aus ausschweifenden Songs, das mehr den Kopf als den Bauch ansprach. Mal verträumt, dann wieder aufbrausend wild, erschufen die Akteure eine geistig anregende Musik.

Als Seelenverwandte der thüringisch-fränkischen Kooperation outeten sich die Jungs der Würzburger Formation "Nump". Vielschichtige, spannend inszenierte Metal-Dramen wechselten sich mit kernigen Songs wie "So Far Away" ab, zu denen man gut die Köpfe schütteln konnte.

Aus einem rustikalen Hard-Rock-Holz gezimmert war wieder einmal die Musik des Kulmbacher Trios "Dead & Stoned". Andreas Niemczyk (Gesang und Bass), Kai Wagner (Gitarre) und Adrian Heckel (Schlagzeug) tragen das Prädikat "Oberfrankens beste Band" zu Recht. Locker und lässig schüttelten sie Ohrwürmer mit Mitsinggarantie ("Born For The Streets" oder "Devil Alive") aus ihren Ärmeln, die den Besuchern gute Laune am laufenden Band bescherten.


Tonträger oder Internet?


Mit von der Partie waren auch die Musiker der Kulmbacher Band "Devilizer", die mit dem Gedanken spielen, ihren Sound nicht immer nur live zu präsentieren, sondern auch zu konservieren. Im Internetzeitalter hat man als Band die Qual der Wahl, wenn es um die Form der Aufnahme geht: Traditionell als Vinyl oder CD oder lieber ganz modern als Downlaod oder Stream?

Gitarrist und Sänger Niklas Müller ist sich noch nicht so ganz schlüssig: "Es ist ein schönes Gefühl, ein fertiges Produkt in der Hand zu halten. Da weiß man, was man geschaffen hat. Allerdings ist das auch eine Kostenfrage. Songs in das Internet zu stellen, ist einfach günstiger."

Bis zu einer endgültigen Entscheidung wird es noch etwas dauern. Fest steht auf jeden Fall: Noch in diesem Jahr wird es eine Single geben, die sich die Fans kostenlos herunterladen können. Beim Konzert in Kulmbach gaben Müller und seine Bandkollegen Philipp Rösch (Bassist und Gesang), Vincent de Fallois (Gitarre), Lorenz Beutner (Gesang) und Philipp Sesselmann (Schlagzeug) alles. Ihre aufbrausenden, wuchtigen und zornigen Lieder, ideenreich arrangiert, lebten von dem mehrstimmigen Gesang, der sich wie ein roter Faden durch das Programm zog. "Metal-Herz was willst du mehr?", könnte man den Auftritt umschreiben.


Mehr Metal gibt's am 22. April


Mehr Metal gibt es im Kinder- und Jugendkulturzentrum in der "Alten Spinnerei" am Samstag, 22. April, ab 20.30 Uhr beim "Join The New Force Of Your Hometown"-Festival. Mit dabei sind wieder "Devilizer" mit ihrem progressiven Thrash-Metal, die Kulmbacher Hardcore-Bands "Lions From Alaska" und "Beyond Burning Hills" sowie die Punkrocker von "Blind Man's Buff". Der Eintritt ist frei.
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