Kulmbach
Glosse

Geschwafel reloaded

Manchmal würde ich mir etwas weniger Höflichkeit in WhatsApp-Gruppen-Chats wünschen. Das würde auf jeden Fall viel Zeit sparen.
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Symbolbild: Ingo Wagner/dpa
Symbolbild: Ingo Wagner/dpa
Wer schon mal in den Genuss einer öffentlichen Veranstaltung wie Preisverleihung, Einweihung oder Eröffnung (von was auch immer) kommen durfte, der weiß, dass dort bei den Rednern oft das Motto gilt: Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem.

Heutzutage muss man sich dafür aber nicht mal mehr eine leidige Echt-Zeit-Veranstaltung geben. Diese Unsitte gibt es inzwischen nämlich auch virtuell. Man muss lediglich Besitzer eines Smartphones und Mitglied einer WhatsApp-Gruppe sein - schon kann es losgehen.

Und so funktioniert das Geschwafel 3.0: Eine/r stellt eine Frage und 37 Gruppenmitglieder geben die gleiche (!) Antwort im Sekundentakt. Der oder die Fragende bedankt sich höflich und wiederum ploppt prompt 37 Mal hintereinander ein Bitte! oder Gerne! oder Smiley-Gesicht/Daumen-hoch auf.

Das wären dann insgesamt 76 Nachrichten für genau eine Frage und eine Antwort. Die man sich natürlich alle angeschaut hat, denn es hätte ja schließlich was Wichtiges sein können (Kind ist krank und muss von der Schule abgeholt werden).

Ich bin normalerweise eine Verfechterin der traditionellen Umgangsformen, aber in diesem Fall wäre mir etwas weniger Höflichkeit wirklich lieber.
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