Coburg
Prozess

Kreis Kronach: Ex-Polizist wegen Vergewaltigung vor Gericht - Psychoterror in der Familie?

Der Prozess gegen einen Ex-Polizisten wegen Vergewaltigung geht weiter. Seine zweite Frau und ihre Tochter bescheinigen dem Mann äußerst hohe Aggressivität.
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"Ich war eh der Meinung, dass er der Typ ist, der früher oder später in der Lage ist, jemanden umzubringen",  so die zweite Ehefrau des Angeklagten über ihren Ex-Mann.Symbolfoto; Miriam Dörr - Fotolia
"Ich war eh der Meinung, dass er der Typ ist, der früher oder später in der Lage ist, jemanden umzubringen", so die zweite Ehefrau des Angeklagten über ihren Ex-Mann.Symbolfoto; Miriam Dörr - Fotolia

"Ich hab' mir gedacht, mach irgendwas, weil irgendwann eskaliert es (...), irgendwann macht es ,Päng‘, sagte die zweite Ehefrau im Zeugenstand. "Ich war eh der Meinung, dass er der Typ ist, der früher oder später in der Lage ist, jemanden umzubringen." Im Prozess gegen einen ehemaligen Polizisten aus dem Landkreis Kronach ist es kein gutes Bild, was die Zeugin vom Charakter des 55-jährigen ehemaligen Kronacher Polizeibeamten zeichnet, auch wenn sie bemüht ist, ihre Beziehung objektiv zu schildern. Später relativiert sie wieder: "Jemanden umbringen, das war vielleicht zu hoch gegriffen", sagte sie, und sprach stattdessen von einem "Fass, das am Überlaufen ist".


"Er war eine schwierige Persönlichkeit", erklärte sie, ihre zehnjährige Ehe habe Höhen und Tiefen gehabt. Sie könne auch nur von Streitigkeiten berichten: "Handgreiflichkeiten mir gegenüber hat es nie gegeben." Kennengelernt habe sie ihren Mann, wie so viele der Zeuginnen und ehemaligen Freundinnen des 55-Jährigen, bei einem Polizeieinsatz. Bei einem Einbruch sei er der ermittelnde Beamte gewesen.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, hielt ihr ihre polizeiliche Aussage vor: "Was er sagt, ist Gesetz. So wie er drauf war, das war unfassbar." Und: "Ich möchte auch sagen, dass ich vor ihm totale Angst habe." Ja, sie habe Angst vor ihm gehabt, erläuterte die Zeugin, "auch wenn es nie eskaliert ist". Ja, er habe sie ganz oft beleidigt, auch einmal "geschubst", ja, er habe öfters seine Hand gehoben und ausgeholt, aber nie zugeschlagen. Auch ihren Laptop habe er mit Gewalt zu Boden geworfen. Als der Angeklagte sie schließlich wegen einer anderen Frau verlassen habe, sei sie richtiggehend erleichtert gewesen. Sich selbstständig von ihm zu trennen und ihm zu sagen, dass es "Aus" sei, sei zu gefährlich gewesen. "So wie es gelaufen ist, ist es perfekt gewesen."

Die Zeugin hatte Kenntnis von manchen der Vorfälle, die den Kronacher schließlich vor den Kadi gebracht hatten. Sie schilderte detailliert, was ihr die dritte Ehefrau bei einem Anruf anvertraut hatte. "Sie war am Ende, verzweifelt und am Heulen", sagte sie aus. Demnach soll der 55-Jährige versucht haben, seine dritte Ehefrau im Wohnzimmer zu vergewaltigen. Einmal habe sie ihn auch gegen ihren Willen oral befriedigen müssen. Die Tatvorwürfe der Staatsanwaltschaft lauten auf Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung.

 


Streit, Spannungen und schlechte Laune


Auch die ehemalige Stieftochter sagte aus: "Es gab nur Streit, Spannungen und schlechte Laune", erklärte die 23-Jährige. Sie sei neun Jahre alt gewesen, als der ehemalige Polizist in das Leben ihrer Familie trat. "Da hat man so seine Rituale und will seine Mama für sich", erklärte sie. Ob abendliches Vorlesen oder auf der Couch kuscheln: "Diese Sachen wurden unmöglich." Zeitweise sei der Hausschlüssel weg gewesen, wenn sie von der Schule nach Hause kam. Sie sei dann zu ihrer Oma gegangen. Sachen von ihr seien im Garten zerstreut worden. "Da fliegen Laptops durch die Wohnung, dass es Dellen in der Wand gibt, (...) Schlüssel flogen durch die Wohnung", erklärte sie. Sie sprach von "Psychoterror". Der Angeklagte habe sie "rausgeschmissen" aus dem Haus oder am Arm gepackt und durch die Wohnung gezogen und vor die Tür gestellt. Da sei ihre Mutter allerdings nie zu Hause gewesen, sagte sie. Beschimpfungen wie "Miststück" oder "Schlampe" seien an der Tagesordnung gewesen. Sie sei immer "die Böse" gewesen. "Zugegeben, ich war ein Teenager", sagte die junge Frau und in ihrem Zimmer sicherlich nicht die Ordentlichste gewesen.

 

 


Massive Beleidigungen


Aber auch ihre restliche Familie, Paten, Onkel und Uroma seien von dem 55-Jährigen massiv beleidigt worden. Kontakte mit den Eltern ihrer Mutter, die gesundheitlich angeschlagen waren, seien unmöglich geworden. "Nach meinen Empfindungen war es Eifersucht", sagte sie. Einmal habe ihr Stiefvater ihr den Hinterkopf gegen den Türrahmen ihres Zimmers gestoßen, so dass sie eine Beule davongetragen habe. Das relativiert sie aber: "Ich denke nicht, dass er die Wucht in der Art und Weise einsetzen wollte." Ihre jüngere Schwester, die gemeinsame Tochter ihrer Mutter und des Angeklagten, sei von ihm derart instrumentalisiert worden, dass diese sie ihr Leben lang als Feindin betrachtet hat. "Das war die absolute Manipulation eines unschuldigen Kindes."

Die Zeugin gab an, den Anruf der dritten Ehefrau, in der ihrer Mutter die sexuellen Übergriffe geschildert wurden, mitgehört zu haben. Sie bestätigte die Aussagen ihrer Mutter. Aus Angst vor den Folgen für ihre Familie und auch weil der Angeklagte Polizeibeamter war, habe sie ihn nicht angezeigt. Sie habe Angst gehabt. "Sein wahres Gesicht ist absolut aggressiv", erklärte sie, "er fährt schnell aus der Haut."

 

 


Lebensgefährtin nimmt Angeklagten in Schutz


Die Lebensgefährtin des Angeklagten schilderte ihre Beziehung dagegen als "ganz normal". Die dritte Ehefrau habe immer nur Geld gewollt, sagte sie aus. "Einmal waren es 3000, einmal 5000, (...) (sie nennt weitere Summen), am Schluss waren es 10 000 Euro." Diesbezügliche Gespräche ihres Mannes am Mobiltelefon habe sie mitgehört, weil er den Lautsprecher eingeschaltet habe. Während eines weiteren Telefongesprächs soll die dritte Ehefrau, die auch als Nebenklägerin auftritt, gedroht haben, den 55-Jährigen ins Gefängnis zu bringen, wenn er nicht zahle, schilderte sie.

Dass ihr Lebensgefährte laut Gillot parallel zu ihr auch weiterhin sexuelle Kontakte mit seiner Exfrau unterhalten habe, war ihr neu. An jenem Vormittag Anfang März 2017, an dem der Angeklagte seiner Ehefrau gegenüber in deren Wohnung sexuell übergriffig geworden sein soll, wähnte die Zeugin ihn im Dienst. "Er hatte die Uniform an und gesagt, er würde arbeiten." Dem widersprach der Richter: "Der Dienstplan sagt, dass er an dem Tag nicht gearbeitet hat."
Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

 

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