Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Ausstellung

Bio-BH und Trabi-Schrott als Kunst in Kulmbach zu sehen

Werner Götz zeigt ab 15. November in der Galerie in der Oberen Stadt spaßige Objekte. Er versteht sie als Kommentar zu manchen Merkwürdigkeiten im Kulmbacher Kunst- und Kulturbetrieb. "Manches ist gut, vieles Schrott", sagt er.
Die Erotik wird in zwei Kokusnuss-Schalen verpackt: Götz nennt sein Objekt bös "Bio-BH". Foto: Wolfgang Schoberth
 
von WOLFGANG SCHOBERTH
Das Urinal fehlt. Auch die Nähmaschine mit dem Regenschirm und das Frühstücks-Service im Pelz. Doch Werner Götz wandert mit seinen eigenen Ready-mades auf den Spuren Marcel Duchamps.

Womit vor fast 100 Jahren Dadaisten und Surrealisten geschockt haben, ist auch heute noch geeignet, zu verstören.

Die Methode nämlich, Gegenstände, Fundstücke, Materialien in neuen Zusammenhängen vorzuführen. Der Anspruch ist nicht unbescheiden: Alltägliches, Triviales zur Kunst zu erheben. Für Werner Götz, Enfant terrible der hiesigen Kulturszene, ist es die erste Ausstellung seit gut drei Jahren. Er zeigt erstmals Objekte. 25 sind es - teils kleinformatig im Bilderrahmen, teils raumfüllend -, die in den Atelier-Räumen in der Oberen Stadt 10 gezeigt werden.

"So ein Käse"

Die meisten Arrangements trägt er, wie er sagt, schon längere Zeit in seinem Herzen, andere sind jüngst dazu gekommen. Oft spontan, aus Laune. Werner Götz macht keinen Hehl daraus, dass er das Ganze als persönliches Widerspiel zu manchen Kuriositäten des hiesigen Kunst- und Kulturbetrieb sieht.

Die Objekte sind albern, pfiffig, frech, voller Anspielungen.

Dass die Leidenschaft aus seiner Sicht zur biederen Erotik verkommen ist, macht er an seinem "Bio-BH" sichtbar: die Körbchen bestehen aus Kokusnuss-Schalen, brav in einen Bilderrahmen gezwängt, mit ordentlich gebundenen Schleifchen.
"So ein Käse" nennt er einen Spaß mit einer Camembert-Schachtel. Überraschend ist der Inhalt: Gummi Frogs. Ein Schelm, der nicht an Kulmbachs größten Sohn Thomas Gottschalk und seine eingestampfte Sweets-Reklame denkt.

Dass Götz auch zur Selbstironie fähig ist, zeigt die Collage "Jugend, süße Jugend". Sie deutet die Spannweite seines Lebens an: Über einen Soff mit weißbleckenden Totenköpfen legt er das gold-verschnörkelte Namensband von King Diamond, Heavy-Metal-Rocker und Horror-Figur der 1970er Jahre. Dazu drappiert er Kinder-Lecker und Schnuller - seine eigenen aus frühen Kindheitstagen.

In einer Ecke lehnt eine verschrammte, anthrazitfarbene Autotür vom Schrottplatz. Aus dem einen Fenster guckt ein Elefant heraus, auf dem anderen liest man "Hommage á Dali", eine Avance an den großen spanischen Surrealisten.

Das bemerkenswerteste Exponat ist ein Gemälde, das Götz zum Mauerfall just vor 25 Jahren gemalt hat.

Es zeigt einen Trabi, der vor der Flagge der siechenden DDR in den Müllcontainer gestampft wird. Eine dem Betrachter den Rücken zuwendende Masse verfolgt das Ereignis. Darunter die vieldeutige Parole "Hurra, Deutschland".
Aktuell hat Götz vor das Ölbild von anno 1989 eine matte Stoßstange gelegt. Nach Light-Show und Jubelfeier vor dem Brandenburger Tor sieht das nicht gerade aus.


Die Öffnungszeiten


Die Kunstschau "Götz.Bilder.Objekte" wird am 15. November um 13 Uhr durch den Vorsitzenden des Kunstvereins, Karl-Heinz Greim, in der Galerie in der Oberen Stadt 10 eröffnet. Für die musikalische Umrahmung sorgt Oliver Pörner am Saxophon. Die Galerie ist nur samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr. Der Künstler wird persönlich anwesend sein und für Gespräche gern zur Verfügung stehen. Die Ausstellung endet am 23. November.

Im Interview redet Gütz Klartext

"Manches ist gut, vieles Schrott" sagt Werner Götz zur Kulmbacher Kulturszene. Im BR-Interview redete er Klartext.

Du hast mit deiner Objekt-Kunst sichtlich viel Spaß gehabt, doch auch viel Frust abgeladen.
Werner Götz: Es sind meine persönlichen Anmerkungen zu manchen Skurrilitäten des hiesigen Kunst- und Kulturbetriebs.

Kannst du konkreter werden?
Jüngstes Beispiel: die Verleihung des Hans-von-Kulmbach-Preises. Die Ausstellung "Netzwerk-Network" war mit vorzüglichen Arbeiten bestückt, auch mit international renommierten Künstlern. Doch was wurde prämiert? Eine gehobene Schreiner-Arbeit.

Aber es gibt doch in Kulmbach durchaus spannende Veranstaltungen, etwa die "Kulmbacher Kulturnacht" im Badhaus.
Stimmt, doch auch da können die Veranstalter viel kaputt machen: Bei der deutsch-tschechischen Kulturnacht zum Beispiel im Juni hat man eine Gruppe aus Cheb genötigt, aus dem Stegreif nach fremden Noten zu spielen. Es ging nicht. Doch nicht die jungen Musiker haben sich blamiert, sondern ein Herr der Stadtverwaltung. Es war für mich eine Unverschämtheit.

Man kann täglich den Zeitungen entnehmen, wie lebendig die Kulturszene in Kulmbach ist - Theater, Kabarett, Kleinkunst.
Manches ist gut, vieles Schrott. Ich wundere mich, dass die Leute bereit sind, für hirnlosen Comedy-Quatsch 30 Euro hinzublättern. Seltsam finde ich es auch, dass das Studio Baumann, eigentlich ein super Theater mit klasse Schauspielern, sich immer stärker dem Publikum anbiedert und ein fränkisches Stück nach dem anderen macht.

Du hast doch selber 20 Jahre lang die Kulmbacher Kulturwoche gemacht, und das äußerst erfolgreich.
Es war immer schwieriger, ein niveauvolles Programm auf die Beine zu stellen.

Sollte man nicht Deine Atelier-Treffen in der Limmersmühle wieder beleben?
Ich bin mir noch nicht recht klar über meine Zukunft. Man darf sich keine Illusionen machen. Bei den Atelier-Treffen kamen am Ende immer weniger Besucher, oft waren es nur Ältere. Einige haben sich beschwert, wenn ich ihr Wunschgetränk nicht hatte. Aber Blasentee mag ich nicht servieren.


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.