Untersteinach
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Kreis Kulmbach: Eine Gemeinde hat schon heute Buß- und Bettag

Mitten im August feiert eine Gemeinde in Oberfranken seit mehr als 250 Jahren ihren eigenen "Buß- und Bettag": Untersteinach im Kreis Kulmbach.
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Untersteinach im Kreis Kulmbach feiert am 10. August Buß- und Bettag. Foto: epd
Untersteinach im Kreis Kulmbach feiert am 10. August Buß- und Bettag. Foto: epd
Alljährlich am 10. August zur Mittagsstunde rufen die Glocken der evangelischen St.-Oswald-Kirche in Untersteinach (Landkreis Kulmbach) zum "Brandgottesdienst" - zum Gedenken an die schlimmste Katastrophe der Ortsgeschichte. Die traditionelle Andacht hält aber nicht nur die Erinnerung an die verheerende Feuersbrunst wach: "Es ist ein guter Anlass, auch den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten zu danken", sagte Gemeindepfarrer Wolfgang Oertel am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Am 10. August 1706 war Untersteinach durch ein Großfeuer fast vollständig in Schutt und Asche gelegt worden. Kinder hatten in einer Scheune mit Schießpulver gespielt und das Heu in Brand gesteckt. Weil fast alle Dorfbewohner zur Ernte auf den Feldern waren, kam die Rettung für die meisten Gebäude zu spät - nur zwei Häuser blieben unversehrt. Vier Menschen kamen in den Flammen um.

Die Tradition der Untersteinacher "Brandgottesdienste" begann am 43. Jahrestag der Katastrophe, im August 1749. Anstelle der damals zum 10. Sonntag nach Trinitatis üblichen Lesung von der Zerstörung Jerusalems hielt der Dorfpfarrer erstmals eine Buß- und Dankpredigt. Fester Bestandteil zwischen Liedern und Gebeten ist bis heute die Lesung aus der Chronik, mit der dieses tragische Stück der Heimatgeschichte von Generation zu Generation weitergegeben wird. Nur ein einziges Mal, im Jahr 1932, fiel der "Brandgottesdienst" aus, weil der Pfarrer schwer erkrankt war - ausgerechnet an diesem Tag wurde im Dorf erneut ein Feuer gelegt, dem sechs Wohnungen und acht Scheunen zum Opfer fielen.
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