Bilanz

Diakonieverein Wirsberg träumt von einer Tagespflege

Nach kritischen Jahren schreibt der Diakonieverein Neuenmarkt-Trebgast-Wirsberg-Harsdorf wieder schwarze Zahlen. Jetzt träumt man von einer Tagespflege.
Sitz der Diakoniestation Neuenmarkt-Trebgast-Wirsberg-Harsdorf ist das ehemalige Rathaus in Wirsberg. Das Büro im Erdgeschoss ist barrierefrei zu erreichen ist und wird gut angenommen. Foto: Werner Reißaus
 
von WERNER REIßAUS
Das kritische Jahr 2011 ist längst überstanden. Das lässt sich bei einem Blick in die Kasse und auf die Konten leicht feststellen. Der für die Gemeinden Neuenmarkt, Trebgast, Wirsberg und Harsdorf zuständige Diakonieverein schreibt wieder schwarze Zahlen.

Vorsitzender Peter Ahrens berichtete in der Jahreshauptversammlung, dass das Eigenkapital in den zurückliegenden fünf Jahren um 119.718 Euro auf nunmehr 228.946 Euro erhöht werden konnte. Als Erfolgsfaktoren nannte der Pfarrer unter anderem Änderungen in der Tourenplanung, die Senkung der Krankheitskosten durch Abschluss einer Zusatzversicherung und einen kontinuierlicher Abbau von Überstunden.

Schatzmeister Albert Kolb legte für 2015 ein außerordentliches Betriebsergebnis vor. Der Gewinn lag bei 70.500 Euro.


Erfolg hat einen Namen


Der Erfolg hat aber auch einen Namen: Angelo Henninger. Er ist seit 2012 für die Diakoniestation und den Diakonieverein als Unternehmensberater tätig. Für den Verein ist Henninger ohne Zweifel ein Glücksfall, wie Pfarrer Peter Ahrens bestätigt: "Er war ja schon einmal für uns als Berater tätig. Wir haben schon gemerkt, dass die finanziellen Geschäfte immer komplizierter wurden. Angelo Henninger hat viele Ideen eingebracht."

Der Vorsitzende freute sich in der gut besuchten Versammlung im Jugendtagungshaus, dass die eingeleiteten Maßnahmen schon Früchte tragen. Man spüre auch, dass die Patienten sehr zufrieden sind und auch das Personal nicht ständig überfordert ist. "Eine gute Arbeitsatmosphäre sorgt ja auch dafür, dass weniger Krankheitsfälle entstehen."


2011 noch ein sattes Minus


Die erfolgreiche Arbeit der Diakoniestation drückt sich in Zahlen aus. So konnten die Umsatzerlöse um 14 Prozent von 541.808 Euro auf 629.047 Euro gesteigert werden. "Im Vergleich zu 2011 sind die Umsatzerlöse um 56 Prozent gestiegen. In der Behandlungspflege waren es im gleichen Zeitraum sogar 83 Prozent", so Ahrens weiter.

2011 waren die Personalkosten höher als die Erlöse aus der Pflege. Das Ergebnis war ein sattes Minus. Die Zeiten sind vorbei. Laut Angelo Henninger habe man an vielen Schräubchen gedreht - auch in der Verwaltung. Sorge bereite ihm, dass zunehmend Fachpersonal fehlt.

Der Unternehmensberater räumte ein, dass anfangs bei den Mitarbeitern schon "eine gewisse Spannung" vorhanden war. Man habe sich auch von Beschäftigten trennen müssen. "Ich denke, wir haben jetzt eine gute Stimmung im Team. "


Harte Teamarbeit


Bürgermeister Hermann Anselstetter würdigte auch im Namen seiner Kollegen aus Trebgast, Harsdorf und Ködnitz die segensreiche Arbeit der Diakoniestation: "Wurden wir vor wenigen Jahren noch mit einem schier unfassbaren Defizit konfrontiert, so können wir uns jetzt über ein Plus von 70.000 Euro freuen." Hinter der finanziellen Gesundung stecke harte Teamarbeit. "Dieser schmerzliche Gesundungsprozess war eine großartige Gemeinschaftsleistung", so Anselstetter. Ziel sei immer gewesen, eine menschliche Pflege zu garantieren.

Margit Weinlein gab noch einige statistische Zahlen bekannt. So verrichteten die 15 Teil- und neun Vollzeitpflegekräfte 24.000 Hausbesuche, knapp 70.000 Leistungen in der Pflege, 2415 Stunden in der hauswirtschaftlichen Versorgung und 2145 Stunden bei sonstigen Anlässen.

Der Diakonieverein hat auch eine Vision: den Aufbau einer Tagespflege. Pfarrer Peter Ahrens: "Ganz lapidar gesagt, würden wir das, was wir in einer der Kindertagesstätten tun, auch bei den Senioren machen. Damit könnten Menschen länger zu Hause bleiben."

Die Vision ist schon relativ konkret. Angelo Henninger hat auch bereits eine betriebswirtschaftliche Berechnung aufgestellt, wie die Tagespflege funktionieren könnte.

Pfarrer Ahrens dazu: "Im Moment gibt es schon Pläne, dass so etwas im alten Bahnhofsgebäude in Trebgast entstehen könnte. Die Frage ist, wer als Träger dafür infrage kommt." Die Einrichtung einer Tagespflege rechnet sich nach der Einschätzung von Angelo Henninger bereits ab zehn bis zwölf Personen.
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