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Gebietsreform: Aktenumzug dauerte 20 Jahre

Die Unterlagen des Landratsamts Stadtsteinach musste Ewald Lerner aus der Baustelle retten. Alles zu ordnen, dauerte fast zwanzig Jahre.
Nur noch in Ausnahmefällen hat Ewald Lerner mit alten Schriftstücken aus dem Landratsamt Stadtsteinach zu tun. Foto: Stephan Tiroch
 

Vor 40 Jahren hat die Gebietsreform in Bayern die Landkreislandschaft durcheinandergewirbelt. Damals sind komplette Landkreise wie Neustadt bei Coburg (Autokennzeichen: NEC), Ebermannstadt (EBS) oder Stadtsteinach (SAN) von der Bildfläche verschwunden. Stadtsteinach ist fast komplett zu Kulmbach gekommen.

Als junger Beamter, erst ein Jahr in Diensten des Landkreises Kulmbach, bekommt es Ewald Lerner 1972 mit den Überbleibseln des Landratsamts Stadtsteinach zu tun. Der Aktenumzug hat etwas Abenteuerliches an sich. Lerner erinnert sich, dass die Stadtsteinacher Zentralregistratur unterm Dachboden ("wo die höchste Brandgefahr besteht") gewesen ist. Dazu Staub und Unordnung - und vor allem: "Die Zeit drängte, denn es hatten bereits die Renovierungsarbeiten angefangen."

"Eine Wahnsinnsarbeit"


Das Hauptproblem: Wie kommen die Mengen von Akten nach unten? Es hätte viel zu lange gedauert, all die schweren Bündel Papier durchs Treppenhaus runterzutragen. Da kommt der Zufall zu Hilfe: Im Zuge der Bauarbeiten öffnen die Handwerker eine Decke - und die Retter können die Stadtsteinacher Akten durch das Loch abseilen. "Es war eine Wahnsinnsarbeit damals, vor allem eine dreckige. Alles war total eingestaubt, und wir waren schwarz wie die Schlotfeger", berichtet Lerner.

Aber im neuen Landratsamt in Kulmbach, das Ende der sechziger Jahre bezogen worden ist, reicht der Platz nicht aus: "Die Registratur platzte aus allen Nähten." Die Lösung heißt: auslagern. Man findet in der Fleischtechnikerschule einen Kellerraum, wo 400 laufende Meter Regale aufgestellt werden können. Erst 1984 kommen die Mitarbeiter des Staats archivs Bamberg nach Kulmbach und sind "hellauf begeistert". Lerner muss zusammen mit einem Helfer Listen erstellen, und die Archivare geben an, was nach Bamberg kommt und was vernichtet wird. 1991 erfolgt die Übergabe der Stadtsteinacher Schriftstücke ("geschnürt als Päckla") an das Staatsarchiv Bamberg.

Jetzt sind alle Akten weg


Die Gebietsreform hat Lerner - neben seinen anderen Aufgaben - fast 20 Jahre beschäftigt. Heute sind im Landratsamt Kulmbach keine alten Akten aus Stadtsteinach mehr vorhanden. Es sei denn, es wird etwas Bestimmtes gebraucht, zum Beispiel ein alter Bauakt bei Denkmalschutz fragen: "Dann leihen wir's in Bamberg aus."

Kommentare

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  • community  Skeptiker Diesen Post kommentierenkommentieren

    Neustadt b. Coburgwar nie ein eigener Landkreis, es handelte sich um eine sogenannte Kreisfreie Stadt.

    (1)

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