Kronach
Naturschutz

Wenn Uhus Trauer tragen

Die Großeule ist fast ausgestorben. Naturschützer im Landkreis Kronach sind um eine Wiederansiedlung bemüht und versuchen zu retten, was zu retten ist.
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Seltene Aufnahme von Klaus Bauer aus Stockheim, Eulen- und Greifvogelbeauftragter im Landkreis Kronach: Uhu "Bubo" im Haßlachtal.
Seltene Aufnahme von Klaus Bauer aus Stockheim, Eulen- und Greifvogelbeauftragter im Landkreis Kronach: Uhu "Bubo" im Haßlachtal.
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Viele Menschen kennen den majestätischen Vogel nur vom Hörensagen. Zur Balzzeit in den Abendstunden lässt er sein dumpfes "Buho" ertönen, das mehr als einen Kilometer weit zu hören ist. Der beharrliche Lockruf hat dem "König der Nacht" die Bezeichnung "Schuhu" eingebracht. Auch der Gattungsname "Bubo" ist auf diesen charakteristischen Ruf zurückzuführen. Martin Luther soll ihm bei seiner Übersetzung des Alten Testaments den Namen "Uhu" gegeben haben.
Gesehen in der freien Natur haben den Uhu nur wenige. Sein Tarnkleid ist vollkommen. Die gelben bis rostbraunen Farbtöne sind vermischt mit dunkelbraunen oder schwarzen Tupfen und ergeben ein schützendes Rindenmuster. Mit einer Spannweite von fast zwei Metern und einer Höhe von gut einem halben Meter gehört der Uhu zur Gattung der Großeulen. Seine aufrechte Haltung, sein an eine Sichelnase erinnernder Schnabel, die großen dunklen Augen mit orange gelber Iris, der auffällig breite Kopf mit Federohren und sein unheimliches Rufen geben ihm ein extravagantes Erscheinungsbild.
Der "Vogel des Jahres 2005" lebt hoch oben in der Felswand, in alten Steinbrüchen oder moderat bewachsenen Steilhängen des Frankenwaldes. Sein geräuschloser Flug und die Fähigkeit, mit geringsten Lichtintensitäten auszukommen, machen ihn zum perfekten "Jäger der Nacht". So kann der Uhu in der Abend- oder Morgendämmerung im Tiefflug seine Beute unbemerkt und zielsicher mit den krallenbewehrten Greiffüßen schlagen und mit seinem hakenartig gekrümmten Schnabel töten.
Vom Jäger zum Gejagten wurde der "Vogel der Nacht" schon lange bevor es die "Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere" gab. Den Menschen der Antike war der Uhu wegen seiner Größe, seiner Stimme, seines menschlichen Gesichtes und seiner nächtlichen Lebensweise unheimlich. Er galt als Todesbote, als Sinnbild des Bösen und wurde verantwortlich gemacht für Unglück, Misserfolg und Niederlage. Die Römer wiesen ihm beispielsweise die Schuld für die verlorene Schlacht bei Cannae im Jahr 216 v. Chr. zu.
Dieser Aberglaube hielt sich hartnäckig bis ins 20. Jahrhundert hinein. Ein gnadenloser Feldzug über die Jahrhunderte hinweg führte die Uhupopulationen fast in den Untergang. Als dann auch noch die "edle" Jägerschaft den Uhu als bedrohlichen Nahrungskonkurrenten ansah, kannte der Vernichtungswahn keine Grenzen mehr. Die besonders perfide "Erfindung" der Hüttenjagd dezimierte die Bestände zusätzlich.
Man errichtete an geeigneten Stellen möglichst komfortable Hütten und "besorgte" sich einen jungen Uhu, der vor Ort an einen Pfahl gekettet wurde. Krähen und Greifvögel attackierten ihren natürlichen Feind und konnten so bequem und "waidgerecht" an Ort und Stelle abgeschossen werden. Johann Wolfgang von Goethe benützte das Bild vom "Uhu unter Krähen" in seinen "Sprüchen in Reimen" und spottete: "Will Vogelfang dir nicht geraten, so magst du einen Schuhu braten!"
Vogelschützer haben mit der "Aktion zur Wiedereinbürgerung des Uhus" der Eule eine neue Chance gegeben. Die zoologischen Gärten, in die nach dem Verbot der Hüttenjagd viele Hüttenuhus gelangt waren, stellten Jahr für Jahr ihren Uhunachwuchs zur Verfügung. Die jungen Uhus wurden auf ein Leben in der Natur vorbereitet und in geeigneten Lebensräumen freigelassen. Einsam rufenden Uhus verschafften die Naturschützer den passenden Partner aus dem zoologischen Garten. Wo immer möglich, setzte man den brütenden Uhus zu ihren eigenen Jungen ein zoologisches Jungtier hinzu.
Vor allem mussten die gefährlichen Mittelspannungsmasten entschärft, die Verfüllung von Steinbrüchen gestoppt, Brutplätze bewacht, Brutfelsen kletterfrei gehalten, Sponsoren und Spenden beschafft werden. Die Wiederbeheimatung des Uhus war schließlich kein staatlich durchgeführtes, mit öffentlichen Mitteln finanziertes Projekt, sondern ein Gemeinschaftswerk unterschiedlicher Organisationen des Naturschutzes.
"Bei der Wiederansiedlung im Landkreis Kronach gibt es leider nur mäßige Erfolge", berichtet Klaus Bauer, Eulen- und Greifvogelbeauftragter im Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Kronach. "Während einst grenzenlose Dummheit den Uhu ins Verderben stürzte, sind heute Hochspannungsleitungen, Windräder und die fortschreitende Zerstörung natürlicher Lebensräume durch den rücksichtslosen Ausbau der Verkehrswege die größte Gefahr."
Es bleibt zu wünschen, dass die ungewisse Zukunft des Uhus die Herzen vieler Menschen berührt, Vogelschutzrichtlinien geschaffen, akzeptiert und befolgt werden und die Einsicht wächst, dass der Erhalt dieses "Großherzogs" unter den Eulen uns alle angeht. Im bekannten Volkslied "Die Vogelhochzeit", dessen Entstehung auf das Jahr 1470 datiert ist, heißt es zum Schluss: "Der Uhu-hu, der Uhu-hu, der macht die Fensterläden zu." Hoffentlich wird dieser letzte Vers eines Tages nicht zum Synonym für seinen endgültigen Abschied.
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