Kronach
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Vermisste 70-Jährige gefunden: Am Ende half der Zufall

Nach knapp 28 Stunden ist die seit Freitagnachmittag vermisste 70-Jährige am Samstagabend in Kronach lebend gefunden worden.
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Nur durch Zufall entdeckte ein Mitarbeiter der DLRG Kronach die vermisste Frau am Samstag mitten im Gebüsch. Foto: Polizeiinspektion Kronach
Nur durch Zufall entdeckte ein Mitarbeiter der DLRG Kronach die vermisste Frau am Samstag mitten im Gebüsch. Foto: Polizeiinspektion Kronach
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Der erlösende Funkspruch kam am Samstag um exakt 19.23 Uhr: Die vermisste Person ist lebend gefunden worden, die Suche damit beendet. Fast 28 Stunden war es zu diesem Zeitpunkt her, dass beim ehemaligen Kronacher Landesgartenschau-Gelände - im Bereich der Rhodter Straße und des Flügelbahnhofs - eine großangelegte Suchaktion nach einer 70-Jährigen begann. Eingebunden waren darin nahezu sämtliche verfügbaren Rettungs- und Hilfsorganisationen der Region. "Weil sie aus Altersgründen hilfebedürftig war, wurde gleich der Großeinsatz gestartet. Da war höchste Eile geboten", erklärt Alexander Doppel von der Polizeiinspektion Kronach.

Gefunden wurde die Seniorin schließlich in Höhe der Siedlung, im Gebüsch gleich neben einem etwas abseits gelegenen Weg südlich des Kletterturms (siehe unteres Foto). Mit einem gebrochenen linken Arm, einer verletzten linken Schulter und stark unterkühlt kam die Seniorin für eine genauere Untersuchung in die Frankenwaldklinik.


Ins Gebüsch gestürzt

Da die 70-Jährige am Samstag nicht vernehmungsfähig war, unternahmen die Beamten einen Tag später einen neuen Versuch - um zu ergründen, weshalb die Frau so lange wie vom Erdboden verschluckt schien. "Sie hat ausgesagt, dass sie Spazieren gegangen ist, aus Eigenverschulden stürzte und dann im Gebüsch zum Liegen kam", teilte Doppel auf FT-Nachfrage mit.

Die Polizei geht nun vorerst davon aus, dass die Verletzungen eine Folge des Sturzes vom etwas höher gelegenen Weg hinunter ins Gebüsch sind. "Dass wir sie gefunden haben, war eigentlich purer Zufall", so Doppel. Zusammen mit Kollegen der Technischen Einsatzeinheit der Bundespolizei aus Nürnberg sowie zwei Helfern der DLRG hatte er in den Stunden zuvor das Ufer und den Wasserbereich der Rodach bis hinunter zur Neuseser Mühle abgesucht. Gegen 19 Uhr brach das Team seine Suche ab und machte sich auf den Rückweg. "Einer der Helfer der DLRG hat dann im Gebüsch wohl ein Rascheln gehört und nachgesehen", so Doppel.


Heim unabgemeldet verlassen

Gleich zu sehen sei die Frau aber nicht gewesen, da über ihr ein schwerer Ast lag, den offenbar das Freitagabend wütende Unwetter vom Baum gerissen hatte. "Um sie dort zu finden, hätte man mit der Wärmebildkamera schon genau über ihr stehen müssen", erklärt der Polizist, weshalb auch die Flüge gleich mehrerer Drohnen und eines Polizeihubschraubers keine neuen Erkenntnisse brachten.

Nicht sonderlich leichter habe es den Rettungskräften gemacht, dass die Vermisste nicht um Hilfe rief. Weshalb es keine Rufe dieser Art gab, blieb am Sonntag noch unklar. Eine Antwort darauf habe die Polizei bei ihrem Besuch in der Klinik nicht erhalten, hieß es.

Ausgangspunkt für den Großeinsatz war am Freitagnachmittag der Fund eines Rollators in Ufernähe. Anhand der Registriernummer der rollbaren Gehhilfe wurde schnell die 70-jährige Kronacherin als Besitzerin ermittelt, die sich unabgemeldet von ihrem Pflegeheim entfernt hatte. Auch bei Verwandten oder Freunden war sie nicht aufgetaucht, so dass die Suche umgehend begann. Vom Fundort des Rollators aus nahmen Man-trailing-Hunde die Witterung auf, verloren diese aber am Ufer in Höhe des Südkreisels. "Daher zogen wir auch in Betracht, dass sie ins Wasser gegangen sein könnte, und haben auch die Uferbereiche der Haßlach und Rodach abgesucht", so Doppel.


Offene Fragen

Um 1 Uhr nachts brachen die Rettungskräfte die Suche am Samstag schließlich ergebnislos ab und setzten sie am nächsten Morgen fort. Doch ehe die Frau gefunden wurde, sollten noch einige Stunden intensiver Suche hinzukommen.

Offene Fragen gibt es noch einige. Etwa, warum der Rollator an einer anderen Stelle als die Seniorin gefunden wurde. Denn eigentlich hätte er oberhalb des Gebüschs stehen müssen, sofern die Angaben der 70-Jährigen stimmen. "Womöglich hat ihn ja jemand aus Spaß mitgenommen und dann liegen lassen", vermutet Doppel. "Aber das wissen wir halt nicht."

Im Einsatz waren neben der Polizei und den Feuerwehren Stadt Kronach und Neuses auch das BRK, das THW, die Wasser- und Bergwacht, die DLRG (Ortsverbände Kronach, Steinwiesen und Küps), die Kronacher AG Mantrailing sowie die ASB-Rettungshundestaffel. Der Polizei war es daher wichtig, allen Rettungskräften für deren "unermüdliche Einsatzbereitschaft und die hervorragende Zusammenarbeit" zu danken.

Sie alle waren daran beteiligt, dass um 19.23 der für alle erlösende Funkspruch abgesetzt werden konnte.
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