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Kronach Open Air

Kümmert reißt Zuhörer von den Sitzen

Der 31-jährige Unterfranke entpuppt sich auf der Festung als kleiner Mann mit Riesenstimme und noch größeren Gefühlen.
Andreas Kümmert lässt in seinen Songs beim Kronacher Open Air seinen Gefühlen freien Lauf. Foto: N. Neugebauer
 
von NORBERT NEUGEBAUER
Welche Dämonen müssen diesen Typen treiben, dass er sich jeden Song so aus der Seele quetscht, als wäre es sein letzter? Das schüttere Haar inzwischen abrasiert, mit rotem Wikingerbart über dem Kugelbauch, bleibt der 31-jährige Unterfranke keine Sekunde ruhig auf dem Stuhl sitzen. Der Oberkörper verdreht sich, der Kopf mit meist halb zugekniffenen Augen wippt vor und zurück, Gestik und Mimik spiegeln das wider, wovon er singt. Und das geht unter die Haut.
Dabei macht er das schon gut zehn Jahre, lange bevor er durch die haushoch gewonnenen TV-Casting-Shows "Voice of Germany" 2013 und Eurovisions-Song-Contest 2015 mehr als deutschlandweit bekannt wurde. Was danach kam, ist bekannt; nach dem denkwürdigen Abgang wegen Panikattacken gab es auch Reaktionen, die er nur schwer verkraften konnte. Es hat gedauert, bis er wieder - so wie früher - bis zu 150 Gigs pro Jahr absolvierte.
Heuer hat er noch über 50 Auftritte auf dem Plan. Aber eins hat sich zum Positiven verändert - verdientermaßen größere Podien und sicher auch Gagen, von denen er besser leben kann. Wer dann wie er in den eigenen Songs sein Innerstes nach außen kehrt, der muss wohl gewisse Schutz-Mechanismen entwickeln, dass er das unbeschadet durchhält. Andreas Kümmert, der bei der diesjährigen Acoustic-Tour von Keyboarder und Co-Sänger Sebastian Bach begleitet wird, versucht das mit einer offensichtlich nur ungern absolvierten Moderations-Routine. Erzählt Blödsinn und strickt dazu mit Ironie und Selbstironie einen roten Faden um angebliche Fahrradgeschichten, die überhaupt nichts mit den Songs zu tun haben. Vielleicht seine Art, trotz der eingebrachten Emotionalität und der Begeisterung seiner Zuhörer eine Distanz zu schaffen.
Die Stücke drehen sich um die eigenen Gefühlswelten oder Beziehungsgeschichten, beides offensichtlich schwierige Angelegenheiten und die Reflexionen darauf. Und damit hat er genug zu tun. Von wegen "Simple Man", womit er zur Keyboard-Begleitung in den Abend einsteigt. Sein Hit aus der Eurovisions-Song-Quali bringt ihn und das zu Zweidrittel gut gefüllte Auditorium gleich auf Betriebstemperatur. "Falling", "Reflection", Beside You" - Songs vom letzten Album "Recovering Case" mischt er mit früheren und einigen Coversongs. Während er sich bei den ersten Stücken auf Begleitung auf der Stahlsaiten-Gitarre beschränkt, wird spätestens bei der folgenden Bluesnummer klar, dass er auch als Solist erstklassig ist. Ansonsten pendelt er zwischen modernem weißen Soul mit ordentlichem Pop-Appeal und klassischen Singer/Songwriter-Nummern.
Seine gut strukturierten, dynamischen Songs haben durchwegs Format und auch damit unterscheidet er sich vom Gros der Kollegen aus dem Land deutlich. Aber natürlich vor allem mit seiner gewaltigen Stimme, die ihn von jeder Konkurrenz meilenweit abhebt - voluminös powernd bei den Rocktiteln, aber auch gekonnt phrasierend und soulful groovend bei den "Balladen". Bach ist für diese Tour ein guter Sideman, der nicht nur mit seinem Tastenspiel die Soundbasis liefert, sondern auch den Hauptakteur stimmlich gut ergänzt.
Mit großem Applaus wurde das Duo in die etwas zu lange Pause entlassen. Geschickt hatte Kümmert im ersten Teil rhythmische mit gefühlvollere Nummern gemischt. Im zweiten steigerte der Bühnenprofi dann die Intensität weiter bis zu einem mitreißenden Finale. "Silver and Gold", das in dieser Version noch stärker als auf dem Album wirkte, war der Auftakt, dem dann das hochemotionale "Home is in my Hand" folgte. Mit Elton Johns "Rocket Man", dem "German Voice"-Titel, nahm das Konzert sein vorläufiges Ende. Das jubelnde Publikum, längst aufgestanden, musste nicht lang auf die Zugaben warten. "Peaceful easy Feeling" als Eagles-Cover und "Heart of Stone" beendeten nach zweieinhalb Stunden ein starkes Open Air-Konzert auf der Festung. Andreas Kümmert kann man nur wünschen, dass er es schafft, seinen emotionalen Druck weiterhin in so tolle Musik umzusetzen. Allerdings gibt es im Blues und Soul durchaus auch sanftere und differenziertere Töne, man muss ja nicht alles aus sich herauspressen.
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