Himmelkron
Inklusion

Ines Becke fährt ihr Auto selbst

Ein Stück Freiheit bedeutet der Führerschein für jeden Menschen. Ganz besonders trifft das aber auf eine kleinwüchsige junge Frau aus Himmelkron zu.
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Der Suzuki ist mit Joystick und High-Tech-Hilfen ausgestattet. Allein diese Konstruktionen kosteten weit über 20 000 Euro. Das Auto selbst dagegen erstand Ines Becke für nur rund 8000 Euro.
Der Suzuki ist mit Joystick und High-Tech-Hilfen ausgestattet. Allein diese Konstruktionen kosteten weit über 20 000 Euro. Das Auto selbst dagegen erstand Ines Becke für nur rund 8000 Euro.
Ines Becke ist klein. Doch die kleinwüchsige Frau hat großen Lebensmut. Die 26-jährige ist ausgebildete Bürokauffrau. Am Freitag, den 13. Januar, hat sich die junge Himmelkronerin selbst die größte Freude bereitet: Sie schaffte auf Anhieb die Führerscheinprüfung in ihrem behindertengerecht umgebauten Auto. Bis aber so weit war, musste sie so einige Kämpfe mit den Behörden ausfechten. Jetzt ist sie in der Lage, mit ihrem kleinen roten Flitzer ohne fremde Hilfe zur Arbeit nach Bayreuth zu fahren.
Ines Becke arbeitet dort für die Baur Fulfillment Solutions, ein Tochterunternehmen des Baur-Versands, im Schichtdienst in einem Call-Center. Bislang musste sie immer das Taxi für die tägliche Fahrt zur Arbeit und auch wieder nach Hause in Anspruch nehmen.

Ihre Ausbildung durchlief sie drei Jahre lang in einer Behindertenausbildungsstätte in Rummelsberg, die erste Arbeitsstelle bekam Ines Becke 2010 in Burgkunstadt beim Baur-Versand. Rückblickend stellt Becke fest: "Ich hatte nie Probleme in der Schule oder später in der Berufsausbildung und ich führe auch ein ganz normales Leben. Ich hatte dann im Juli 2010 viel Glück, als ich mit der Ausbildung fertig war und schon im Oktober im Call-Center angefangen konnte. Im Moment bin ich für eine medizinische Produktberatung zuständig. Die Arbeit ist megainteressant."

Ihren Wunsch, trotz ihrer Behinderung den Führerschein zu erwerben, hat die junge Himmelkronerin immer im Blick gehabt: "Ich hatte mir immer gesagt, ich gebe erst auf, wenn ich es zumindest versucht habe. Wenn man ,Nein, ich kann das nicht' sagt und gar nicht erst versucht, dann steht man halt blöd da. Ich hatte sehr viel Zuspruch von Freunden und von meiner Familie, die mir ,du packst es' sagten."
Der Weg war aber alles andere als einfach, denn es galt, jede Menge Anträge und Formulare auszufüllen bis hin zu umfangreichen Gutachten beim Tüv in Bayreuth. Ines Becke hatte nicht immer das Gefühl, dass man helfen wolle, die Anforderungen zu bewältigen, aber ihre Mutter war ihr eine wertvolle Hilfe.



Teure Ausstattung

Es galt aber auch noch ein Auto eigens für die Bedürfnisse Ines Beckes zu konstruieren: "Ich dachte zunächst, dass ich mit einem Lenkrad fahren kann und wollte das auch für mich, aber es funktionierte nicht. Ich hatte auch eine Fahrprobe mit einem Lenkrad an meinem Auto, aber ich benötigte für eine Komplett-umdrehung 16 Handgriffe. Normalerweise braucht man dafür etwa drei Handgriffe und deshalb wurde mir ein Joystick vorgeschlagen."

Das Problem war dann, dass in der Region keine Fahrschule mit Joystick Fahrunterricht gibt. "Nachdem ich mein Auto in der Nähe von Stuttgart umbauen ließ, bin ich dann auf einen Fahrlehrer in der dortigen Region gestoßen." Der hatte zwar auch noch keinen Fahrunterricht mit Joystick gegeben, aber er wollte es probieren. "Das fand ich super. Die Freude war sehr groß, dass ich endlich Fahrunterricht nehmen konnte."
Für den Unterricht im Schwabenland musste Ines Becke wiederholt Urlaub nehmen und sie ist ihrem Arbeitgeber sehr dankbar, dass er den Urlaub gewährte: "Sie waren echt sehr kulant!"



In guten Händen

Ja, und dann machte sich Ines Becke auf zum Führerschein. Ihren Fahrlehrer, der auf die Ausbildung von Menschen mit Behinderungen spezialisiert ist, hatte sie gleich ins Herz geschlossen: "Ich habe mich da in der Fahrschule echt gut aufgehoben gefühlt. Das war für mich ganz wichtig. Uwe hat mit mir meine Fahrfehler sehr einfühlsam besprochen. Er hat nie gesagt, das ist falsch, sondern hat gesagt, da ist noch ein Manko, aber das können wir verbessern."

Die theoretische Prüfung legte Ines Becke mit null Fehlern ab: "Ich war da voll der Streber!" Bis zur praktischen Fahrprüfung vergingen aber noch einige Monate und das nervte. Heute sieht es Ines Becke gelassener: "Ich habe mich anfangs schon aufgeregt, aber je länger es dauerte, desto dicker wurde mein Fell. Ich hätte ja rein theoretisch gleich die Praxis machen können, aber ich musste wieder was von den Ämtern genehmigen lassen. Am 13. Januar habe ich die praktische Fahrprüfung gemacht und auch gleich bestanden."
Für die praktische Prüfung war Ines Becke eine Woche lang jeden Tag mit ihrem Fahrlehrer unterwegs und als dann endlich die Mitteilung kam, dass sie zur Fahrprüfung zugelassen wird, war die Freude groß, auch beim Termin "Freitag, der 13."


Eigenversuch

"Ich hatte die Nacht zuvor gar nicht geschlafen, weil ich so aufgeregt war. Der Prüfer war aber überaus nett zu mir und das allein hat mir Kraft gegeben."

Der Prüfer setzte sich an die Stelle von Ines Becke, weil er von dem Joystick so begeistert war und an seiner Seite saß dann Ines Becke als "Prüfer" und nach einer kleinen Runde stellte die frischgebackene Führerscheininhaberin selbstbewusst in Richtung Prüfer fest: "Bestanden!"
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