Kronach
Ausdauersport

Alex Dautel ist jetzt die Nummer 1

Der 27-Jährige hat den Marathon in Mainz in 2:39:59 Stunden bewältigt. Damit ist er auf dieser Distanz der schnellste Läufer aus dem Landkreis Kronach.
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Kurz vor dem Ziel beim Gutenberg-Marathon in Mainz sind Alexander Dautel die Strapazen ins Gesicht geschrieben. Der Lohn: Platz 7 und eine sehr gute Zeit von 2:39:59 Stunden. Foto: privat
Kurz vor dem Ziel beim Gutenberg-Marathon in Mainz sind Alexander Dautel die Strapazen ins Gesicht geschrieben. Der Lohn: Platz 7 und eine sehr gute Zeit von 2:39:59 Stunden. Foto: privat
Die Liste der besten Leichtathleten aus dem Landkreis Kronach muss durch einen weiteren Namen ergänzt werden. Was die "Königsdisziplin" für Ausdauersportler, den Marathon, betrifft, lagen bislang Thomas Geiger (2:40:42 Stunden) und Ulrich Queck (2:40:54) fast zeitgleich vorn. Am 10. Mai wurden sie abgelöst. Da bewältigte der Kronacher Alexander Dautel den Gutenberg-Marathon in Mainz in einer Zeit von 2:39:59 Stunden.
Bei diesem Lauf wurden auch die deutschen Hochschulmeister ermittelt. Und mit seiner Zeit hätte der 27-Jährige eigentlich den ersten Platz belegt. "Im Vorfeld war vereinbart worden, dass die Nettowertung zählt, doch nach einem Protest meines ärgsten Konkurrenten wurde im Nachhinein die Bruttozeit gewertet", blickt er zurück. Sein Rivale Gerrit Wegener hatte den Marathon in (netto) 2:40:03 Stunden zurückgelegt. Bei der Bruttozeit (2:40:04) lag er dagegen drei Sekunden vor Alexander Dautel (2:40:07). Dieser darf sich somit offiziell "nur" Hochschul-Vizemeister 2015 nennen. Er kann jedoch gut damit leben: "Meine Zeit war super; darüber bin ich total froh."


Erster Marathon mit 18

Als Ausdauersportler war er bis vor einem Jahr kaum einmal öffentlich in Erscheinung getreten. Seinen ersten Marathon lief er mit 18 Jahren. "Das habe ich mir damals zum Geburtstag gewünscht", blickt er auf den September 2006 zurück, als er mit der Laufgruppe "Kronach rennt" in Berlin am Start war und - ohne große Vorbereitung - mit 3:36:12 Stunden der Schnellste dieser Gruppe war.
Das war's dann aber zunächst einmal mit seinen Lauf-Ambitionen. Danach spielte er mehr Basketball und machte die Prüfung als Fußball-Schiedsrichter. Hier erwies er sich als sehr talentiert und durfte bereits nach relativ kurzer Zeit Spiele bis zur Bezirksliga leiten. Aus der vielversprechenden Karriere wurde dann aber doch nichts. Alexander Dautel: "Seit dem Studium ist das Thema vorbei. Ich habe mir noch überlegt, ob ich in Berlin wieder anfange, habe es dann aber gelassen." Seit drei Jahren hat er kein Fußballspiel mehr geleitet.
Dafür ist er wieder zum Laufen zurückgekehrt. "Schuld" daran waren eigentlich seine beiden seine Schwestern Friederike und Johanna, die unbedingt einmal einen Marathon laufen und sich mit ihrem Bruder darauf vorbereiten wollten. Gesagt, getan: Am 18. Mai 2014 waren die drei Dautel-Geschwister in Kopenhagen am Start. Friederike (4:08:27) und Johanna (4:21:19) liefen bei ihrem Marathon-Debüt beachtliche Zeiten; weitere Wettbewerbe sind jedoch vorerst nicht geplant.


Ziel noch verpasst

Ganz anders bei Alexander: Er fing erst in der Vorbereitung auf Kopenhagen mit dem Laufsport wieder an und trainierte nun regelmäßig. "Da habe ich gemerkt, dass ich über lange Distanzen relativ schnell laufen kann." Eine Zeit von unter 2:45 Stunden hatte er sich zum Ziel gesetzt, dieses Ziel aber noch nicht erreicht. 2:54:02 Stunden bedeuteten immerhin eine neue persönliche Bestleistung.
Der nächste Höhepunkt, der ihm persönlich viel bedeutete, folgte bereits drei Monate später. Beim Mauerweglauf "100 Meilen Berlin" begleitete er einen blinden Läufer aus Nürnberg ab Kilometer 58,57 bis ins Ziel (160,90 km). Er lief also 102 Kilometer an der Seite von Anton Luber, mit dem er durch ein Band verbunden war. Nach gemeinsamen 12:43 Stunden erreichten sie in relativ lockerem Tempo das Ziel.
Seit dem Frühjahr 2015 startet er für den SC Tegeler Forst. Diesem Verein aus dem Norden Berlins gehört eine Laufgemeinschaft von etwa 40 Ausdauersportlern an, die auch an Ultramarathons und Landschaftsläufen teilnimmt. Mit dieser Gruppe war Alexander Dautel heuer bei sieben Läufen am Start.


Auf Ultradistanzen unterwegs

Den Auftakt machte der Lahntallauf in Marburg (28. Februar). Hier wurde er Zehnter bei der Deutschen Meisterschaft über 50 Kilometer in 3:22:39 Stunden. Nach der Deutschen Hochschulmeisterschaft im Mai in Mainz folgte am 14. Juni der Finowkanallauf über 64 Kilometer, als er zusammen mit seinem Trainingspartner Dominik Pick in 4:47:21 Stunden Platz 1 belegte und einen neuen Streckenrekord aufstellte.
Den Ottonenlauf im Harz über 69 Kilometer mit 1300 Höhenmetern bewältigte er am 1. August in 5:32:42 Stunden (Platz 3). Fünf Wochen später war er bei der Deutschen Meisterschaft im Ultratrail im Sauerland am Start. 73 Kilometer und 2000 Höhenmeter waren zu bewältigen. Seine Zeit von 6:20:24 Stunden bedeutete Platz 6 in der Einzelwertung und den Titel mit der Mannschaft (dabei werden die Zeiten der drei schnellsten Läufer addiert).
Am 27. September stand der Berlin-Marathon auf dem Programm. Hier betätigte er sich als Pacemaker (3:30) und brachte "seine" Gruppe in 3:29:07 Stunden ins Ziel am Brandenburger Tor. Eine Woche später folgte eine weitere Deutsche Meisterschaft, nämlich im 6-Stunden-Lauf im Nordseebad Otterndorf. 77,567 Kilometer legte er in dieser Zeit zurück. Das bedeutete für den Kronacher Platz 5 und den Sieg in der Mannschaftswertung.


Nächstes Ziel: 100 Kilometer

An drei Deutschen Meisterschaften im Ultramarathon hat er also heuer mit beachtlichem Erfolg teilgenommen. Zwei weitere werden außerdem noch angeboten. Alexander Dautel: "Der 24-Stunden-Lauf ist für mich noch kein Thema, aber über 100 Kilometer möchte ich auf jeden Fall teilnehmen, entweder 2016 oder 2017. Wer da unter sieben Stunden bleibt, ist schon ziemlich gut." Nächstes Jahr wird wohl aber nichts daraus werden, denn diese Meisterschaft findet Ende August statt. Ende Juli will er aber wieder einen blinden Läufer begleiten - von Berlin nach Usedom, fünf Tage lang über insgesamt 340 Kilometer. "Da macht die Meisterschaft in Leipzig wohl keinen Sinn", glaubt er.
So ganz nebenbei will Alexander Dautel 2016 auch sein Masterstudium in Statistik abschließen. Wohin es ihn danach beruflich verschlägt, weiß er noch nicht. Klar ist allerdings, dass er auch in Zukunft regelmäßig seine Laufschuhe anziehen und bei diversen Wettkämpfen sein großes läuferisches Talent unter Beweis stellen will.
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