Als 16-Jährige begann die Kronacherin Ingeborg Helbig 1953 in der Oberen Stadt beim Lebensmittelgeschäft "Backdie" in der Lucas-Cranach-Straße eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau. "Damals mussten wir noch einen Beruf ergreifen, der gerade verfügbar war", erinnert sie sich. "Das war nicht so wie heute. Da haben die Eltern noch gesagt, was wir machen sollen."

Handelswaren wie sie in Supermärkten nur wenige Meter von Lebensmitteln entfernt liegen, waren im "Backdie"-Sortiment nicht zu finden. Schließlich gab es die gleich in der Nachbarschaft. "Bei uns gab es nur Lebensmittel", sagt Helbig. Was nicht bereits verpackt war, wurde aufs Gramm genau in braune Papiertüten abgefüllt. "Mit der Zeit hatte man die Menge dann im Gefühl", erzählt Helbig und muss beim Blick in die Vergangenheit leicht schmunzeln.

Drei Jahre blieb Helbig nach der Lehre ihrem Ausbildungsbetrieb treu, ehe sie bei ihrem Mann Dieter im "Hotel Sonne" einstieg. Alleine in der Kreisstadt waren in dieser Zeit 16 Lebensmittelläden im Branchenbuch eingetragen. Das hat sich längst geändert: Selbst für den kompletten Landkreis sind die Einträge inzwischen an zwei Händen abzuzählen - mit einigen Filialen großer Supermarktketten darunter.


Deutschlands erster Supermarkt

Zu bröckeln begann das "Tante-Emma"-Prinzip bereits in den sechziger Jahren. Offenbar angestoßen vom Kaufmann Herbert Eklöh. Er gilt als der erste Lebensmittelhändler, der in Deutschland voll auf Selbstbedienung und Warenvielfalt setzte. In der Gestaltung seines Lebensmittelladens, den er am 26. September 1957 in der Kölner Rheinlandhalle eröffnete, ließ er sich von Experten aus den USA beraten. Waren andere Läden zwischen lediglich 200 und 300 Quadratmetern groß, verteilte er sein Warenangebot auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern.

Welcher Supermarkt aber wagte sich als erster nach Kronach? "Das müsste eigentlich der Tengelmann in der Rosenau gewesen sein", vermutet Helbig. Ob sie damit richtig liegt, und weshalb es bald wieder "Tante-Emma-Läden" geben könnte, lesen Sie hier.