Lahm
Hochfest

Lahm feiert die Mutter Gottes

Der zum 292. Mal gefeierte Gedenktag "Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel" lockte erneut eine große Zahl Gläubiger in den kleinen Frankenwaldort.
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Die Marienprozession zieht durch Lahm. Fotos: Heike Schülein
Die Marienprozession zieht durch Lahm. Fotos: Heike Schülein
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Am Wochenende wurde das größte kirchliche Fest in der Pfarrei St. Ägidius Lahm bereits zum 292. Mal gefeiert. Während der Festlichkeiten brachten die Gläubigen ihre Marienverehrung durch Gebete, Festgottesdienste sowie einer feierlichen Prozession zum Ausdruck.

Der Idealismus und das Engagement, mit denen in Lahm diese schöne alte Tradition aufrecht erhalten wird, ringt Respekt und Anerkennung ab. Dies bekundete auch Abt Maximilian Heim OCist vom Zisterzienserkloster Heiligenkreuz, der am Sonntagmorgen mit Pfarrer Sven Raube den Festgottesdienst im Festzelt zelebrierte.

In seiner aufwühlenden Predigt ging der Abt auf die Bedeutung des Skapuliers wie auch der Gottesmutter für unser Leben ein; beides heutzutage wichtiger denn je. "Wir leben in einer Zeit geistiger Auseinandersetzung und einer zum Himmel schreienden Verwirrung - eine Zeit, in der nicht mehr an früher Verbindlichem festhalten wird", prangerte er an. Viele Gesetze würden heute gegen Gottes Gebot gemacht. In unserer Zeit gebe es nicht nur einen Priestermangel, sondern auch einen riesigen Gläubigenmangel, da viele Getaufte vom Glauben abfielen. Beispielsweise habe er erlebt, wie im Ruhrgebiet geweihte Kirchen geschlossen und abgerissen wurden. Das Skapulier sei kein Amulett oder Talisman, sondern ein Schutzmantel sowie ein besonderes Zeichen der Einheit von Jesus mit Maria.

Während der Heiligen Messe fand eine Kinderkirche im Jugendheim statt. Die Jungen und Mädchen zogen nach der Predigt ins Zelt ein. Gemeinsam mit ihren Betreuerinnen sangen sie das Lied "Wir singen alle Hallelu", wozu sie einen Tanz aufführten. Die stimmungsvolle musikalische Umrahmung des Gottesdienstes oblag dem Gesangstrio Franziska, Maria und Sophie.

Mit den Neuaufnahmen in die Skapulierbruderschaft fanden am Sonntagnachmittag die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt. Neben den diesjährigen Kommunionkindern traten auch acht Erwachsene ein.

"Es geht nicht um ein äußeres Zeichen. Vielmehr steht das Skapulier für die Erneuerung im Geist, damit wir Maria - unserer Mutter und Schwester im Glauben - immer ähnlicher werden", appellierte Karmelitenpater Dieter Lankes bei der Andacht am Sonntagnachmittag. Marias Haltung und Leben sei ein Vorbild für alle Karmeliten. "Sie bewahrte alles im Herzen und dachte darüber nach", zitierte er die Bibel. Der richtige Ort, um die Geschehnisse in Beziehung zueinander zu bringen, sei dann auch das Herz und nicht der Kopf. Die Herausforderung für uns Christen bestehe darin, das Wort Gottes in die großen und kleinen Ereignisse unseres Alltags einzubringen sowie Gottes liebevolle Gegenwart im Alltag zu suchen und zu entdecken.

Bei der Auflegung des Skapuliers sprach der Karmelitenpater das Aufnahmegebet. Den neu aufgenommenen Gläubigen hängte er dabei ihr Stoff-Skapulier um den Hals und überreichte ihnen jeweils eine Skapuliermedaille. Das kleine Stoffskapulier besteht aus zwei Vierecken. Sie sind durch zwei Schnüre miteinander verbunden. Ein Teil wird auf der Brust, der andere auf dem Rücken getragen. Ein schönes gesticktes großes "M" auf dem einen Teil mit einer blühenden Rose steht für Maria. Auf dem anderen Teil ist das Erkennungszeichen des Ordens mit seinen drei Sternen - symbolisch für Glaube, Liebe, Hoffnung - zu sehen. Anschließend zogen die Gläubigen in einer Marienprozession durch Lahm, bevor der Musikverein Hesselbach beim Zeltbetrieb aufspielte.

Am Montagabend erteilten die Neupriester Philipp Janek und Florian Sassik in einer von der Band des Musikvereins Hesselbachs umrahmten Eucharistie-Feier den Primizsegen.

Die Feierlichkeiten hatten am Donnerstag mit einem Gottesdienst sowie einem anschließenden Anbetungsabend mit meditativen Texten und rhythmischen Liedern in der Pfarrkirche begonnen. Die Festpredigt beim Gottesdienst am Samstagabend hielt Pater Gottfried Hofer OMI vom Oblatenkloster Kronach. Die musikalische Gestaltung oblag an allen Tagen Hans Pittroff an der Orgel.


Das Skapulier

Bedeutung Das kleine Skapulier symbolisiert den schützenden Mantel Mariens. Es lässt den Träger teilnehmen am spirituellen Reichtum des Karmelitenordens und erinnert ihn daran, dass Gott in jeder Stunde seines Lebens gegenwärtig ist. Zudem stellt er ihn unter die Obhut der Gottesmutter.

Geschichte Die Geschichte des Skapuliers ist eng mit der des Karmelitenordens verwoben. Der Überlieferung nach soll der Ordensgeneral Simon Stock am 16. Juli 1251 in Cambridge eine Marienerscheinung gehabt haben, bei der ihm Maria ein Skapulier übergeben habe. Trotz intensiver Nachforschungen bleibt die Gründungsurkunde der Skapulierbruderschaft zu Lahm unauffindbar. Der schlüssigste Beweis für das Gründungsjahr 1726 findet sich im ersten Bruderschaftsbuch. hs
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