Es konnte schon etwas kompliziert werden: Wenn Touristen auf dem Marienplatz einen vorbeilaufenden Passanten nach dem Weg in die Obere Stadt fragten, dauerten die Erklärungen in den vergangenen beiden Monaten oft deutlich länger als üblich. Seit Donnerstagnachmittag sind die beschriebenen Umwege über den Strauer Torweg oder die Schwedenstraße durch das Bamberger Tor allerdings nicht mehr nötig - denn mit den beiden erneuerten Treppenaufgängen an der Stadtmauer steht wieder der direkte Weg zur Verfügung.

"Das ist eine genaue Punktlandung", sagte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) erfreut. "Das Ende der Bauarbeiten war für den 29. September vorgesehen, wir sind also einen Tag vorher fertig geworden als geplant." Gerade einmal zweieinhalb Monate dauerte es, um die alten Treppenaufgänge abzutragen und durch neue zu ersetzten. Doch die Planungen begannen weit vorher. Bereits 2012 liefen die ersten Gespräche im Stadtrat über eine Sanierung der Treppe. "Bei der unteren Treppe mussten wir ja schon Stützhölzer reinziehen", erinnerte der Bürgermeister.

Die baufällige Treppe hätte jeder sicher noch in Erinnerung, meinte der verantwortliche Architekt, Jürgen Kolb. Zunächst habe sich ihm und seinen Kollegen die Frage gestellt, ob die Treppen noch zu reparieren sind oder ob sie sogar komplett neu gebaut werden müssen. "Wir haben dann zusammen mit einem Statiker Untersuchungen durchgeführt und es hat sich herausgestellt, dass es wirtschaftlicher ist, die Treppe zu entfernen und durch einen Neubau zu ersetzen", sagte er.


Suche nach passendem Material

Auf der Suche nach einem passenden Zeitfenster sei darauf geachtet worden, dass in diesem möglichst wenig Veranstaltungen stattfinden, erklärte Kolb. Der Zeitraum zwischen dem 12. Juli und dem 29. September habe schließlich die geringste Beeinträchtigung für den laufenden Betrieb ergeben.

Als es um das passende Material ging, standen die Architekten vor der Frage, ob erneut ein Stahlbetonlauf mit einem offenen Geländer verwendet werden soll? Angesichts der historischen Stadtmauer fiel allerdings die Entscheidung, auf einen erneuten Stahlbetonlauf zu verzichten und stattdessen einen Stahllauf mit aufgesetzten Natursteinstufen zu nehmen. Das passe besser zum Gesamtbild. "Das Material der Stufen entspricht dem, welches auch auf dem Marienplatz verwendet worden ist", erklärte der Architekt. "Den Steinbruch gab es zum Glück noch."


240.000 Euro Gesamtkosten

Insgesamt kamen für die Bauarbeiten Kosten von 240.000 Euro zustande. Alleine die Zufahrt für die Baustellenfahrzeuge und der Abbruch sowie die Entsorgung der alten Treppen kosteten laut Kolb rund 50.000 Euro. 45.000 Euro gingen für die Pfeiler drauf. Die wurden wieder mit Sandstein versehen wurden und erhielten zudem noch einen Kopf, um das Auflager der Treppe zu stabilisieren. Die Treppen inklusive der Handläufe kosteten 80.000 Euro.


Hinweise für Blinde und Sehbehinderte

Weil die Treppen jedoch ins Städtebauförderprogramm aufgenommen wurden, fließen 75 Prozent der Kosten wieder als Fördermittel an die Stadt zurück. Eine Auflage dafür war es unter anderem, barrierefrei zu sein. "Bei Barrierefreiheit denkt man zwar immer, dass da keine Stufen sein dürfen", sagte Kolb. Doch das sei kein Problem, sofern bei den Planungen an Blinde und Sehbehinderte gedacht werde. Die werden nun gleich auf zwei Wege auf den Beginn und das Ende der Treppe hingewiesen: Durch kleine Erhebungen vor der ersten und letzten Treppenstufe (die mit einem Blindenstock ertastet werden können) sowie Hinweise in Blindenschrift an den Handläufen. "Die müssen aber noch angebracht werden", sagt Kolb.

Weil der Anteil der Stadt an den Gesamtkosten deutlich geringer ausfiel, bedankte sich Beiergrößlein noch einmal bei der Regierung von Oberfranken. "Es waren einige Gespräche notwendig, damit die Förderung gewährt wurde", so der Bürgermeister.