Protest

100 demonstrieren gegen AfD-Treffen in Mainleus

Als die Alternative für Deutschland am Mittwochabend zum Stammtisch in eine Mainleuser Pizzeria einlud, wurde die Partei von Demonstranten empfangen.
Etwa 100 Menschen folgten dem Aufruf des Bündnisses "KUnterBunt" Bayreuth/Kulmbach zur Demo gegen die AfD in Mainleus. Foto: Barbara Herbst
 
von JOCHEN NÜTZEL
Das ältere Ehepaar, das in dem Auto mit Kronacher Kennzeichen saß, verstand erst mal nur Bahnhof: wegen der Polizisten vor dem Parkplatz der Pizzeria "Gleis 3" in Mainleus, vor allem aber der Menschen mit Transparenten, auf denen Slogans prangten wie "Hass macht hässlich" oder eher ein bisschen wortspielerisch: "Da bekomm ich AfDerjucken". Die Gegnerschaft zum Stammtisch der Alternative für Deutschland, der in besagter Pizzeria tagte, war deutlich in der Überzahl. An die 100 Menschen waren dem Aufruf des Bündnisses "KUnterBunT" Bayreuth/Kulmbach gefolgt und hatten vor dem Bahnhofsgebäude räumlich wie verbal Stellung bezogen.


"Sie schürt den Hass"

"Die AfD schürt den Hass und spaltet die Gesellschaft", wetterte Demo-Mitorganisator Arno Pfaffenberger. Wer Menschen mit anders lautenden Meinungen "Gesinnungsterroristen" nenne, der zeige, wes Geistes Kind er sei. Die AfD geriere sich als Vertreter der "kleinen Leute. "Aber wer berechtigte Interessen der so genannten kleinen Leute gegeneinander ausspielt, wer so die Ängste von Menschen verstärkt, wer so Rassismus in diesem Land fördert, der ist nicht fähig, eine Partei der kleinen Leute zu sein."
Andere Redner hatten sich exemplarisch einige Programmpunkte aus dem Konzeptpapier der AfD herausgegriffen. Dagmar Keis-Lechner, Kreisvorsitzende der Bündnisgrünen, verwies auf das in ihren Augen reaktionäre Familienbild der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry; Gabi Slimani kritisierte das Frauenbild der Partei, die plane, Errungenschaften wie die Gleichstellungsbeauftragten abzuschaffen und ein Abtreibungsverbot per Volksentscheid durchzudrücken.
Grünen-Kreisrat Erich Luthardt bekundete angesichts der politischen Vorstellungen der AfD, man sollte mehr Geld für Bildung in die Hand nehmen. "Intelligente Leute wählen die nämlich nicht." Und Lieselotte Schneider, langjährige CSU-Gemeinderätin, zeigte sich entsetzt, dass die Rechtspopulisten sich in Mainleus treffen. "Wir haben die Nazis aus Schwarzach rausgebracht, jetzt kommen die nächsten Rechten hierher."
Von dem Gesagten und den Sprechchören draußen bekam das Kronacher Ehepaar drinnen im Lokal nichts mehr mit. "Das ist alles Quatsch!", sagten die beiden AfD-Anhänger unisono. Georg Hock, bei der Bundestagswahl 2013 noch AfD-Direktkandidat für Kulmbach und nun Vorsitzender des Kreisverbands Kulmbach/Lichtenfels, drückte es so aus: "Was diese Gegenbewegungen angeht - das bin ich seit zweieinhalb Jahren am Rande von Veranstaltungen unserer Partei gewöhnt. Zu demonstrieren ist ja ein gesetzliches Bürgerrecht und geht damit für mich in Ordnung."
Für "Gegner" Arno Pfaffenberger fand Hock sogar durchaus positive Worte: "Herr Pfaffenberger von den Linken ist ja einer, mit dem kann man ein paar Worte wechseln, der ist wenigstens zu einem verbalen Austausch bereit. Und miteinander reden ist ja nie schlecht."
Nichts halte Hock hingegen von jedweder Art von Bedrohungen. Anfeindungen von AfD-Gegnern zu erdulden hatte angeblich auch der türkische Wirt der Pizzeria "Gleis 3", in die die Partei umziehen musste. Zu seinen nicht unumstrittenen Gästen wollte sich Canim Cabir nicht äußern. Er war auch nur die Ausweichlokalität. Der Ortswechsel war nötig geworden, weil die AfD aus dem "Gasthof Weinbrücke" in Burghaig - nach zunächst erfolgter Zusage - wieder ausgeladen worden war.
Auf der Facebook-Seite der "Weinbrücke " hieß es gestern dazu: "Liebe Freunde, es liegt uns sehr am Herzen, für Klarheit zu sorgen. Das erste Treffen der AfD bei uns kam durch eine normale Tischbestellung zu Stande. Hier haben wir leider erst im Nachhinein erfahren, dass es sich um ein Treffen dieser Partei handelt. Wir haben alle zukünftigen Treffen konsequent abgesagt, weil auch wir der Meinung sind dass die AfD für niemanden in unserem Land und unsere Region eine Alternative darstellt."
Auf dem Rundschau-Portal infranken.de wurde die Ortsverschiebung ebenfalls kommentiert. Mehrere Nutzer sprangen dem türkischen Gastwirt bei: "Ein Kompliment an den Pizzeria-Besitzer in Mainleus: Top. Lassen Sie sich nicht von den Protestlern einschüchtern und machen Sie eine köstliche Pizza für Ihre Gäste." Ein Anderer schrieb: "Canim Cabir hat hier wahre Größe und Toleranz bewiesen."


Programm noch kein Thema

Worum es beim AfD-Polit-Stammtisch in Mainleus eigentlich ging? Womöglich um das angeblich "geleakte" Parteiprogramm? "Nein", sagte Georg Hock, "das fertige Programm wird ja erst beim Bundesparteitag Ende April in Stuttgart verabschiedet. Die endgültige Fassung kenne ich noch nicht." Der Wonseeser betonte aber, das Programm werde "mit dem politischen Rechts-Links-Schema aufräumen". Er selber sei in der Satzungskommission gewesen.
Insofern könne er sagen, dass die vorgebrachten Punkte der Demonstranten ihm vertraut seien. "Da werden Zahlen aus dem Zusammenhang gerissen und damit Stimmung gemacht." Beim Thema Mindestlohn etwa sei die AfD in keiner Weise an einer Abschaffung interessiert. "Es müssen aber Ausnahmen möglich sein." Er habe als Unternehmensberater auch kleinere Betriebe betreut, die der Mindestlohn und damit höhere Kosten an den Rand der Existenz gebracht hätten. "Es ist diese unbedachte Gleichmacherei selbst bei so komplexen Sachverhalten, gegen die sich die AfD wendet."





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