Bayreuth
Urteil

Krebskranke Frau baut Cannabis an: Bewährungsstrafe

Das Bayreuther Schöffengericht verhängt gegen eine 56-Jährige wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln eine Bewährungsstrafe.
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So sehen Cannabis-Pflanzen aus. Symbolbild: Archiv/dpa
So sehen Cannabis-Pflanzen aus. Symbolbild: Archiv/dpa
Die Diagnose lautet "Krebs", und das schon seit mehr als 35 Jahren. Seitdem musste eine 56 Jahre alte Frau aus der Fränkischen Schweiz insgesamt fünf schwere Operationen über sich ergehen lassen. Doch der Krebs kam immer wieder.

Sämtliche Therapien wurden versucht: von der klassischen Chemo über Natron-Behandlungen bis hin zu bestimmten Meditationsformen. Nichts hat geholfen. Nicht verwunderlich, dass jemand in dieser Situation jeden Rettungsanker ergreift. Auch dann, wenn er nicht legal ist.


Über 900 Gramm sichergestellt


Die 56-Jährige war nun wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmittel in nicht geringer Menge vor einem Bayreuther Schöffengericht angeklagt. Sie hatte zuhause eine Aufzuchtanlage für Cannabispflanzen eingerichtet, die Polizei stellte über 900 Gramm davon sicher.

Ihr ganzes Geld hatte sie in die Cannabis-Aufzucht gesteckt. Sie wollte daraus Öl gewinnen, um ihre Schmerzen zu lindern. Am Ende berücksichtigten die Richter die miserable Lage der Frau, urteilten auf einen minderschweren Fall und entschieden auf eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten ohne Auflagen.


Besondere Brisanz


Besondere Brisanz erhielt der Fall durch eine aktuelle Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Es hatte erst kürzlich erlaubt, dass Cannabis zu medizinischen Zwecken angebaut werden darf - wenn auch unter engen Grenzen. Richter Torsten Meyer ging bei seiner Urteilsbegründung sogar so weit zu sagen, dass der Cannabis-Anbau in einigen Jahren straffrei sein wird.

Aber eben erst in einigen Jahren. Bis dahin aber habe sich die Justiz in ihrer Rechtsprechung an geltendes Gesetz zu halten.


Im Internet bestellt


Die Frau hatte die Samen im Internet bestellt und sich die Kenntnisse zur Aufzucht auf Youtube beschafft. Dies alles räumte sie vor Gericht ein.

Aus rund 500 Gramm getrocknetem Pflanzenmaterial wollte sie bis zu 50 Gramm des wertvollen Öls gewinnen, dass sie anschließend einnehmen wollte. Eine andere Möglichkeit, um wenigstens die Schmerzen zu lindern, habe sie nicht gesehen, zumal sie auf herkömmliche Medikamente aller Art mittlerweile allergisch reagiere. Auf der anderen Seite linderten auch herkömmliche Kräuter den Schmerz nicht mehr. "Der Krebs ist mittlerweile sehr bösartig, da ist mit Brennnessel und Co. nichts mehr zu machen", sagte die Angeklagte.


Nur zum Eigenbedarf


Vor Gericht räumte die Frau ein, dass sie niemanden persönlich kenne, der durch die Cannabis-Therapie wieder gesund geworden ist. Im Internet habe sie allerdings von einem amerikanischen Heilpraktiker gelesen, der Krebspatienten dank Cannabis vom Sterbebett geholt habe.

Aufgegeben habe sie noch lange nicht, sie habe schließlich noch Pläne im Leben. Früher war sie als Vertreterin selbstständig, derzeit lebt sie von Hartz IV. Nachdem auch eine Beamtin der Kriminalpolizei bestätigte, dass die Angeklagte ausschließlich zum Eigenverbrauch angebaut hat, plädierte Staatsanwältin Ramona Eichelsdörfer auf eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln.

Verteidiger Joachim Voigt beantragte dagegen nur drei Monate. Es sei nachzuvollziehen, dass seine Mandantin den Glauben an die Schulmedizin verloren habe und jetzt jeden Strohhalm ergreife.

Das Schöffengericht entschied schließlich auf sechs Monate. Von den sonst üblichen Arbeits- oder Geldauflagen sahen die Richter ab.


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