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Kritik

Neuer Fahrplan für Kronach: Feilschen um Minuten

Die Diskussion um den neuen Fahrplan der Deutschen Bahn hält an. Auch die Bilanz der IHK fällt durchwachsen aus.
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Foto: Martin Schutt/dpa
Foto: Martin Schutt/dpa
Ein paar Minuten mehr oder weniger - darauf kommt es ja nicht an, oder? Pendler, die werktags von Kronach Richtung Bamberg den Regionalexpress nehmen, werden vermutlich etwas anderes sagen. Der Zug um 6.33 Uhr benötigt künftig sieben Minuten länger. Das sind 35 Minuten in der Woche, über zwei Stunden in Monat - großzügig gerechnet ein Tag im Jahr.

Die Einführung des neuen Fahrplans der Deutschen Bahn zum 10. Dezember ist vielen Kronachern ein Dorn im Auge, denn sie fühlen sich abgehängt (der FT berichtete). Die IHK für Oberfranken hat auf Anfrage des FT die neuen Verbindungen analysiert - Begeisterung klingt anders. "Kronach profitiert von der Fertigstellung der ICE-Strecke von München nach Berlin, bei anderen Verbindungen müssen sich Fahrgäste oft auf schlechtere Verbindungen einstellen", sagt Hans Rebhan, Oberfrankens IHK-Vize-Präsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Kronach.

Die neue ICE-Strecke birgt für Kronach Vorteile - Richtung Berlin und Leipzig. Hier sei die Bahn wettbewerbsfähiger geworden, so Rebhan. "Diese Verbesserungen werden aber erkauft mit einer schlechteren Anbindung vor allem in Richtung Würzburg." Wie sich die anderen Fernverkehrsverbindungen, etwa nach Frankfurt oder Stuttgart mit dem neuen Fahrplan entwickeln, hat die IHK ebenfalls bewertet (siehe Infokästen).


Das ändert sich für Pendler

Zurück auf die Strecke nach Bamberg - hier muss man genau hinsehen, um die Vor- und Nachteile der Änderungen nachvollziehen zu können. Bisher gab es unter der Woche sieben RE-Verbindungen ab Kronach, die nach 33 Minuten in Bamberg ankamen. Künftig benötigen die Züge mindestens 45 Minuten. "Da ist es ein schwacher Trost, dass es künftig außer freitags einen Intercity um 18.28 Uhr gibt, der Bamberg bereits nach 30 Minuten erreicht", sagt Rebhan.

Denn für Pendler seien natürlich vor allem die Züge am Morgen von Interesse. Wer die Regionalbahn um 5.41 Uhr oder 7.08 Uhr nach Bamberg nimmt, braucht künftig zwar eine Minute weniger - der Zug um 6.08 Uhr braucht dafür allerdings sieben Minuten länger, die Verbindung um 7.50 Uhr sogar zwölf Minuten länger.

Die Rückfahrt lässt hoffen: Die Züge um 17.23 Uhr und 18.05 Uhr sind jeweils eine Minute, der Zug um 16.04 sogar sechs Minuten schneller. Die Verbindungen um im 16.54 Uhr sind allerdings um neun, die mit Abfahrt um 19.22 Uhr sogar zehn Minuten länger unterwegs. Es ist ein Feilschen um Minuten. "Für jemanden, der täglich nach Bamberg pendelt, kann sich das ganz schön summieren", sagt Rebhan.


Gute Nachrichten für Küps

Eine positive Neuerung hält der Fahrplan für den südlichen Landkreis bereit. Mit dem neuen Regionalexpress-Halt in Küps alle zwei Stunden ist man dort künftig besser ans Bahnnetz angebunden. "Allen kann es die Bahn natürlich nicht Recht machen", so Rebhan, "zusätzliche Halte kosten einerseits etwas Zeit, machen die Bahn aber andererseits für neue Zielgruppen interessant."
Die Forderung des IHK-Vizepräsidenten: Spätestens zum nächsten Fahrplanwechsel 2018/19 müssen Nachbesserungen erfolgen.



Die Fernverkehrsverbindungen im Überblick:

Berlin: Auf dem Weg nach Berlin profitieren Kronach-Bahnreisende von der neuen ICE-Strecke. Mehrmals täglich erreicht man Berlin Hauptbahnhof fahrplanmäßig in rund 3:40 Stunden statt wie bisher rund 4:20 Stunden. Gab es bisher allerdings an den meisten Arbeitstagen elf Verbindungen mit einmaligem Umsteigen, sind es künftig nur noch acht. Dafür erreicht der erste Zug die Bundeshauptstadt bereits um 09.29 Uhr. Die Ankunft ist damit rund eine Stunde früher als bisher und das, obwohl der Zug nur 20 Minuten früher in Kronach abfährt. Die Bilanz für die Strecke Kronach - Berlin fällt damit positiv aus.

Würzburg: Signifikant verschlechtert haben sich die Verbindungen nach Würzburg. Erreichte bisher der erste Zug Würzburg um 7.22 Uhr, verschiebt sich die Ankunftszeit künftig auf 7.46 Uhr. Wies der bisherige Fahrplan werktags sieben Verbindungen mit einer Fahrzeit von 1:34 Stunden aus, benötigt man künftig mindestens 2:01 Stunden. Noch ein Manko der neuen Planung: Bahnreisende müssen künftig bei diesen Verbindungen in Bamberg über eine halbe Stunde auf ihren Anschlusszug nach Würzburg warten. Bisher betrug die Wartezeit nur sechs Minuten. Dafür gibt es mit dem Wechsel werktags etwas mehr Verbindungen.

Frankfurt a.M.: Eine wichtige Rolle spielt der Verdichtungsraum Frankfurt für die Unternehmen im Raum Kronach Unternehmen. Mehrere Verbindungen in Richtung Frankfurt Hauptbahnhof und Flughafen sind etwas schneller geworden, dafür gibt es aber spürbar wenigere dieser schnellen Verbindungen. Spürbar länger sind die Züge künftig gegen 8 Uhr und gegen 18 Uhr unterwegs.

München: Gab es bisher an Werktagen fünf Verbindungen, mit denen man in rund 2.40 Stunden München erreicht hat, ist man hier ab 10. Dezember meist ein paar Minuten länger unterwegs.
Nur noch abends um 18.28 Uhr erreicht man per IC und ICE die Landeshauptstadt in 2.38 Stunden, ansonsten ist man mindestens 2.47 Stunden unterwegs.

Leipzig: Künftig gibt es werktags sieben Züge, die nur noch rund 2:20 Stunden für die Fahrt nach Leipzig benötigen. Bisher war man bei den schnellsten Verbindungen zwischen 2:58 und 3:14 Stunden unterwegs. Auch gibt es ab Dezember eine Direktverbindung mit dem Intercity um 11:33 Uhr. Auf der anderen Seite müssen Bahnreisende öfter als bisher zweimal umsteigen.

Stuttgart: Uneinheitlich die Entwicklung in Richtung Stuttgart. Einerseits entfällt die 9 Uhr-Verbindung nach Stuttgart. Andererseits haben sich die Fahrzeiten meist etwas verkürzt, in einigen Fällen aber auch spürbar verlängert. Einmal täglich (außer Freitag und Samstag) erreicht man Stuttgart künftig umsteigefrei mit dem IC um 18.28 Uhr, Samstags um 10.28 Uhr. Diese Züge benötigen nur noch 3:25 Stunden. Insgesamt gibt es aber weniger Verbindungen als bisher, mit denen man Stuttgart in gut vier Stunden erreicht, der Zug gegen 17 Uhr braucht künftig rund eine halbe Stunde länger. Positiv ist, dass sich die Zahl der Verbindungen, bei denen man das Ziel mit nur einmaligem Umsteigen erreicht, fast verdoppelt hat.

Nürnberg: Insgesamt wenige Veränderungen gibt es bei der Fahrzeit nach Nürnberg, allerdings ist die Zugfrequenz etwas höher als bisher. Andererseits gab es bisher an Werktagen fünfmal täglich einen Zug, der Nürnberg von Kronach aus in 1:22 Stunden erreicht. Ab Dezember gibt es zwar täglich außer freitags einen IC, der Nürnberg bereits nach 1:05 Stunden erreicht, für die anderen vergleichbaren Verbindungen benötigt der Fahrgast künftig meist sieben Minuten länger als bisher.

Hamburg: Rund 20 bis 30 Minuten länger unterwegs sind die schnellsten Züge ab 10. Dezember künftig nach Hamburg, ein weiterer wichtiger Zielort für Mitarbeiter der heimischen Unternehmen. Gab es bisher werktags täglich sieben Verbindungen mit einer Fahrzeit zwischen 5:06 und 5:11 Stunden, brauchen die Züge künftig mindestens 5:34 Stunden. Auch kommt der erste Zug am Morgen eine halbe Stunde später in der Hansestadt an. Dafür gebe es aber mehr Relationen, wo nur noch einmal statt zweimal umgestiegen werden müsse.
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