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Region  // Kulmbach

Vortrag

"Kulmbacher Plasssenburg hat mein Leben geprägt"

Rund 150 Kulmbacher lauschten den Erzählungen von Hajo Kunze, der auf der Plassenburg aufwuchs.
Die Milchkanne, mit der Hajo Kunze einst losgeschickt wurde, hält er heute noch in Ehren. Foto: Uschi Prawitz
 
Die Plassenburg thront seit Jahrhunderten schützend über der Stadt Kulmbach, und schon oft gewährte sie bedrohten Menschen Zuflucht. So auch nach dem Zweiten Weltkrieg, als das historische Gemäuer als Unterkunft für Flüchtlinge diente.

Hajo Kunze, geboren im Februar 1948 in einer Baracke hinter den Burgmauern, verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Kulmbachs Wahrzeichen und sagt von sich selbst: "Die Burg hat mein Leben geprägt."


Spannende Kindheitserlebnisse


Grund genug für die Freunde der Plassenburg, den gebürtigen Kulmbacher, den es später beruflich nach Staufen verschlug, auf die Burg einzuladen, um von seinen Kindheitserlebnissen zu erzählen. Rund 150 Zuhörer lauschten den Erinnerungen und Anekdoten von Hajo Kunze und hatten teilweise auch selbst etwas beizusteuern. "Ja, das stimmt", hörte man etwa aus dem Publikum, als der Staufener über die "furchtbare, selbst genähte Unterwäsche" erzählte oder davon, wie man den Buchwald nutzte, um nach etwas Essbarem zu suchen. Oder wie er stundenlang an der Freibank um ein Stückchen sehnendurchsetztes Fleisch anstand.

"Und wir waren sauber damals", sagte er, "denn es gab Waschlappen, da wurde man sauber, auch ohne 500 Liter Wasser zu verbrauchen."


Trotz Armut viel Schönes erlebt


Trotz der erlebten Armut denkt Hajo Kunze gern an seine Kindheit zurück, auch wenn sie entbehrungsreich war. "Als ich vier war, schickten mich meine Eltern mit meiner Milchkanne zu den Amerikanern", erzählte er und hob die Kanne von damals in die Höhe.

"Wir haben alte Nägel wieder gerade geklopft, haben beim Bauern geholfen und haben dafür mal ein Stück Brot, mal etwas Obst oder sogar einen Sack Kartoffeln bekommen." Etwas, das ihn bis heute nicht los lässt, war der Zusammenhalt unter den Barackenbewohnern. Ging es einem schlecht, halfen alle, verzichteten auf das Wenige, das sie hatten. "Ich weiß noch, wie mich die anderen Kinder mit Teeröl einschmierten, weil ich ein Indianer sein sollte", heute kann Kunze darüber lachen. Damals aber steuerten alle Barackenbewohner ihre Wochenration Butter bei, um den Buben wieder sauber zu bekommen. "Abgesehen von der Armut hatten wir eine Jugend, wie ich sie heute noch jedem Kind wünschen würde."


Eine "legendäre" Jugend


Dem pflichteten viele Anwesende bei. Edith Meier beispielsweise verbrachte eine "legendäre" Jugend auf der Burg und lebte dort bis sie heiratete. "Mein Vater hat damals in der Lagerküche geholfen." Hildegard Petersen konnte den Besuchern im Festsaal der Burg beschreiben, wie die Räume damals für die Familien aufgeteilt worden waren. "Für jede Familie gab es eine Fensternische breit, in der Mitte des Raumes gab es einen Gang, und alles war durch Decken abgetrennt", aber das sei schon Luxus gewesen, ergänzte sie, in manchen Schlafsälen wurden auch nur Kreidestriche gezogen.

Dass Geschichte so lebendig wird, das wünschen sich natürlich die Freunde der Plassenburg, allen voran der Vorsitzende Peter Weith. Und deshalb nutzte er die Gelegenheit, um den vielen Besuchern eine neue Initiative des Vereins vorzustellen. "Die Bürger sind aufgefordert, ihre Ideen zur Attraktivierung unserer Plassenburg an uns weiterzuleiten, und seien sie noch so klein", erklärte er.


Freunde der Plassenburg unterbeiten Bürgern ein Angebot


"Wir können zwar nichts selbst entscheiden, aber wir können Ideen sammeln und sie an die entsprechend Verantwortlichen in Ministerium und Stadt weiterleiten. Denn es ist wichtig, dass Ideen dort ankommen, wo sie entschieden werden", sagte Weith. Und tatsächlich konnte er bereits an diesem Abend erste Vorschläge entgegennehmen. Jetzt hofft er auf eine starke Resonanz der Bürger. "Anregungen und Ideen können uns auf jedem Weg zugetragen werden, auch auf unserer Homepage mit der Adresse freunde-der-plassenburg.de."

Und auch Erich Olbrich, der den Vortrag von Hajo Kunze mit ausgewählten Fotografien optisch begleitete, hatte noch eine Bitte: "Bei den Vorbereitunen zu diesem Vortrag wurde wieder deutlich, dass der Zeitraum zwischen 1945 und 1955 in Kulmbach sehr spärlich fotografisch dokumentiert wurde. Wer also noch Fotografien bei sich zu Hause findet, möge diese an die Freunde der Plassenburg oder direkt ans Stadtarchiv weiterleiten, wo sie digitalisiert und ihren Eigentümern wieder zurückgegeben werden."


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