Projekt

Eine schöne Schweinerei!

Sie dürfen sich im Matsch suhlen, Äpfel, Getreide und Grünfutter fressen: Auf dem Dörnhof führen die Weideschweine ein glückliches Leben im Freien.
Ben Berthold und Johanna Jeltsch leben auf dem Dörnhof mit vielen Tieren. Ihre Schweine sind das ganze Jahr draußen auf der Weide und genießen ihr Schlammbad an heißen Sommertagen ganz besonders. Foto: Matthias Hoch
 
von DAGMAR BESAND
Alle Schweine sind rosa und stehen im Stall? Falsch! Auf den weitläufigen Weiden oberhalb des Dörnhofs bei Kauernburg tollen haarige bunte Ferkel herum, Kreuzungen aus Mangalica-Wollschweinen und Rotbunten Husumern. Die etwas größeren Tiere, die Zuchtsauen und der Eber, genießen derweil das kühle Schlammbad in der Matschgrube. So sieht es aus - das Paradies für Schweine.

Ben Berthold und Johanna Jeltsch haben seit zweieinhalb Jahren den Dörnhof gepachtet und verwirklichen dort ihre Vorstellung von einer weitgehenden Selbstversorgung mit gesunden Lebensmitteln. Dazu gehören neben Gemüse, Obst und Kräutern aus eigenem Anbau auch Fleisch und Eier aus eigener Produktion. "Anfangs haben wir uns erst einmal ein paar Schweine für den eigenen Bedarf angeschafft", erzählt der selbstständige Physiotherapeut und Yogalehrer, der auf dem Hof auch einen Raum für seine Kurse eingerichtet hat. "Wir wollen kein Fleisch aus Massenproduktion essen, sondern nur von Tieren, die vernünftig gehalten werden. Sie sollen ein gutes Leben haben, sagt der 29-Jährige."

Mittlerweile züchten er und Johanna Jeltsch, die im Hauptberuf Sozialarbeiterin in Fassoldshof ist, nicht mehr nur für den Eigenbedarf, sondern verkaufen auch Ferkel für die Freilandhaltung an Privatleute und bieten ein Schweine-Leasing an.


Der Überschuss wird verkauft


Ein Schwein leasen? Wie funktioniert das denn? "Man kann bei uns ein acht Wochen altes Ferkel kaufen und bezahlt monatlich eine Pauschale für Futter und Pflege. Der Besitzer kann sein Tier jederzeit besuchen und auch den Schlachtzeitpunkt und die Art der Verarbeitung bestimmen." Auch ein halbes Schwein kann man leasen.
57 Weideschweine leben derzeit auf dem Gelände - vier Zuchtsauen, ein Eber und ihr Nachwuchs.

"Viel mehr sollen es auch nicht werden, denn sonst könnten wir sie nicht mehr unter optimalen Bedingungen halten", sagt Ben Berthold. Elf Tiere sind "geleast". Von den anderen werden alle zwei Monate zwei Tiere geschlachtet. Diese Woche ist es wieder soweit. Was die Erzeuger nicht selbst brauchen, verkaufen sie ebenfalls - vorbestellt als Frischfleisch oder verarbeitet, zum Beispiel zu Schinken, Speck oder Salami.

Die Produkte oder das eigene Schwein sind natürlich teurer als Fleisch aus dem Supermarkt, aber es steckt auch viel Aufwand dahinter. Die Würfe sind mit zwei mal sechs Ferkeln pro Jahr deutlich kleiner als bei auf Masse und Leistung gezüchteten Hybridschweinen, und durch die viele Bewegung dauert es viel länger, bis ein Schwein sein Schlachtgewicht erreicht hat. In der Regel sind die Schweine dann mindestens ein Jahr alt.


Klasse statt Masse


"Wir sprechen mit unserem Angebot diejenigen an, die Fleisch als etwas Besonderes schätzen, das man selten genießt und in bester Qualität haben möchte. Deshalb wird auch alles vom Tier verwendet, nicht nur die besten Stücke", so die Züchter. Da das Fleisch reinrassiger Wollschweine vielen Menschen zu fett ist, werden sie auf dem Dörnhof mit den Husumern gekreuzt. Deren Fleisch ist ebenso hochwertig, aber magerer.

"Schweinchen!" ruft Johanna Jeltsch, und schon kommen sie angerannt, klein und groß. Sie sind zutraulich, lassen sich gerne streicheln und kraulen. Die 28-Jährige hat eine große Kiste voller Äpfel dabei - Fallobst von den Bäumen auf dem Hof. Eine begehrte Leckerei.

In der Regel füttern sich die Schweine jedoch selbst: Auf der Weidefläche sind mehrere Parzellen abgetrennt, die immer wieder frisch angesät werden - mit Erbsen, Weizen, Hafer, Gerste und Mais. Sobald die Pflanzen groß genug sind, dürfen die Schweine die jeweilige Fläche roden. Außerdem gibt es auf dem Gelände Eicheln und Nüsse zu finden, die ihnen ebenfalls gut schmecken. Und natürlich landen auch alle Gemüseabfälle bei den Schweinchen.


Noch gibt's keinen Gewinn


Reich werden die beiden mit ihrem Schweine-Paradies nicht. Aber das ist auch nicht ihr Ziel. "Momentan finanzieren wir die Landwirtschaft noch mit unseren anderen Jobs. Aber wir hoffen, dass sie sich irgendwann durch die Erlöse selbst trägt."

Neben den Schweinen leben noch zwei lappländische Rentierhütehunde auf dem Anwesen, die auf die Schweine und rund 30 Bielefelder Kennhühner samt Hahn aufpassen, außerdem zwei Großesel, ein Pony und eine kleine Herde Heidschnucken. Die Hühner liefern Eier und Fleisch, und auch die Heidschnucken werden des Fleisches wegen gehalten.

Im großen Gemüsegarten fährt das Paar eine reiche Ernte ein. Auch hier wird alles verwertet. Was die Hobby-Landwirte nicht sofort verbrauchen können, wird verkauft, konserviert oder verfüttert. Wichtig ist den beiden: "Wir werfen nichts weg. Alles wird verwertet."

zum Thema "Die Traumgarten AG"

Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.