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Wirtshaussterben

Ex-Sternekoch aus Wartenfels platzt der Kragen

Gastwirte lassen in Oberzettlitz Dampf ab. Die Branche fühlt sich verraten und verkauft und serviert der Politik konkrete Forderungen. Dazu ein Kommentar.
Auch einem früheren Sternekoch wie Alexander Schütz, der seit einigen Jahren im elterlichen "Berghof" in Wartenfels ein Restaurant betreibt, kann einmal der Kragen platzen. Foto: Archiv
 
von STEPHAN TIROCH
Die Gastronomie fühlt sich verraten und verkauft. Nicht nur, dass sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Konsumgewohnheiten und Freizeitmöglichkeiten geändert haben. Die Branche kämpft auch gegen Regulierungswut und Bürokratie, gegen politische Entscheidungen, die ihr das Leben schwermachen.


"Keine Lobby"

Wie sich das Gastgewerbe fühlt, war beim jährlichen Treffen auf Einladung der Industrie- und Handelskammer Bayreuth deutlich vernehmbar. Die Gastwirte, die zusammen mit ihrem Verband, IHK und Bierbrauern eine Allianz gegen das Wirtshaussterben bilden, ließen im Gasthaus Räther in Oberzettlitz Dampf ab. Ansprechpartner: die Politik. "Es passiert nichts. Die Leute haben die Schnauze voll, denn die Gastronomie hat keine Lobby", meint Otto Krug.

Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU/Lichtenfels) sowie die Landtagsabgeordneten Martin Schöffel (CSU/Wunsiedel) und MdL Klaus Adelt (SPD/Selbitz), die sich der Diskussion stellten, konnten ganz konkrete Forderungen mitnehmen. Arbeitszeitdokumentation, Mindestlohn, Allergenkennzeichnung in Lebensmitteln, reduzierter Mehrwertsteuersatz oder Vereinsgastronomie - es gibt viel zu tun.


Im "Weißen Roß" geht nichts mehr

An Auflagen und Vorschriften, "die baulich nicht umzusetzen waren", ist Vera Lauterbach aus Kulmbach gescheitert. Das "Weiße Roß" am Marktplatz, das seit zehn Jahren leersteht, "wird definitiv kein Gasthaus mehr", sagt sie, "und es gibt mehr solche Lokale in Kulmbach."

Günther Elfert, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands in Oberfranken, kritisiert, dass die Branche unter Generalverdacht gestellt wird. "Kontrollen von Zoll und Finanzamt, Buchführungen werden verworfen, Schätzungen gemacht - da werden Familienbetriebe vernichtet", so Elfert.

Da platzt auch einem früheren Sternekoch schon mal der Kragen. Alexander Schütz, der seit einigen Jahren im elterlichen "Berghof" in Wartenfels ein Restaurant betreibt, zehrt nach seinen Worten davon, "dass ich aus der Spitzengastronomie komme". Er glaubt: "Als normaler Landgasthof könnte ich zumachen." Was nicht nur ihn besonders stört: ständig neue Vorschriften durch die Politik. Der größte Flop sei die Allergenkennzeichnung.


Feuerwehr hat's leichter

Wie Schütz benennt auch Veit Pöhlmann, Limmersdorf, ein großes Wettbewerbsproblem: die Vorteile der Paragastronomie. "Die Vereine müssen ihren Leuten keinen Mindestlohn bezahlen, dabei ist es auch ein ganz normales Geschäft", sagt er. Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm mahnt Waffengleichheit an: "Für Gastronomen gelten schärfere Regeln als für die Feuerwehr in ihrem Schulungsraum."

Manfred A. Schuberth, Gumpersdorf, prangert die Buchführungspflichten an: "Da gehst du vor die Hunde." Dabei, so Alexander Schütz, würden Gastwirte ständig von ihren Kunden kontrolliert. "Ich koche jeden Abend mit offener Küche - es gibt nichts Transparenteres", sagt er und schiebt "den größten Witz" hinterher: Der Parkplatz, wo der Gast sein Auto abstellt, sei mit 19 Prozent zu versteuern.

"Auf so einen Schmarrn würden wir nicht kommen", versichert Emmi Zeulner. Klaus Adelt zeigt grundsätzlich Verständnis: "Das Thema taugt nicht für parteipolitische Spielereien, das betrifft uns alle." Und Martin Schöffel hat die Tragweite des Problems erkannt: "Wenn jeder nur noch daheimsitzt und in sein iPhone oder iPad reintippt, dann verarmt unsere Gesellschaft."


Kommentar: Déjà-vu in Oberzettlitz

Oberzettlitz ist nicht Wartenfels. Trotzdem stellte sich im Gasthaus Räther ein Déjà-vu ein. Dieses Gefühl, eine Situation schon mal erlebt, aber nicht geträumt zu haben.

Es war vor einem Jahr im Wartenfelser "Berghof", als dieselben Akteure dasselbe düstere Bild ihrer Branche zeichneten. Stichwort: Wirtshaussterben. Damals war man sich einig: Die Politik muss ran, die Gastronomie braucht Unterstützung. Aber hat die Politik überhaupt zugehört?

Getan hat sich jedenfalls nichts. Es darf den Volksvertretern jedoch nicht wurscht sein, wenn auf den Dörfern und in den Städten die Wirtshäuser zumachen, wenn die Menschen ihren Treffpunkt verlieren, wenn das soziale Leben verödet. Außerdem geht es um eine Branche mit mehr als 600.000 Arbeitsplätzen.

Die Politik muss liefern.

zum Thema "Wirtshaus-Serie Kulmbach"

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