Kulmbach
Gericht

Junge Frau grundlos geohrfeigt: Ex-Kulmbacher muss zahlen

Ganz ohne Grund hat ein 32-jähriger früherer Kulmbacher am Altstadtfestwochenende 2016 eine ihm unbekannte 28-jährige Frau geohrfeigt.
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Wegen einer Ohrfeige musste sich ein Mann vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Symbolfoto: Sarah Seewald
Wegen einer Ohrfeige musste sich ein Mann vor dem Kulmbacher Amtsgericht verantworten. Symbolfoto: Sarah Seewald
Die Frau erlitt durch den heftigen Schlag mit der Hand ins Gesicht erhebliche Verletzungen. Per Strafbefehl war der 32-Jährige deshalb zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro (600 Euro) verurteilt worden. Der Mann legte dagegen Einspruch ein - und so kam es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht.


Aus Hamburg angereist - umsonst


Dazu reiste der Angeklagte extra von seinem jetzigen Wohnort Hamburg nach Kulmbach an. Doch schon nach einer halben Stunde musste er einsehen, dass die Fahrt umsonst war. Gericht und Staatsanwaltschaft waren nicht bereit, das Verfahren einzustellen, so blieb ihm nichts anderes übrig, als den Einspruch zurückzunehmen und die 600 Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu akzeptieren.

Sie habe schon viele Ohrfeigen gesehen, aber noch keine mit einem derartigen Bluterguss und solchen Schwellungen, noch dazu gegen eine Frau, die dem Angeklagten überhaupt nichts getan habe, sagte Richterin Sieglinde Tettmann.


Zwei Promille Alkohol im Blut


Über seinen Verteidiger Ralph Pittroff hatte der Angeklagte zuvor die Tat in vollem Umfang eingeräumt, obwohl er sich selbst nicht mehr daran erinnern konnte. Grund für die Gedächtnislücken waren die gut zwei Promille Alkohol im Blut des Mannes. Sie waren auf einige Bierchen zurückzuführen, die der Angeklagte zwischen dem abendlichen Fußballspiel und der Tat, die sich gegen 4.55 Uhr in der Grabenstraße vor einer Bar ereignet hatte, konsumierte.

Er habe sich mittlerweile bei der Frau entschuldigt und ihr im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs 300 Euro an Schmerzensgeld überwiesen, sagte der Angeklagte. Er war damals an Ort und Stelle festgenommen worden und hatte die Nacht in der Arrestzelle verbringen müssen.


Auch Ehemann bezog Prügel


Die junge Frau wollte damals mit ihrem Ehemann eigentlich zum Taxistand an der Stadthalle laufen. Sie berichtete, dass ihr der Angeklagte zunächst den Hut vom Kopf gestoßen habe, ehe er ihr die heftige Ohrfeige verpasste. Ein anderweitig Verfolgter hatte ihrem Ehemann zwischenzeitlich ebenfalls völlig grundlos einen Schlag verpasst, so dass der Mann ebenfalls zu Boden gegangen war, kurzzeitig bewusstlos wurde und ein Notarzt herbeigerufen werden musste. Deshalb habe sie sich auch nicht um ihre eigene Verletzung gekümmert.

Erst beim Betrachten der polizeilichen Beweisfotos im Gerichtssaal wurde ihr klar, dass auch sie erheblich verletzt worden war. "Das war schon eine ordentliche Schellen", sagte Richterin Tettmann.


Einstellung kategorisch abgelehnt


Die Schwere der Verletzung sei auch der einzige Grund für den Strafbefehl gewesen, erläuterte die Vertreterin der Anklage. Eine Einstellung lehnte sie kategorisch ab, während Richterin Tettmann dem Angeklagten nahelegte, seine Berufung zurückzunehmen. Nach kurzer Beratung tat dies der 32-Jährige schließlich auch.
Das nächste Altstadtfest in Kulmbach werde er jedenfalls nicht besuchen, ließ der Mann noch verlautbaren.
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