Die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit lässt ihn nicht nur den akademischen Titel zurückgeben, sondern auch das Bundestagsmandat. Und das hat die Folge, dass der "wunderbare Wahlkreis" (Zitat zu Guttenberg am Wahlabend) plötzlich noch einmal deutschlandweit einzigartig ist: Er hat keinen direkt gewählten Bundestagsabgeordneten mehr. Grund: Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar 1998 ein Urteil gesprochen, wonach ein ausgeschiedener direktgewählter Abgeordneter solange nicht durch Nachrücken ersetzt wird, wie aus seinem Bundesland Überhangmandate für die betreffende Partei bestehen.
Für den Münchner Publizisten Manfred C. Hettlage ist das ein Unding. Der ehemalige Wirtschaftsredakteur des CSU-Verlautbarungsorgans "Bayernkurier": "Kulmbach ist doch kein Überhangwahlkreis", sagt er und plädiert für Neuwahlen. Niemand sei befugt, den Kulmbachern das urdemokratische Grundrecht aus der Hand zu schlagen, wonach sie mit der Erststimme ihren Wahlkreis-Abgeordneten wählen dürften.
Professor Heinrich Pehle vom Institut für Politische Wissenschaft der Uni Erlangen bewertet das Urteil des Bundesverfassungsgerichts als durchaus konsequent, habe es sich doch bis zum damaligen Zeitpunkt stets um interne Überhangmandate gehandelt: "Ein Nachrücker von der eigenen Landesliste hätte damit keine Legitimation, in den Bundestag einzuziehen." Die Crux liegt für Pehle eher darin, dass es die Richter nicht schon ein Jahr früher gewagt hatten, Überhangmandate als verfassungswidrig einzustufen: "Dafür gibt es gute Argumente."
Die Forderung, einen direkt gewählten Kandidaten per Nachwahl im Wahlkreis zu ersetzen, erachtet Pehle für plausibel: "Daran wäre der Gesetzgeber von Verfassungs wegen sicher nicht gehindert." Die Chancen für eine Klage hingegen gehen ihm zufolge gegen Null.
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