Heubsch
Geschichte

Ein Urgestein der Kulmbacher Heimatforschung

Der frühere Kasendorfer, Alladorfer und Lochauer Lehrer Dieter Schmudlach legt sein Amt als Kreisheimatpfleger nieder.
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Dieter Schmudlach vor der Grabkammer im Landschaftsmuseum der Plassenburg, die aus der frühen Eisenzeit stammt. Foto: Sonny Adam
Dieter Schmudlach vor der Grabkammer im Landschaftsmuseum der Plassenburg, die aus der frühen Eisenzeit stammt. Foto: Sonny Adam
Der frühere Kasendorfer, Alladorfer und Lochauer Lehrer Dieter Schmudlach ist 80 Jahre alt. "Es ist jetzt Zeit, dass ich in die zweite Reihe trete", sagt er selbst bei einem Rundgang durch das Landschaftsmuseum Obermain. Jedes Stück, das auf der Plassenburg zu sehen ist, kennt Schmudlach. Und zu fast jedem Stück, das in der Abteilung für alte Geschichte ausgestellt ist, kennt er wissenswerte Details. Zeit seines Lebens hat sich Schmudlach für Geschichte interessiert und an vielen Ausgrabungen teilgenommen. "Schon mit zehn Jahren hatte ich einen Traum: Ich wollte die Sachen, die andere verloren haben, wiederfinden", erzählt Schmudlach. Die Idee kam ihm, weil er ein Geschenk seiner verstorbenen Mutter verloren hatte. "Und ich habe viele Dinge gefunden, die andere verloren hatten", erzählt der Heubscher.


Fibeln und Gewandnadeln

Ganz besonders stolz ist er auf einige Fibeln oder Gewandnadeln, die er selbst entdeckt hat. Es handelt sich um geschwungene Gebilde - Vorläufer von Sicherheitsnadeln. Schmudlach hat die Originale sogar nachbilden lassen: aus Bronze. Am Turmberg hat Schmudlach ebenfalls solche Fibeln gefunden: geschwungene Exemplare.
Dieter Schmudlach war ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz und seit 1973 Kreisheimatpfleger. Damit hatte er das Amt 44 Jahre inne. Er hat es immer mit Leidenschaft ausgefüllt. "Ich habe diese Tätigkeit immer gerne gemacht", sagt Schmudlach.

Eigentlich ist er über das Interesse zur Geologie in den Bereich Heimatforschung gekommen. Schmudlach war in Baden-Württemberg in der Schule, hat im Muschelkalk Funde gemacht. Dann kam er nach Kasendorf. "Hier im Jura lebt man wie die Made im Speck", sagt er selbst. Mit geschultem Auge hat er immer wieder Entdeckungen gemacht: von Knochen, von Werkzeugen, von Gräbern. "Ein sehr beeindruckender Fund war ein frühmittelalterlicher Friedhof in Weismain. Man hat ihn damals bei Bauarbeiten entdeckt", erzählt Schmudlach. Doch der versierte Historiker hat viele Geschichten parat. Er erinnert sich noch an Skelettfunde bei Bauarbeiten in Grafendobrach, er kann von Funden aus der Altsteinzeit erzählen, aus der Bronzezeit und der Eisenzeit. "Mir haben oft Schüler was gesagt. Einer hat mir mal Ringla gebracht", erzählt Schmudlach. Die "Ringla" entpuppten als Grabbeigaben von gut situierten Frauen, die Jahrhunderte im Untergrund schlummerten", weiß Schmudlach noch jedes Detail. "Die Anzahl und Qualität der Grabbeigaben sowie die Größe der Gräber gibt uns einen Einblick in die soziale Struktur vorgeschichtlicher Gesellschaften. Die Bestattungsart, spezielle für den Totenkult gefertigte Gerätschaften, etwa Idole oder Amulette sowie im Boden vergrabene Weihedeponierungen beleuchten die religiöse Vorstellungswelt", sagt der Experte.


Grabhügelfeld

Schmudlach erzählt von einem urnenfeldzeitlichen Grabhügelfeld in Kasendorf, von dem Skelett einer 30-jährigen Frau, das bei Kümmersreuth in Lichtenfels gefunden wurde. Er weiß alles über das Hügelgräberfeld bei Berndorf, das zufällig bei landwirtschaftlichen Arbeiten entdeckt worden ist.
Egal, was Schmudlach auch entdeckt hat, er halt die Fundobjekte immer der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. "Mit 80 ist es jetzt an der Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen", sagt Dieter Schmudlach offen und ehrlich. Doch die Geschichtsbegeisterung bleibt ihm.

Und ähnlich ist dies auch bei dem ehemaligen Kulmbacher Kulturreferenten Ruprecht Konrad-Röder. Denn auch nach seiner Pensionierung vor nun schon über 14 Jahren hat Konrad-Röder immer wieder durch seine Vorträge und Veröffentlichungen rund um die oberfränkische Geschichte einen Namen gemacht. Vor allem das Mittelalter hat Konrad-Röder interessiert. Auch Ruprecht Konrad-Röder zieht sich jetzt aus seinem Amt als Kreisheimatpfleger zurück.
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