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Realschule in Pressig führt zu hitzigen Diskussionen im Kreistag

Über eine dritte Realschule in Pressig wird seit Jahrzehnten diskutiert. Im September brachte sie der Kultusminister höchstpersönlich wieder ins Gespräch.
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Foto: Marian Hamacher
Foto: Marian Hamacher
Heiko Eichhorn, Mitglied des Elternbeirats der Maximilian-von-Welsch-Schule (RS I), sorgte in der Kreistagssitzung am Montag für entsetzte Gesichter und hitzige Diskussionen. Der Grund war seine Aussage zum Meinungsbild im Elternbeirat zum Thema Realschule in Pressig: "Wir wollen diese Schule nicht. Die Schüler wollen nach Kronach." Für viele Kreistagsmitglieder ein Schlag ins Gesicht - steckten doch viele Befürworter einer Realschule im Norden all ihre Hoffnungen in diesen Termin.

"Es gibt viele Vorteile. Man kann nicht generell sagen, die Kinder wollen das nicht", so Angela Wiegand (CSU). Sie selbst weiß, wie wichtig eine weiterführende Schule im nördlichen Landkreis ist. "Bewerber fragen oft, wo die nächste weiterführende Schule ist." Ein langer Schulweg für die Kinder sei ein K.o.-Kriterium für Fachkräfte.
Für den Standort Pressig hat man sich laut MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) im Übrigen entschieden, da er verkehrstechnisch gut zu erreichen ist. Edith Memmel (Grüne) ist Pressig nicht nördlich genug. Während der Sitzung betonte sie, dass es ihr schwer falle, darüber zu entscheiden. Egon Herrmann (SPD) hat dagegen eine klare Meinung: "Eine Schule in Pressig ist völlig deplatziert." Eine weitere Realschule sei nicht lebensfähig. "Wir müssen endlich mit dieser Jammerei aufhören und die Chance, die uns geboten wird, wahrnehmen", entgegnete Hans Rebhan (CSU).

Seit Jahrzehnten sorgt die Einrichtung einer weiterführenden Schule im Norden für heftige Diskussionen. Im September 2016 verkündete dann Kultusminister Ludwig Spaenle in Neukenroth, dass er der Errichtung einer staatlichen Realschule in Pressig stattgibt und diese seitens des Kultusministeriums gefördert wird, wenn der Landkreis dies wünscht - und das trotz rückläufiger Schülerzahlen. "Für die nördliche Region wird das die letzte Chance sein, ein solches Schulangebot zu platzieren", erklärte Landrat Klaus Löffler (CSU).


Es tauchen viele Fragen auf

Jürgen Baumgärtner, der sich in München für die Realschule in Pressig eingesetzt hat, wurde in den vergangenen Wochen mit einigen Fragen konfrontiert. Schüler, die bereits in Kronach zur Schule gehen, müssten nicht nach Pressig wechseln, wenn dort eine Realschule kommt, beruhigte er. Auch Lehrer würden nicht gezwungen werden, in Pressig zu unterrichten. "Die Ängste sind aber berechtigt", meinte Petra Zenkel-Schirmer von der Frauenliste. Wenn es nur um den Eintritt in eine Konzeptphase geht und dort alles genauer geprüft werde, stimme die Frauenliste für den Beschluss. "Es ist eine historische Chance für die Region. Diese sollten wir nutzen und dann schauen, ob es funktioniert", meinte Baumgärtner. Für Stefan Wicklein (FW) seien die strukturpolitischen Gründe ausschlaggebend dafür, die Prüfung nicht gleich vom Tisch zu wischen: "Der Kultusminister hat den Ball in unser Spielfeld geschlagen und wir müssen ihn nun zurückspielen."

Zunächst sei geplant, Vorläuferklassen in Pressig zu bilden. Die Verantwortlichkeiten im fachlichen Bereich seien der RS I zugeordnet. Die Entwicklung der Schülerzahlen und die Akzeptanz des Standorts werden vom Staatsministerium beobachtet. Ein Ergebnis könnte eine eigenständige zweizügige Realschule in Kooperation mit der Mittelschule sein. "Wir müssen aber auch bereit sein zu korrigieren, wenn es nicht so läuft", so Baumgärtner.

Wie genau eine dritte Realschule in Pressig aussehen soll, dazu konnte weder der Landtagsabgeordnete noch der Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Oberfranken, Johannes Koller, der eigens zur Kreistagssitzung nach Kronach kam, etwas sagen.


Streit um Elternbefragung

Das fehlende Konzept und die Aussage von Heiko Eichhorn irritierten einige Kreistagsmitglieder. Noch dazu kam der Aspekt, dass bis jetzt weder Eltern noch Schüler befragt wurden, ob sie eine Realschule in Pressig haben möchten. "Das überrascht mich mich jetzt. Ich dachte, es gab schon eine Befragung", sagte Timo Ehrhardt (SPD). Ähnlich ergeht es seinem Parteikollegen Oliver Skall. Nichtsdestotrotz sei die SPD für ein weiteres schulisches Angebot im Landkreis. Aber unter zwei Bedingungen: Eine dritte Realschule dürfte nicht zur Gefährdung der beiden Standorte in Kronach werden und vor der Umsetzung müsse eine Umfrage unter Eltern und Schülern durchgeführt werden - für Letzteres waren auch einige der anderen Kreistagsmitglieder. Die SPD forderte, diese beiden Punkte in die Abstimmung aufzunehmen.
Die CSU-Fraktion zeigte sich damit ganz und gar nicht einverstanden. "Elternbefragungen lehnt die CSU ab, weil wir glauben, dass der Begriff Eltern dafür erst einmal definiert werden muss. Wen sollen wir denn da alles fragen?", so Baumgärtner. Im Gremium wurde es plötzlich laut und alle diskutierten durcheinander. Landrat Klaus Löffler unterbrach die Sitzung für fünf Minuten. Und das lohnte sich: Beim Beschluss stimmte die große Mehrheit dafür, dass der Landkreis die Errichtung einer staatlichen Realschule in Pressig beantragt und die Verwaltung dafür die nötigen Anträge stellen soll. Der Kreistag und seine Gremien sowie die betroffenen Schulen sind regelmäßig über den Verfahrensstand zu unterrichten. Egon Herrmann und Peter Hänel (FW) stimmten dagegen. Auch die Ergänzungen der SPD wurden am Ende beschlossen: Eine dritte Realschule darf demnach zu keiner Gefährdung der bestehenden Realschulen führen und im weiteren Verlauf sind Eltern und Schüler anzuhören. Das weitere Prozedere regelt der Schulausschuss. Egon Herrmann stimmte auch gegen diese beiden Punkte.

Dennoch ist es nun beschlossen: Die Realschule Pressig hat noch eine Chance. Das Konzept soll im weiteren Verlauf in einer eigenen Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Schüler, Lehrer, Eltern und Industrie erarbeitet werden. "Es ist noch nichts in Stein gemeiselt. Aber wir müssen die Chance zumindest nutzen", so Baumgärtner.

Weitere Themen

Ehrung Heinz Hausmann (CSU) wurde in der Kreistagssitzung von Landrat Klaus Löffler geehrt: 45 Jahre ist er Mitglied des Kreistags. "In der Zeit hast du viele Spuren hinterlassen", erklärt Löffler bei der Urkundenübergabe.

Überschreitung Der Kreisausschuss hat bereits Ende Juni die außerplanmäßigen Ausgaben in Höhe von 559 976 Euro genehmigt. Nun war der Kreistag an der Reihe und genehmigte die rund 1,8 Millionen Euro an außerplanmäßigen Kosten, die in seinen Aufgabenbereich fällt. Die höchsten Haushaltsüberschreitungen gab es beim Ausbau der KC 3 bei Gifting, dem Jugendübernachtungshaus in Mitwitz und im Bereich Asyl.

Rechnungsprüfung Der Kreisausschuss hat in seiner Sitzung Ende Juni bereits einstimmig die Feststellung der Jahresrechnung 2015 sowie die Entlastung der Verwaltung für das Jahr 2015 beschlossen (wir berichteten). Auch der Kreistag stimmte einstimmig zu. 2015 konnte der Landkreis 26,3 Millionen Euro Schulden abbauen. Der Kreis hatte nach den Ausführungen von Michael Wunder, Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses ein Investitionsvolumen von 11,7 Millionen Euro. Allein 7,5 Millionen Euro fielen auf Schulsanierungen und den Kreiskulturraum. 2,7 Millionen Euro flossen in den Straßenbau. Auch die VHS, das Wasserschloss Mitwitz und das Jugendübernachtungshaus waren Themen, mit denen sich das Gremium auseinandergesetzt hat. Der Bauhof Nord mache jährlich 20 000 Euro Verlust. Doch wie Landrat Klaus Löffler erklärte, zeichne sich hier eine Lösung ab. "Es gibt weiter eine intensive Kooperation mit dem Staatlichen Bauamt." Die Umlaufzeiten würden dadurch verkürzt. Zudem werde ein Fahrzeug fest im Bauhof Nord stationiert - entweder vom Landkreis oder dem Staatlichen Bauamt. "Wenn der nächste Winter kommt, können wir nachhaltige Verbesserungen anbieten", so Löffler.

VHS
Die Vorplanungen für die Sanierung des VHS-Gebäudes sind zwischenzeitlich weit fortgeschritten. In der Kreistagssitzung stellte Michael Rudolph von der Firma C23 aus Leipzig die Planungen für das Außengelände vor und ging noch einmal kurz auf die notwendigen Baumfällmaßnahmen ein. Er versicherte dem Gremium, dass alles getan werde, um die gesunden Bäume zu erhalten und diese während der Baumaßnahmen zu schützen. "Durch Neupflanzungen werden wir für Ersatz sorgen und dem Park gleichzeitig ein neues Gesicht geben", so Rudolph.

Landrat Klaus Löffler betonte, dass es wichtig sei, nun die Grundsatzbeschlüsse zu fassen, damit die Planung weiter vorangehen kann. Die Kreisräte stimmten einstimmig für die Beschlüsse rund um das Thema Generalsanierung, Baumschutzmaßnahmen und beauftragten die Verwaltung, alle weiteren Maßnahmen zur zügigen Umsetzung zu ergreifen. Die Anregung von Bernd Liebhardt (CSU) ein gemeinsames Gremium aus Vertretern des Landkreises und der Stadt zu bilden, wurde direkt mit aufgenommen und direkt beschlossen. Dieses Gremium soll das Projekt gemeinsam begleiten und die Kosten im Auge behalten. lk
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