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Natur

Jagen im Paradies für Wildschweine

Bernhard Schmitt vom Jagdschutz- und Jägerverband Kronach berichtet, warum die Tiere im Landkreis ein "Eldorado" vorfinden und welche Lösung er bevorzugt.
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Bernhard Schmitt ist leidenschaftlicher Jäger. Seit neun Jahren hat er den Vorsitz des Jagdschutz- und Jägerverbands für den Landkreis Kronach inne.  Foto: Veronika Schadeck
Bernhard Schmitt ist leidenschaftlicher Jäger. Seit neun Jahren hat er den Vorsitz des Jagdschutz- und Jägerverbands für den Landkreis Kronach inne. Foto: Veronika Schadeck
Die Population von Schwarzwild hat rasant zugenommen - nicht nur im Landkreis, sondern in ganz Bayern. Pro Jahr steigt sie um bis zu 300 Prozent, und die Schäden, die diese Borstentiere in der Landwirtschaft anrichten, können immens werden. Allein in der Jagdsaison 2016/17 wurden 1432 Wildschweine im Landkreis Kronach erlegt. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren waren es nur 377.
Seit über 20 Jahren ist Bernhard Schmitt Jäger, seit neun Jahren hat er den Vorsitz des Kreisverbandes inne. Dass die Wildschweinproblematik so rasant zunimmt, führt Schmitt auf mehrere Gründe zurück. Die Winter werden milder, ohne eine geschlossene Schneedecke ist eine Bejagung dieser nachtaktiven Tiere und eine entsprechende Reduzierung im Winter bei abgeernteten Flächen sonst nur schwer möglich.
Außerdem führen ein reich gedeckter Tisch im Wald und die immer größeren ertragreichen landwirtschaftlichen Anbauflächen, wie beispielsweise Getreide, Raps und Mais, in denen die Wildschweine nicht nur in Deckung gehen, sondern auch viel zu fressen bekommen, zu einem überreichen Nahrungsangebot. "Die Wildschweine finden hier ein Eldorado", so Schmitt.


Wenn Reviergrenzen nicht helfen

Wildschweine haben zudem keine natürlichen Feinde, sie sind widerstandsfähig und äußerst schlau. Wildschweinrotten, die immer von der erfahrensten Sau geführt werden, treten nicht so einfach in einer Vollmondnacht auf ein Getreidestoppelfeld heraus - sie bleiben lieber im Wald oder dort, wo der Mond einen Schatten wirft. Reviergrenzen kümmern die Wildsau nicht. Sie streifen in einer Nacht oft kilometerweit umher.
Wenn der Jäger dann an der falschen Stelle sitzt, hat er halt Pech gehabt. Insgesamt halten sich die Schäden jedoch noch in Grenzen. Dennoch gibt es Flächen im Landkreis, in denen eine Rotte von Sauen einen ganzen Haferschlag oder ein Maisfeld verwüsten. Innerhalb einer Nacht kann so mal schnell ein Wildschaden um die 1000 Euro entstehen. "Und da hört der Spaß auf, sowohl für den Bewirtschafter als auch für den Jäger", sagt Schmitt.
Eine Lösung für das Wildschwein-Problem sieht Bernhard Schmitt in einer noch stärkeren Bejagung. Dies sei auch notwendig, um der Schweinpest vorzubeugen. Sowohl der Nachtansitz als auch revierübergreifende Jagden seien vielversprechend.
Ein Problem sei aber, dass es immer weniger Jäger gibt, die bereit sind, ein Jagdrevier verantwortungsvoll zu übernehmen. Trotz dieser Erkenntnis bestehe aktuell eine große Nachfrage nach dem Jagdschein. Die Kronacher Jägerschule sei jedenfalls ausgebucht. Sinnvoll - so Schmitt - wäre, wenn man sich ein Jagdrevier mit jemandem teilt und sich so die Arbeit, den Aufwand, die Risiken und die intensive Bejagung freundlicher gestaltet.


Problem erkannt

Das bestätigte auch Reinhold Heinlein. Seit 1998 betreibt der Hegeringleiter der Hegemeinschaft VI sein 500 Hektar großes Jagdrevier in Förtschendorf. Er begrüßt es, dass Jagdgenossen mittlerweile die Problematik erkannt haben und bei der Verpachtung ihrer Jagdreviere auf heimische Jäger zurückgreifen, die oft vor Ort sind und regelmäßig zur Jagd gehen. Das ist auch notwendig, bekräftigt Schmitt: "Die Zeiten, in denen die Jagd ein Hobby war, sind endgültig vorbei!"


Mit Technik gegen Überpopulation? Pilotprojekt im Landkreis läuft noch

Das Landratsamt Kronach hat als Untere Jagdbehörde mit Rothenkirchen und Marienroth zwei Jagdreviere als Pilotprojekt ausgewählt und die Erlaubnis erteilt, sogenannte "Dual-use"-Nachtsichtvorsatzgeräte in Verbindung mit dem Zielhilfsmittel einer Jagdlangwaffe zu verwenden. Befristet ist es zunächst zum 31. März 2018. Es dient dazu, die Vor- und Nachteile der Nachtzieltechnik genauer einschätzen können. Des Weiteren soll die Wirksamkeit und Effektivität der Nachtzieltechnik bei der Schwarzwildjagd überprüft werden, so der Sachbearbeiter der Unteren Jagdbehörde, Johannes Zwingmann. Nach Ablauf der Pilotphase soll mit dem Jagdbeirat entschieden werden, ob eine Erweiterung der Genehmigung auf andere Jagdreviere sinnvoll wäre.
Pächter der beiden Jagdreviere, die an dem Projekt teilnehmen, ist Stefan Scherbel. Er glaubt, dass das Gerät dabei helfen könnte, gegen eine Überpopulation der Wildschweine vorzugehen. Mit dem Nachtsichtvorsatzgerät habe er bisher jedenfalls gute Erfahrungen gemacht, erklärt der 41-Jährige.
Ob das Projekt verlängert wird, hänge von den Abschusszahlen ab. In seinem Revier sei die Wildschweinproblematik enorm. Durch das Vorsatzgerät sei eine gezielte Bejagung an Problemstellen unabhängig von Mondphasen möglich, weil die Wildschweine einfach besser erkannt werden können.


Natürlicher Kontrollmechanismus

Auch könne durch die genaue Sicht mit dem Nachtsichtvorsatzgerät das Erschießen einer Leitbache verhindert werden. Denn so etwas habe verheerende Folgen, da die gesamte Rotte dadurch ohne Führung ist. Es kann dazu kommen, dass die Bachen mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen, denn genau diese fehlende Leitbache kontrollierte ja bisher, wer sich fortpflanzen darf und wann dies geschieht. Durch das Fehlen einer Leitbache fehlt auch dieser Kontrollmechanismus.
Für Scherbel steht fest, dass sich die jährlich steigenden Schäden durch Schwarzwild nicht mehr mit konventionellen Methoden auf ein akzeptables Niveau zurückführen lassen.
Bernhard Schmitt ist hingegen weniger euphorisch. Er weist darauf hin, dass es für die Geräte keine allgemeine Erlaubnis gibt und vom Bundeskriminalamt abgelehnt wird. Es müsse nun abgewartet werden, ob der Einsatz im Pilotprojekt erfolgreich ist. Durchaus, so der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägerverbands, gebe es im Frankenwald Lagen, in denen trotz intensiver Bejagung die Schwarzwildproblematik nicht in den Griff zu bekommen ist. Allerdings sehe er den Einsatz von Technik durchaus mit Problemen verbunden. Und er stellt klar: "Wir Jäger sind keine Feld- und Flurüberwacher." vs
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