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Gericht

Doch noch kein Urteil im Untersteinacher Messerstecher-Prozess

Weil sich ein Zeuge doch noch an Details aus der Tatnacht erinnern konnte, geht der Prozess gegen eine Untersteinacherin wegen versuchten Mordes weiter.
Eigentlich sollten gestern im Prozess gegen eine 22-Jährige aus Untersteinach das Urteil gesprochen werden. Es kam aber alles ganz anders.  Foto: Werner Reißaus
 
von WERNER REIßAUS
Verteidiger Carsten Schieseck war fest davon überzeugt, dass der Prozess wegen versuchten Mordes gegen seine Mandantin gestern am dritten Verhandlungstag zum Abschluss kommen würde. Doch dann kam alles ganz anders. Es ging schon damit los, dass die Angeklagte, eine 22-jährige Frau aus Untersteinach, erst mit einer viertelstündigen Verspätung vorgeführt werden konnte.

Immerhin brachte ein 28 Jahre alter Zeuge so viel Licht in das Dunkel, dass der zeitliche Ablauf jenes Samstagabends bis zur vermeintlichen Tat um Mitternacht zumindest einigermaßen eingegrenzt werden konnte.


Zehnmal zugestochen


Der jungen Frau wird vorgeworfen, am frühen Morgen des 8. Januar in ihrer Wohnung in Untersteinach auf einen schlafenden gleichaltrigen Bekannten mit einem größeren Küchenmesser zehnmal eingestochen zu haben. Der Mann erlitt zahlreiche Stichverletzungen in der Brust, im Bauch sowie an den Armen und Beinen. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bayreuth war deshalb von einem "unbedingten Vernichtungswillen" die Rede, die Anklage lautete auf versuchten Mord. Ein Sachverständiger bezeichnete die Verletzungen als gefährlich, aber nicht lebensbedrohlich (wir berichteten).

In der gestrigen Verhandlung wurden zwei weitere Zeugen gehört: ein 21 Jahre alter Mann aus dem nördlichen Landkreis, der mit der Schwester der Angeklagten befreundet war, und eben der 29-Jährige.


"Ich kann mich an nichts mehr erinnern"


Aus dem 21-Jährigen konnte das Gericht unter Vorsitz von Michael Eckstein trotz größter Bemühungen keine brauchbaren Aussagen herausholen. Nahezu jede Frage des Gerichts, des Staatsanwaltes oder des Verteidigers endete mit "Ich kann mich an nichts mehr erinnern" oder "Weiß ich nicht mehr".

Der junge Mann konnte nur noch Angaben darüber machen, dass er am Samstag gegen Mittag mit weiteren Personen aus dem Anwesen in Untersteinach Sperrmüll auf die Straße getragen und dabei zwei, oder gar drei Bier getrunken habe. "Ich war nicht gut drauf, weil ich mich mit meiner Freundin gestritten hatte. Ich trinke sonst überhaupt kein Bier", sagte er.


Ein Klopfen gehört

Irgendwann habe er unten an der Haustür ein Klopfen gehört, doch eine konkrete Zeit, wann er der Angeklagten die Tür geöffnet habe, konnte er nicht nennen. Er wusste aber noch, dass die Angeklagte nicht erfreut war, dass er die Tür nicht gleich öffnet hatte. Ob es dabei schon zu einer kleinen körperlichen Auseinandersetzung gekommen sei, wollte das Gericht wissen. Daran konnte sich der Zeuge nicht erinnern.

Irgendwann in der Nacht habe er plötzlich Schreie gehörte. Als er vor dem Haus eine Zigarette rauchen wollte, sah er Polizei und Krankenwagen: "Ich habe nur Schreie gehört und nicht gesehen, dass jemand verletzt war. Es ging alles ziemlich schnell. Ich habe nicht mit bekommen, dass jemand zugestochen."

Rechtsanwalt Carsten Schieseck warf ein: "Der lügt uns an bis zum Gehtnichtmehr!" Der Zeuge wurde dennoch unvereidigt entlassen.


Ein "heulendes Elend"


Wesentlich mehr zur Aufklärung des Tatzeitpunkts konnte der 28-jährige Zeuge beitragen. Er sei von einem Dart-Ligaspiel nach Hause gekommen, seiner Meinung nach müsse dies zwischen 21 und 21.30 Uhr gewesen sein. Da habe er die Angeklagte am Straßenrand sitzen sehen. Sie sei "auf Gott und die Welt" sauer gewesen und habe sich als "heulendes Elend" präsentiert. Die Frau habe auch von der "großen Liebe" gesprochen.


Einen Kaffee gekocht


Er habe die Angeklagte mit zu sich nach Hause genommen, um sie etwas zu beruhigen und ihr einen Kaffee zu kochen. "Sie konnte kaum noch richtig stehen und ist in meiner Wohnung auch hingefallen", erinnerte sich der 28-Jährige. Nach einer Stunde habe er sie dann in ihre Wohnung gebracht. Weiteren Alkohol habe sie bei hm nicht getrunken. Auf dem Weg habe er sie stützen müssen. Im ersten Stock des Anwesens habe er dann einen heftigen Zoff miterleben müssen. "Es wurde nicht nur rumgeschrien, sondern es kam auch zu Handgreiflichkeiten bis zu Fußtritten und Faustschlägen." Die Angeklagte habe einen Tisch mit der bloßen Hand einfach aus lauter Wut "abgeräumt". Der Zeuge: "Sie hatte eine undeutliche Aussprache, ich habe nicht gewusst, was sie will."

Nach dieser Zeugenaussage war dem Gericht klar, dass die Frau zu einem ganz anderen Zeitpunkt mit dem Alkoholtrinken aufgehört haben muss als bisher angenommen: Richter Michael Eckstein: "Ein Freispruch kommt nicht raus, aber rechtlich etwas ganz anderes."

Der Zeuge muss zu einem weiteren Verhandlungstag am Dienstag, 27. Juni, noch einmal kommen. Mit geladen werden dann seine Beifahrerin, der Dartfreund, der ihn nachts anrief , und der Sachverständige Thomas Wenske aus Erlangen.


"Manchmal ist es so, wie es ist"


Richterin Susanne Vonbrunn fragte noch, warum sich der Zeuge nicht gleich bei der Polizei gemeldet habe, als er vom früheren Freund der Schwester telefonisch noch in der Nacht erfahren habe, dass sich ein Blutbad in der Wohnung abgespielt habe: "Am allerletzten Prozesstag kommen Sie daher und sagen uns das!"
Richter Michael Eckstein beruhigte sein Kollegin: "Manchmal ist es so, wie es ist!"
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