Kronach
Vorstoß

Kronacher Pflegekräfte kämpfen gegen Bürokratie

Die Pflegekräfte in Altenheimen wollen weniger Stunden für Bürokratie aufwenden. MdL Jürgen Baumgärtner unterstützt ihr Anliegen. Vier Kronacher formulierten entsprechende Anträge im Landtag.
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Im Gespräch mit Bewohnern des Lucas-Cranach-Hauses (stehend, von links): Andreas Beetz, Katja Suffa-Weißkopf, MdL Jürgen Baumgärtner und Karin Büttner  Foto: Friedwald Schedel
Im Gespräch mit Bewohnern des Lucas-Cranach-Hauses (stehend, von links): Andreas Beetz, Katja Suffa-Weißkopf, MdL Jürgen Baumgärtner und Karin Büttner Foto: Friedwald Schedel
Alle sind sich einig: Es wird zu viel Zeit für Dokumentation und Bürokratie im Pflegedienst vergeudet. Doch alle nehmen das hin und kaum keiner tut was dagegen. Nicht so MdL Jürgen Baumgärtner (CSU). Der fuhr mit vier Kronacher Pflegekräften nach München, wo diese vor der CSU-Fraktion Anträge formulierten, wie man Bürokratie abbauen und das Pflegesystem verbessern könnte.

Das Quartett war am Donnerstag zum Werkstattgespräch zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation in den Landtag eingeladen und berichtete am Freitag über die Visite. Mit von der Partie waren Karin Büttner, Katja Suffa-Weißkopf, Andreas Beetz und Harald Schubert. Die Anträge haben durchaus sozialpolitischen Sprengstoff in sich. So forderten sie mit Unterstützung Baumgärtners, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) sowie die Fachstellen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen (FQA) durch neutrale Prüfinstanz ersetzt würden, die dem Gesundheitsministerium zu unterstellen sei. Denn der MDK sei ja für die Krankenkassen tätig und könne nicht neutral sein. "Die prüfen für denjenigen, der das bezahlt", zweifelte der Abgeordnete an der Objektivität. Außerdem forderten die Kronacher, dass die psychosozialen Befindlichkeiten der Bewohner nicht ständig dokumentiert werden sollten, sondern lediglich Veränderungen. Die ausführliche schriftliche Pflegeplanung war ihnen ebenso ein Dorn im Auge wie die Genehmigung von Transporten durch die Kassen zu ambulanten Behandlungen oder die Einstufung der Pflegestufen.


Bürokratie wächst immer mehr an

MdL Baumgärtner stellte heraus, dass es ihm darum gehe, dass das Pflegepersonal mehr Zeit für die Patienten habe und weniger Zeit für die Bürokratie aufwenden müsse. Harald Klier, Heimleiter des Lucas-Cranach-Hauses in Kronach, betonte: "Vor 38 Jahren, als ich angefangen habe, habe ich gerne dokumentiert, weil ich die Kollegen informieren und ihnen helfen konnte." Im Lauf der Jahre sei die Bürokratie immer mehr angewachsen. Es sei deshalb notwendig, die Dokumentierung auf das zu reduzieren, was notwendig sei. Cornelia Thron von der Caritas pflichtete ihm bei. Es werde nicht das aufgeschrieben, was passiert sei, sondern eine Risikobewertung müsse immer wieder abgegeben werden. Ein Drittel der Pflegezeit bräuchten ihre Mitarbeiter alleine für die Dokumentation.

MdL Baumgärtner ergänzte, die Kassen zahlten nur für das, was auch dokumentiert sei. Das führe dazu, dass die Häuser Leistungen erbrächten, die von den Kassen gar nicht gezahlt würden. Würden die Überprüfungsintervalle des MDK gestreckt, könnte man zig Millionen Euro sparen - und dieses Geld in Jobs für das Pflegepersonal investieren. Denn das sei arg belastet.
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