Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Opas Bilderkiste

In Kulmbach stand ein "Hexenhäuschen"

Das Fachwerkhaus und den großen Obstgarten an der Melkendorfer Straße kannte früher jeder Autofahrer.
So sahen das Fachwerkhäuschen der Familie Papst und der Obstgarten im Winter aus. Am Goldenen Feld - im heutigen Gewerbegebiet - war noch viel Platz; im Hintergrund die Weinberge und Burghaig. Foto: privat
 
von STEPHAN TIROCH
Wer früher auf der Melkendorfer Straße von Kulmbach nach Melkendorf (oder umgekehrt) gefahren ist, kann sich an dieses Anwesen erinnern: an das kleine Fachwerkhaus inmitten einer Vielzahl von Obstbäumen - im Frühling ein einziges Blütenmeer. So wie auf unserem Schneebild stellten sich alle Kinder damals ein "Hexenhäuschen" vor.

Ab 1955 wohnte hier - etwas außerhalb der Stadt an der Melkendorfer Straße gelegen und mit dem wachsenden Industriegebiet am Goldenen Feld im Rücken - eine Familie, die 1946 aus Nispitz im Kreis Znaim (Südmähren/Tschechien) vertrieben worden war. Wie sie fanden viele Südmährer im Raum Kulmbach ein neues Zuhause.


Berühmte Znaimer Gurken

Die Region um Znaim war weltbekannt durch ihre Gurken, die seit der Vertreibung der Deutschen aber als ausgestorben gelten. Klimatisch begünstigt, eignet sich Südmähren auch für den Weinbau. Und während in Kulmbach vor den Eisheiligen niemand die Tomaten rauspflanzt, gibt es dort schon zu Pfingsten erntereife Paradeiser im Freiland.

Bereits in ihrer Heimat hatten Gregor und Petronella ("Nelli") Papst eine Landwirtschaft. Nun bauten sie auf dem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Melkendorfer Straße mit den Kindern Erna, Theresie und Manfred eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft auf. Es war kein einfaches Leben. Tagsüber ging der Vater seiner Tätigkeit im Straßenbau nach. Morgens, abends und am Wochenende wurde im Obstgarten gearbeitet.

Die ganze Familie, anfangs auch noch die Großeltern, packte mit an. Schon früh um fünf Uhr holte Gregor Papst - ein sehr fleißiger Mann - Treber in einer Kulmbacher Brauerei oder Malzstaub bei der Firma Ireks, um die Kuh und die vier Schweine zu füttern. Außerdem versorgte er eine große Zahl von Bienenvölkern.


Verkauf auf dem Wochenmarkt

Die Ernte aus dem Obstgarten wurde auf dem Kulmbacher Wochenmarkt verkauft. Angebaut wurden Erdbeeren, und man hatte den Ertrag von etwa 200 Bäumen - Kirschen, Sauerkirschen, Äpfel und Zwetschgen.

1980 verkaufte man das Grundstück. Einige Jahre später ließ der neue Eigentümer das Haus abbrechen. Das aufstrebende Kulmbacher Klimagerätewerk (KKW/heute Glen Dimplex) brauchte Platz für eine Betriebserweiterung.

Gregor Papst kümmerte sich außerdem viele Jahre als Nispitzer Ortsbetreuer um seine Landsleute aus Südmähren. Der Zusammenhalt der Menschen aus den Dörfern um Znaim ist auch heute - 70 Jahre nach der Vertreibung - immer noch groß. Regelmäßig treffen sich die Südmährer in Schirradorf.

zum Thema "Opas Bilderkiste"

Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.